Gründertagebuch Armedangels: Hip-Hop für Ökomode

Gründertagebuch Armedangels: Hip-Hop für Ökomode

Vor etwas über einem Jahr gründeten Anton Jurina, 28, und Martin Höfeler, 25, in Köln das Modelabel Armedangels. Im Juni 2007 gewannen die beiden den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb und schreiben seitdem für die WirtschaftsWoche ein exklusives Gründertagebuch. In der vierten Folge berichtet Jurina über die anstehende Internationalisierung, neue Mitarbeiter und Geschäfte mit Hip-Hop-Stars.

26. Februar Der Schritt nach Indien ist beschlossen. Bisher hatten wir nur einen Produktionspartner in Portugal - das war riskant. Fällt der aus, steht unser Geschäft still, wie wir im vergangenen Jahr schmerzhaft spüren mussten. Der neue Produzent passt zu uns: Das Unternehmen stellt seit vielen Jahren Textilien nach Fairtrade-Regeln her. Unser Konzept ist, vom Verkaufserlös jedes Hemdes Geld an Hilfsprojekte zu überweisen. Deswegen hatten wir heute ein Treffen mit Pratham. Der Verein fördert arme Kinder in Indien. Beim Essen mit Deutschland-Chef Gaurav Mehta haben wir die Zusammenarbeit besiegelt. Jedes verkaufte Shirt der neuen Kollektion finanziert nun einen Monat Schulbildung für ein indisches Kind.

1. März Ich ziehe mich zur Zahlenprüfung zurück. 2008 hat gut begonnen. Jeden Monat klettert unser Umsatz um 20 Prozent, das ist knapp über Plan. Im Januar konnten wir erstmals unsere laufenden Kosten aus dem Umsatz bezahlen, im März allerdings knapp nicht mehr, weil wir vier Stellen geschaffen haben. Durch den Personalzuwachs sind unsere Kosten stärker gewachsen. Aber wenn es so weitergeht, haben wir das in wenigen Monaten wieder ausgeglichen.

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3. März Ende des Jahres soll das Konzept für unsere Internationalisierung stehen. Dafür haben wir heute mit unserem Businessangel Axel Schmiegelow und den Investoren von BV Capital verschiedene Möglichkeiten ausgelotet. Vor allem Frankreich, Großbritannien und die USA sind interessant, das sind die größten Märkte für Ökomode. In den nächsten Monaten werden wir uns nach Ländermanagern umsehen, die Armedangels vor Ort bekannt machen. Den Geschäftsbereich soll unter anderem Kristof weiterentwicklen, der seit Anfang März bei uns ist. Kristof hat BWL in Köln studiert und bereits für RTL Interactive Strategien für Online-Communities entwickelt.

5. März Hamburg! Unsere Praktikantin Anna und ich wollen auf dem Lead Award - eine Art deutscher Medien-Oscar - für Armedangels werben. In Kooperation mit der Internet-Community Utopia verteilen wir 1500 Geschenktüten an die Gäste. In jeder Tüte ist eine Fairtrade-Banane, an die wir mit einer Kordel ein Mini-Büchlein über Armedangels geknotet haben. Auf der After-Show-Party treffe ich Wolf Heumann, Kreativdirektor bei Jung von Matt. Sein Team hat eine Kommunikationskampagne für uns entwickelt, die wir in diesem Sommer umsetzen werden.

17. März Mit Sektgläsern in der Hand und dunklen Rändern unter den Augen zählen wir den Countdown. In wenigen Minuten ist die neue Internet-Seite im Netz. Anna hat letzte Nacht nur ein paar Stunden auf den Sitzsäcken im Büro geschlafen. Aber es hat sich gelohnt: Unter Martins Koordination und mit den Tipps der Markenexperten von Jung von Matt hat das Team den Seitenaufbau verbessert, ein neues Layout entwickelt, getextet, fotografiert, programmiert...

24. März In den vergangenen Wochen haben "Faz.net", "taz" und "Spiegel Online" über uns berichtet. Das hat die Besucherzahlen auf unserer Internet-Seite zum Vormonat verdoppelt. In den ersten Tagen nach dem Relaunch sind mehr als 100 Bestellungen eingetroffen. Abgesehen vom Weihnachtsgeschäft, war das unser Wochenrekord.

27. März Wir haben vier Stellen ausgeschrieben: Für Online-Redaktion, Grafik-Design, Vertrieb und PR. Außerdem suchen wir in fast allen Bereichen Praktikanten. Heute war ein neuer Höhepunkt der Bewerberflut: 22 Bewerbungsmails. Viel hat uns die Ausschreibung auf der US-Anzeigenplattform Craigslist gebracht. Die besten Bewerbungen kommen allerdings über Bekannte und Geschäftskontakte. Praktikanten zahlen wir 400 Euro im Monat, Einsteigern je nach Berufserfahrung bis zu 2500 Euro brutto, manchmal mit einem Bonus.

31. März Ich habe mit den MTV-Moderatoren Markus Kavka und "Joko" Winterscheidt telefoniert. Beide kenne ich von der Echo-After-Show-Party. Sie wollen sich mit unseren Hemden fotografieren lassen. Promi-Marketing ist ein wichtiger Baustein unserer Marketingstrategie: Die Fotos stellen wir auf unsere Internet-Seite, zu den Fotos von Schauspieler Jürgen Vogel, der Elektro-Pop-Band 2raumwohnung und Hip-Hop-Pionier Thomas D. Das hat in unserer Zielgruppe große Strahlkraft.

1. April Unsere Vertriebsleiterin Sandra hat ihren ersten Tag, wir haben sie bei L’Oréal abgeworben. Sandra kümmert sich zunächst um den Aufbau eines Direktvertriebs. Dabei versucht sie, sogenannte Markenbotschafter aufzubauen, die Armedangels-Hemden in ihrem Bekanntenkreis verkaufen. Das funktioniert ein bisschen so wie der Tupperware-Vertrieb. Der Anreiz: Unsere Markenbotschafter erhalten für jeden vermittelten Verkauf Punkte, mit denen sie Rabatte in unserem Online-Shop bekommen. Die Aktion, die sich Martin zusammen mit unsren Investoren ausgedacht hat, kommt an: Seit wir sie auf unserer Internet-Seite bekannt gemacht haben, bewerben sich täglich neue Markenbotschafter.

2. April Jubel im Büro: Gerade hat der Manager von Hip-Hop-Star Thomas D angerufen. Für die Herbsttournee will er seine Tour-Shirts von uns produzieren lassen. Das läuft so: Er schickt uns Designs, und wir bedrucken die Hemden. Ich schätze, dass wir dadurch einige Tausend unserer ökologisch und fair hergestellten Shirts zusätzlich verkaufen werden - ein sicherer Umsatzbringer für die zweite Jahreshälfte!

3. April Der Produktionsplan für die Sommerkollektion steht. Ein Kleid ist nur der Anfang unserer Sortimentserweiterung.

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