Großhandel: Verschärfter Sparkurs bei Metro

Großhandel: Verschärfter Sparkurs bei Metro

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Das Firmenlogo der Metro Group an der Firmenzentrale in Düsseldorf.

von Henryk Hielscher

Der Düsseldorfer Handelsriese Metro will in seiner deutschen Großhandelssparte 900 Stellen streichen. Vor allem Mitarbeiter in Berlin, Halle, Rostock und Hannover müssen um ihre Jobs bangen. Erstmals in der Unternehmensgeschichte werden vier Metro-Märkte in Deutschland aufgegeben.

„Bonjour tristesse“ könnte derzeit das Motto von Joel Saveuse lauten. Nicht nur die bisherigen Leistungen seines Heimatteams - der französischen Mannschaft - bei der Fußball-Weltmeisterschaft, trüben die Laune des Chefs der europäischen Metro-Großmarktsparte. Heute überbrachten Saveuse und Metro-Deutschlandchef John Rix zudem schlechte Nachrichten für die rund 15.000 Mitarbeiter der Cash&Carry (C&C) genannten Vertriebslinie: Metro will rund 900 Stellen in Deutschland streichen. Seit 2008 wurden bereits 1340 Arbeitsplätze abgebaut, um die Sparte wieder auf Kurs zu bringen.  Bislang halten sich die Sanierungserfolge jedoch in Grenzen.

Seit 2003 sinken die Umsätze der deutschen Metro-Großmärkte. Flächenbereinigt ging es allein 2009 um drastische 5,2 Prozent bergab. Zwar wurden die Preise in den Märkten deutlich gesenkt. Auch ein neu eingeführter Belieferungsservice für die Kunden scheint anzukommen. Immerhin 30 Millionen Euro steuerte der Lieferservice im ersten Quartal bei. All das sorgte seit Jahresbeginn jedoch nur für ein „leicht positiv flächenbereinigtes Umsatzwachstum“, teilte der Konzern mit. Im Klartext: Es reicht nicht, der Abwärtstrend der vergangenen Jahre wurde gestoppt, aber noch nicht umgekehrt.

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Konzepte und Kartoffeln

Ziel des Sparpakets ist es, die Profitabilität zu steigern. 2012 sollen die deutschen Großmärkte ein Ergebnis von rund 150 Millionen Euro einfahren, bekräftigte der Konzern am Freitag. Saveuse sieht „die Grundlagen für den Turnaround in Deutschland“ geschaffen. Kritik kam unterdessen von der Gewerkschaft Verdi. Wer sich auf ein bestimmtes Marktsegment mehr konzentrieren wolle, müsse eher Beschäftigung auf- statt abbauen und neue Einkaufsmöglichkeiten schaffen anstatt sie zu dezimieren, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Es sei „vollkommen unverständlich, wie ohne kompetentes Personal Wachstum erzeugt werden soll“, sagte die Sprecherin.

In der Branche gilt der Schritt dagegen als überfällig. Denn die bisherigen Entlassungswellen bei der Metro wurden in der Fläche verteilt. Das heißt, in fast allen Märkten mussten Mitarbeiter gehen. Die Folge: Gerade in den profitablen Märkten stieg die Arbeitsbelastung enorm, Service und Beratung mussten teilweise reduziert werden und Kunden wanderten ab. Durch die Schließung einzelner Märkte wird dieser Kreislauf unterbrochen. Ob das ausreicht, ist jedoch fraglich.

Denn noch immer mangelt es an grundsätzlichen Perspektiven für das in die Jahre gekommene Großmarktgeschäft. Die Bilanz von fünf Metro-Konzeptmärkten, die im vergangenen Jahr eröffneten,  ist jedenfalls durchwachsen. Die von Anfang an umstrittene Idee, Gebrauchs- und Impulsartikel wie Kleidung oder Weihnachtsdeko aus dem Sortiment zu verbannen und überwiegend auf Lebensmittel zu setzen, scheint nicht aufgegangen zu sein. Immerhin, man habe „sehr viel gelernt“, sagt Metro-Manager Rix. Nun wird das Unternehmen mit „Drive-In-Konzepten“ experimentieren. Die Tochter Shaper will ab Juli an zwei Standorten ohne Großmarkt-Anschluss Bestellungen von Kunden per E-Mail oder Telefon entgegen nehmen. Am Folgetag sollen die Kunden dann die fertig gepackte Ware abholen.

In den Metro-Märkten wollen Saveuse und Rix derweil stärker auf das Geschäft mit Aktionsware setzen. Geradezu ins Schwärmen gerät das Duo, wenn es um die Großvermarktung von Kartoffeln und Olivenbäumen geht. Bei der ersten großen Kartoffelaktion im vergangenen Oktober, seien 200.000 Sack Kartoffeln zu je zehn Kilogramm innerhalb von sechs Tagen verkauft worden, weiß Saveuse zu berichten. Jüngst wurden gar 4000 Großpflanzen innerhalb von zwölf Wochen verkauft. Die nächste Aktion dürfte also nicht lange auf sich warten lassen.

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