Großmann-Nachfolge: Das Duell der Kronprinzen bei RWE

Großmann-Nachfolge: Das Duell der Kronprinzen bei RWE

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RWE-Chef bleibt noch bis Herbst 2012 im Amt. Foto: dpa

von Andreas Wildhagen

Bei RWE ist nach dem Konzernumbau der Run auf die Nachfolge für Vorstandschef Jürgen Großmann nun voll entbrannt.

Im Herbst 2012 ist es soweit: RWE-Chef Jürgen Großmann verlässt die Kommandobrücke in Richtung Osnabrück, wo er mit der Georgsmarienhütte als bewunderswerter Eigentümer-Unternehmer ein mittelständisches Stahlunternehmen aufgebaut hat. Seine fünf Jahre als Kapitän eines Dax-Dampfers sind dann herum, eine zweite Amtszeit sah er selbst in seinem Lebenslauf nicht vor.

Mit der Neuorganisation des zweitgrößten deutschen Energieunternehmens läuft die Nachfolgefrage nun auf zwei Schlüssel-Manager zu, die jeder für sich schon jetzt die ganze Macht im Unternehmen in den Händen halten: Leonhard Birnbaum als Chefstratege und Lenker der Erneuerbaren Energien (Wind, Solar und Biogas) und Rolf Martin Schmitz als Chef der mächtigen regionalen Landesgesellschaften im In- und Ausland -  der auch die Oberaufsicht über alle RWE-Atommeiler, Braun- und Steinkohle- sowie über die Gaskraftwerke hat.

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Da die heiße Phase der Nachfolgesuche in Dax-Konzernen in der Regel ein Jahr vor dem Ausscheiden des Chef beginnt, bleiben Großmann noch zwölf Monate, RWE mit eigener Hand und ungestört vom Gemunkel von neuen starken Männern neben und hinter ihm zu gestalten. An der mächtigen Stellung der nordrhein-westfälischen Kommunen im Aktionärskreis hat er sich bereits eine blutige Nase gestoßen. Sie halten mehr als 25 Prozent an RWE und pochen auf detailliertes Mitspracherecht, auch in Details. Großmanns Umbauplan sah eigentlich vor, den Einfluss der Landkreise und Städte - die größte ist die Stadt Dortmund - auf eine Inlands AG zu beschränken, um in einer internationalen Überbau-AG ohne sie schalten und walten zu können.

Das wäre für viele hochfliegenden Pläne, wie zum Beispiel dem Bau einer Riesenpipeline nach Aserbeidschan ("Nabucco"), eher hilftreich gewesen, in den Kommuen fehlt für solche Großprojekte, für die sich auch der Berater von RWE, der ehemalige Außenminister Joseph Fischer einsetzt, eher das Verständnis - auch für das Vorhaben, zusammen mit E.On Atomkraftwerke in Großbritannien zu errichten. Doch der Großmannsche Aufteilungsplan sah für jeden Kommunalpolitiker nach seiner Entmachtung aus, der Aktionär, der seit über hundert Jahren RWE nach vorn bringt, will sich nicht so schnell abschütteln lassen. Das Planszenario wurde von den kommunalen Anteilseignern abgeschmettert.

RWE auf Vordermann gebracht

Großmann wird es verschmerzen können. Seine Leistung als Vorstandschef - abgesehen von der ungeschickten Weise, wie er mit einer Anzeigenkampagne Kanzlerin Merkel gegen sich aufbrachte mit gedruckter Unterschrift des Gewerkschaftschefs Vassiliadis, der gar nichts von seinem Glück wusste - lässt sich mit der seines Vorgängers Harry Roels vergleichen. Roels räumte im Konzern auf, verkaufte das glücklose Wassergeschäft und brachte den früher unbeweglichen Versorger auf Vordermann. Damals wurden die gemütlichen Runden im Aufsichtsrat und in den Weinkellern der Umgebung ausgetrocknet, der Asket Roels hatte kein Verständnis dafür.

Großmann brachte vor allem dem RWE-Geschäft einen lohnenden Zukauf. Die holländische Essent konnte er - bis auf das Atomkraftwerk Borsele - in das RWE-Reich einverleiben. Ein solcher Erfolg blieb den anderen Konkurrenten wie E.On und EnBW - obwohl immer versucht - versagt. Hier punktete Großmann. Zwölf Monate hat er noch Zeit, ohne Kronprinzen-Aufpasser noch einige Punkte mehr anzusammeln.

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