Groupon & Co. : Tückische Rabattschlacht im Internet

Groupon & Co. : Tückische Rabattschlacht im Internet

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Mitte 2006 wollte der damals 26-jährige Web-Entwickler und Politikstudent Andrew Mason seine Mobiltelefongesellschaft wechseln. Doch die gestattete ihm nicht, seinen Handyvertrag ohne saftige Strafgebühren zu kündigen. Statt seinen Frust herunterzuschlucken, entwickelte Mason die Blaupause für die Kampagnen-Plattform "The Point". Die Idee: Gleichgesinnte übers Internet zu finden und mit vereinten Kräften gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen. "Ich wollte die Welt verbessern", erinnert sich Mason. Doch die Web-Seite musste finanziert werden. Werbung allein reichte dafür nicht aus. Nach Recherchen über Gruppendynamik und Psychologie des Verkaufens gründete Mason im November 2008 das Rabattportal Groupon - seither sind Umsätze und Verluste der Seite nach oben geschnellt.

von Matthias Hohensee, Michael Kroker und Henryk Hielscher

„20 Prozent auf alles“ war gestern, heute locken der Gutscheinvermarkter Groupon und seine Nachahmer mit mindestens 50 Prozent Nachlass. Im Rekordtempo hat die Schnäppchenmaschine eine millionenfache Fangemeinde erobert und einen Rabattsturm im Internet entfacht. Doch die Zweifel am Geschäftsmodell wachsen. Trotz Millionenverlusten strebt Groupon an die Börse und schürt die Angst vor einer neuen Aktienblase.

Der Meister war verblüfft. Models wie Claudia Schiffer und Heidi Klum hatte Udo Walz schon frisiert, Altkanzler Gerhard Schröder und Nachfolgerin Angela Merkel ließen sich bei ihm die Haare trimmen. Doch kürzlich stürmte eine bis dato unbekannte Spezies die sechs Berliner Salons des Prominentenfriseurs: Schnäppchenjäger.

Um potenziellen Kunden die Scheu vor dem Erstkontakt zu nehmen, ließ Walz über das Online-Rabattportal Groupon Gutscheine für einen Besuch beim selbst ernannten "Coiffeur der Stars" anbieten. 35 Euro statt der sonst üblichen 70 Euro kostete die Haarverschönerung à la Groupon, Promi-Atmo inklusive. Und plötzlich waren die Läden voll. 1056 Mal verkaufte sich der Waschen-Schneiden-Föhnen-Coupon. Selbst Vermarktungsroutinier Walz war ob der Resonanz "sehr positiv überrascht".

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Groupon ist derzeit wohl heißestes Internet-Unternehmen

Wie Walz dürfte es den meisten Anbietern gehen: Kaum preist Groupon via Facebook oder E-Mail-Newsletter eine neue Rabattofferte an, greifen die Leute zu – egal, ob Haareschneiden für die Hälfte, Drei-Gänge-Dinner für ein Drittel oder Verreisen für ein Viertel des regulären Tarifs. 1000-fach verkauften sich auf den deutschen Seiten zum Beispiel Angebote der Einrichtungskette Möbel Höffner oder des Online-Schuh- und -Modehändlers Zalando. 39 000-mal rauschte jüngst ein verbilligter Einkaufsgutschein der Kosmetikkette Body Shop über die Groupon-Server – ein neuer Rekord in Deutschland. In den USA schlug die Modekette Gap binnen 24 Stunden 441.000 rabattierte Gutscheine los, und in Hongkong verkaufte eine Fast-Food-Kette 70.000 Coupons.

Grafik: Rabattbereiche von Groupon

Grafik: Rabattbereiche von Groupon

Zweieinhalb Jahre nachdem der amerikanische Web-Entwickler und Politikstudent Andrew Mason die Mischung aus Gruppenkauf und Coupon-Angebot startete und auf den Namensmix Groupon taufte, ist das Portal zum derzeit wohl heißesten Internet-Unternehmen avanciert. 83 Millionen Nutzer in 43 Ländern spülten allein im ersten Quartal 645 Millionen Dollar in die Kassen des Unternehmens.

Doch jenseits des Gutscheinhypes stellt sich die Frage, was wirklich hinter der organisierten Preispurzelei steckt: echte Vorteile für die Kunden oder Verbrauchernepp? Für welche Unternehmen lohnen sich Kooperationen, kommen etwa Walz’ 35-Euro-Frisierte zum vollen Preis wieder? Und spätestens Anfang Juni kam eine weitere Frage hinzu: Boom oder Blase?

Nach den milliardenschweren Börsengängen der Online-Kontaktbörse Linked-In und der russischen Suchmaschine Yandex drängt jetzt Groupon an den Kapitalmarkt. Das weckt Erinnerungen an die Übertreibungen der New-Economy-Ära, als Mondpreise für verlustreiche Online-Buden gezahlt wurden.

Denn trotz eines Verlusts von 114 Millionen Dollar im ersten Quartal 2011 könnte Rotstiftspezialist Groupon an der Börse mit märchenhaften 20 Milliarden Dollar bewertet werden, wie es im Unternehmensumfeld heißt. "Das ist keine rationale Bewertung – sie basiert nicht auf Logik", warnt Sucharita Mulpuru, Analystin für Online-Handel beim US-Marktforscher Forrester Research. "Das alles wirkt wieder wie eine Blase", ergänzt Alan Patrick, Gründer des US-Analysehauses Broadsight. Zum Vergleich: Groupon wäre doppelt so teuer wie die Lufthansa und fast so wertvoll wie MAN.

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