Halbmarathon: Immer dem Geld nach

Halbmarathon: Immer dem Geld nach

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Feiner Gastgeber: Hotelier Forte (links) läuft im Alter von 62 Jahren den Teilnehmern beeindruckend schnell davon

Unternehmer und Investoren sollen beim Berliner Lauftreff Venture2run ihre Geschäfte auch in der Krise auf Trab bringen – ein Weg mit Hindernissen.

Keiner kann der Krise davonlaufen. Sie schlägt zu. Unausweichlich. Bei Kilometer 16. Der körpereigene Konjunkturbericht meldet: Depression! Der Organismus drängt auf Generalstreik. Als hätten Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan und DGB-Vorsitzender Michael Sommer die Muskeln lahmgepredigt. Die Nachfrage nach Wasser wächst, am Milchsäuremarkt herrscht Überangebot. Vor allem im Oberschenkel. Das linke Knie fordert Kurzarbeit. Und doch: Irgendwie muss es weitergehen.

Auch hier und jetzt – beim Venture2run, einem Jogger-Treff für Manager und Unternehmer. Die Idee des Veranstalters Continua AG: das Geschäft zum Laufen bringen. Also hecheln Gründer und Investoren, Wirtschaftsprüfer und Berater, Anwälte und Banker im Sportdress an diesem lauen Nachmittag als geschlossene Gesellschaft um den Berliner Müggelsee. Sie rennen gemeinsam – dem Geld hinterher. Das Ziel dieses Halbmarathons: Neben der sportlichen Herausforderung soll auch etwas für die Firma herausspringen.

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Ellbogen sind bei diesem Business-Lauf nicht nötig: Maximal 400 Starter hatte der Veranstalter Continua AG als Obergrenze gesetzt, nicht mal 70 haben sich angemeldet – ein Drittel stellen Veranstalter und Sponsoren. Erst mal läuft das Geschäft der Continua. Bei der Registrierung gibt’s Werbung für das „Manager-Wochenende“ im August. Der Start hier kostet 70 Euro; wer glaubt, nach dem Zieleinlauf das Gala-Dinner genießen zu können, legt 90 Euro drauf.

Vielleicht in der Hoffnung, sich ein wenig von Mit-Gastgeber Sir Rocco Forte abschauen zu können: Der Gründer einer Nobelhotelkette ist Sportfanatiker, tritt auch mit 62 Jahren noch beim Iron-Man-Triathlon an – „das verbessert alle Qualitäten, die man im Berufsleben braucht“. Jeden Morgen von halb sieben bis acht Uhr trainiert er, „am Wochenende mache ich die harten Sachen“. Fast verächtlich schaut er auf das Gros seiner Kaste. „Die meisten Manager sind zu fett und trinken zu viel“, zieht er schonungslos über die Kollegen her. „Wenn dein persönlicher Trainer morgens um halb sieben vor der Tür steht, dann überlegst du dir, wie viel du am Abend vorher trinkst.“

Die Details des Forte’schen Trainingsplans zu kennen wäre für Ingo Popp ein Leichtes – wäre der Hotelier sein Kunde. Der Marketingleiter der Carbon Logistics GmbH nutzt den Lauftreff, um für seine neue Internet-Plattform Sportics.net zu werben – für Datenübertragung in Echtzeit. Sportler müssen damit ihre Leistungsdaten vom Schrittzähler oder Pulsmesser nach dem Joggen nicht mehr einzeln auf den heimischen PC überspielen – das iPhone erledigt das von unterwegs. Der persönliche Trainer könne dann von daheim dirigieren, der betreuende Arzt aus der Ferne bremsen. Zum Beispiel Frank Knobloch. Ein Klick, und die Leistungsdaten des leicht korpulenten Sportics-Geschäftsführers werden sichtbar. Außerdem eine Übersicht, wann er wo und wie gesportelt hat – ein Bewegungsprofil, wie es der Verfassungsschutz nie erstellen dürfte.

Kilometer 18. Der Arzt ist noch nicht nötig. Dabei hatte Uwe Nixdorf, Kardiologe und ärztlicher Geschäftsführer des European Prevention Center in Essen und Berlin, vor dem Lauf für seine „natürlich hochpreisige“ Rundum-Körperinspektion geworben: Für 2000 bis 3000 Euro könne sich jeder auf Herz und Lunge prüfen lassen – vor allem Großunternehmen nutzten das Angebot als Bonbon für leitende Mitarbeiter, aber auch reiche Russen.

Beim Ausschwitzen nach dem Zieleinlauf kommt in der Sauna das Gespräch endlich mal aufs Geschäft der Gäste. Hat es bei den vorigen Läufen schon mal Abschlüsse gegeben? „Noch nie“, antwortet einer, der keinen Start ausgelassen hat. „Immerhin duzen wir uns jetzt alle“, sagt Andreas Noth von corporate finance partners.

Sportics-Vermarkter Popp dagegen ist „wirklich enttäuscht – von der Organisation und den Personen, die da waren“. Rund 1000 Euro hat er hingeblättert, um vor den Teilnehmern präsentieren zu dürfen. Kontakt zu sportbegeisterten Geldgebern hatte Popp sich erhofft, um die Markteinführung seiner Plattform zu finanzieren – Fehlanzeige. Einziger Verkaufserfolg: Ein Anwalt, der sich die Übertragungssoftware auf’s iPhone spielen will – macht einmalig 4,99 Euro.

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