Großhandel: Metro: Letzte Ausfahrt Siegen

Großhandel: Metro: Letzte Ausfahrt Siegen

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Metro-Chef Eckhard Cordes

Mit einem neuen Marktkonzept, Lieferservice und niedrigeren Preisen will Metro den Niedergang der deutschen Großmarktsparte stoppen. Vom Ausgang des Experiments dürfte auch abhängen, ob zwei Spitzenmanager ihre Posten behalten.

Um Eckhard Cordes, Chef des Handelsgiganten Metro, richtig zu interpretieren, muss man bisweilen tief in den Bedeutungsebenen von Wörtern und Zahlen, von Gesagtem und Nichtgesagtem schürfen. Doch die Akribie lohnt sich: Auf der Hauptversammlung des Konzerns am 13. Mai in Düsseldorf war es wieder so weit. Bei seiner Rede nahm Cordes nur einen seinen Vorstandskollegenin die Pflicht: Frans Muller, Chef der so genannte Cash&Carry-Sparte (C&C), also der klassischen Metro-Großmärkte.  

„Wir sind fest davon überzeugt“, so Cordes damals, „dass das Geschäftsmodell von Metro Cash & Carry nachhaltig erfolgreich bleiben wird.“ Manchmal sei es jedoch notwendig, das Konzept an den richtigen Stellen anzupassen. „Frans Muller und sein Team werden diesen Prozess entschlossen vorantreiben“, so Cordes. Im Klartext: Muller sollte sich ein wenig sputen, die Sparte wieder auf Kurs zu bringen und den seit fünf Jahren anhaltenden Ergebnisrückgang im deutschen Geschäft endlich stoppen.

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Jetzt präsentierte der Konzern erstmals offiziell, wie die Wende gelingen soll: Mit Preissenkungen, Lieferservice und einem stärker auf die Bedürfnisse von Gewerbetreibenden ausgerichteten Sortiment will Metro die Kundschaft wieder in die 61 deutschen Märkte lotsen. Die WirtschaftsWoche berichtete schon im Februar über das Vorhaben (Geheimplan soll Metro die Wende bringen). Inzwischen wurde ein Konzeptmarkt in Siegen eröffnet, der die Kernelemente der neuen Strategie enthält. Auf Siegen ruhen daher die Hoffnungen von Muller und Deutschland-Chef Harald Fraszczak – und die Erwartungen von Cordes.

Insider sind sich denn auch sicher, dass die Neuausrichtung schnell gelingen muss, sonst würden „Köpfe rollen“. Schließlich sind die deutschen Großverbrauchermärkte die Keimzelle des Konzerns und waren bis 2003 ein  traditioneller Umsatz- und Ergebnisbringer. Damals lag der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) noch bei rund 250 Millionen Euro. Bis 2008 sackte die Summe auf knapp 30 Millionen Euro ab.

Bereits 2009 soll der Ergebnisrückgang gestoppt werden, kündigte Muller an. Geplant sei 2012 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von bis zu 150 Millionen Euro. Dazu sollen auch mittels Stellenabbau 150 Millionen Euro eingespart und ein zusätzliches Umsatzpotenzial von mehreren hundert Millionen Euro erschlossen werden. C&C-Deutschland-Chef Fraszczak versicherte, dass es 2009 „schwarze Zahlen“ geben werde.

Ein optimistisches Ziel. Zwar hat Metro inzwischen einiges getan. So wurden die Preise zahlreicher Produkte deutlich gesenkt, hier sind Märkte wieder konkurrenzfähig. Doch an der Konjunkturkrise, die vor allem die klassische Großmarktkundschaft trifft, kommt auch Metro nicht vorbei. Handelsexperten erwarten, dass die Umsätze in der gesamten Großmarktbranche zurückgehen werden.

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