ThemaUmweltschutz

alles zum Thema
_

Grüne WiWo: Nachhaltigkeitsbegriff steckt in der Krise

von Sebastian Matthes

Der Nachhaltigkeitsbegriff verkommt zu einer nichtssagenden PR-Hülse. Dabei müssten wir dringender denn je darüber sprechen.

Nun also auch Handytarife. Es ist nicht lange her, da erreichte uns die Nachricht, dass E-Plus einen "nachhaltigen Mobilfunk-Tarif für Natur und Umwelt" anbietet, einen Tarif, der für Kunden zwar nicht sonderlich günstig ist, dafür aber Ökostrom finanziert und mit einer Sim-Karte auf Pappe daherkommt. Es mag Zufall sein, dass E-Plus damit an die Öffentlichkeit geht, kurz bevor die Welt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfährt, dass Handystrahlen möglicherweise doch Schaden im menschlichen Körper anrichten.

Anzeige

Sicher aber ist, dass der Nachhaltigkeitsbegriff in der Krise steckt. Seine inflationäre Verwendung macht ihn wertlos und verzichtbar. Die Loblieder der unablässig quasselnden Marketingmaterialproduzenten auf nachhaltige Hotelzimmer, Wasserhähne, Waschmittel, ja, selbst Internet-Router und tonnenschwere Luxuslimousinen drohen Requiems zu werden für den Nachhaltigkeitsbegriff auf seinem Weg ins Mausoleum der Unwörter des Jahres. Dabei sind die Fragen, für deren Antworten der Begriff einmal geschaffen wurde, drängender als je zuvor.

Industriewandel nötig

Entsetzt blickt die Welt auf die Hungerkrise in Ostafrika, als hätten wir seit den Achtzigerjahren keine Fortschritte bei der Ernährung der Ärmsten gemacht. Der vorgezogene Atomausstieg in Deutschland wiederum wirft durch zusätzlich benötigte Gas- und Kohlekraftwerke nicht nur neue Klimaschutzfragen auf. Unternehmen und Verbraucher müssen den seit Jahren steigendenden Energieverbrauch eindämmen. Und von der Öffentlichkeit fast unbemerkt hat die Internationale Energieagentur indirekt eingeräumt, dass der Punkt der maximalen Ölförderung, den Experten als Peak Oil bezeichnen, bereits überschritten ist. Mit fallenden Preisen ist nicht mehr zu rechnen – dafür mit Versorgungsengpässen.

Die Lage ist heikel. Während die selbsternannten Nachhaltigkeitsapologeten mit ihren PR-Hülsen Schaden anrichten, drohen ein paar wesentliche Fragen aus dem Blick zu geraten. Etwa, wie sich unsere Industrie wandeln muss, um in einer Welt mit weniger Rohstoffen, mehr Menschen und einem drohenden Umweltkollaps bestehen zu können.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 19.08.2011, 13:43 UhrAnonymer Benutzer: Robert

    Ja, leider ist die inflationäre Verwendung des begriffs Nachhaltigkeit schon lange ein Problem. Glücklicherweise gibt es aber nun initiativen, welche zumindest versuchen, eine genaue Definition von Nachhaltigkeit herzustellen. in dieser Richtung muss weiter gearbeitet werden. Damit das dusselige Marketinggewäsch aufhört.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.