Gulschan Moldaschanowa im Interview: „Politik spielt keine Rolle“

Gulschan Moldaschanowa im Interview: „Politik spielt keine Rolle“

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Basic-Element-Chefin Gulschan Moldaschanowa

Gulschan Moldaschanowa, die Top-Managerin des russischen Konzerns Basic Element, über Wachstum und ihren Chef Oleg Deripaska.

WirtschaftsWoche: Frau Moldaschanowa, Basic Element expandiert unablässig – trotz Finanzkrise und weltwirtschaftlicher Risiken. Soll das so weitergehen?

Moldaschanowa: 2007 war ein Jahr mit intensiver Akquisitionsarbeit. Wir haben die Lücken geschlossen, die es bei Basic Element noch gab. Unsere Geschäftsbereiche haben jetzt genug Expertise und Werkzeuge, um sich selbst weiterzuentwickeln. Kleinere Unternehmen werden wir noch akquirieren, aber im Großen und Ganzen war es das.

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Aber Sie haben gerade 25 Prozent des weltgrößten Nickelherstellers Norilsk Nickel erworben und wollen mittelfristig Mehrheitseigner werden. Auch den mittelgroßen Ölproduzenten Russneft wollen Sie übernehmen.

Diese Projekte zählen wir zum vergangenen Jahr, denn da begannen unsere Bemühungen um die beiden Unternehmen. Im Fall Russneft warten wir auf die Entscheidung der Kartellbehörde. Auch im Fall Norilsk Nickel wurden die Eckpunkte des Deals im vergangenen Jahr vereinbart.

Sie haben sich auch um weitere 25 Prozent an dem deutschen Baukonzern Hochtief bemüht. Doch der Eigner, die deutsche Investmentgesellschaft Custodia, verkaufte nach Gesprächen mit Ihnen an den spanischen Baukonzern ACS. 

Wir haben Custodia deshalb verklagt. Dabei geht es um die unserer Ansicht nach unfaire Behandlung, die uns zuteil wurde. Aber wir haben kein Interesse, unseren Anteil an Hochtief zu erhöhen. Was wir wollen, ist Kompensation.

Am österreichischen Baukonzern Strabag halten Sie 25 Prozent und sitzen in dessen Aufsichtsrat. Im Aufsichtsrat von Hochtief dagegen haben Sie keine Stimme. Was soll der Anteil von nur zehn Prozent? 

Mit unseren zehn Prozent sind wir der zweitgrößte Aktionär bei Hochtief. Das ist genug, um Aufmerksamkeit für unsere Anliegen zu bekommen und ein gutes Verhältnis zu den Top-Managern aufzubauen.

Hochtief verspricht sich vom Einstieg Ihrer Firma Basic Element große Geschäfte in Russland. Bisher sieht man in Russland von Hochtief aber kaum etwas. Woran liegt das?

Russland steht am Beginn eines großen Infrastruktur-Programms. Mit Hochtief im Konsortium bewerben wir uns um eine Maut-Autobahn bei Sankt Petersburg. Vieles kann die russische Bauindustrie allein nicht bewältigen. Denken Sie nur an die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Aber bis die wirklichen Dimensionen des Engagements von Hochtief und Strabag in Russland sichtbar werden, müssen wir uns noch mindestens ein halbes Jahr gedulden. 

Bau, Aluminium, Autos, Banken und vieles mehr – wie wollen Sie und Oleg Deripaska an der Spitze diese Vielfalt überblicken und führen?

Unsere mehr als 100 Produktionsstätten auf der Welt alle persönlich zu kontrollieren, wäre für Oleg gar nicht möglich und ist auch nicht nötig. Seine Aufgabe ist es, sein Wissen zu vermitteln. Er hat exzellenten Einblick in alle Geschäftsbereiche.

Wie vermittelt er den? Oleg erkennt sehr schnell, ob die Leute sich in ihren Arbeitsprozessen engagieren, oder ob sie sich nur beschäftigen. Meistens geht er einfach zu den Arbeitern in die Produktionslinien und spricht sie an. Dabei stellt er immer dieselben drei Fragen: Worin sehen Sie Ihre Aufgabe hier? Welche sind Ihre größten Probleme? Und was tun Sie, um sie zu lösen? 

Präsident Putin möchte die Autoindustrie in Form bringen – also investiert Herr Deripaska in Gaz, den zweitgrößten Autohersteller Russlands. Sichert er sich so die Gunst des Kremls?

Wir investieren in profitable Geschäfte. Das nicht zu tun, weil es im nationalen Interesse ist, wäre ziemlich dumm. Wollen Sie damit sagen, die Nähe zur staatlichen Politik gehöre nicht zu Ihrem Geschäft?  Ja, sie spielt für uns keine Rolle. Beim Geschäft sollte es zuerst um Profit gehen, dann um Spaß und um Nachhaltigkeit. Wenn es zufällig auch ein Projekt von nationaler Bedeutung ist – gut für die Nation.

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