Hall of Fame: Werbe-Experte: Lürzers legendäre Leistungen

Hall of Fame: Werbe-Experte: Lürzers legendäre Leistungen

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Hall of Fame: Spannung vor der Preisverleihung

Hunderte Männer in grauen Uniformen, die im Gleichschritt betonverschalte Gänge entlangmarschieren. Sie versammeln sich in einem großen Raum, starren wie hypnotisiert auf eine riesige Leinwand, von der ein Volkstribun seine Botschaft verkündet – bis eine Frau in bunter Sportkleidung hereinstürmt, einen Hammer Richtung Leinwand schleudert und diese zerstört: „1984“.

Der Spot, mit dem der Computerhersteller Apple in besagtem Jahr die Einführung seines Modells Macintosh bewarb, dauerte lange 58 Sekunden. Er lief nur ein einziges Mal – in der Werbepause des amerikanischen Superbowl-Finales. Trotzdem ist der Streifen Legende. „Weltklasse“, sagt Walter Lürzer.

Gerade hat er den Spot wieder einmal laufen lassen, vor seinen 39 Studenten der Meisterklasse Grafik und Werbung an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Hier bereitet der altgediente Werbeprofi als Professor für Grafik und Werbung am Institut für Design seit 20 Jahren angehende Werber aufs Berufsleben vor. Lürzer lässt seine Schüler regelmäßig in 30 Minuten Kampagnen-Ideen entwickeln – „denn die Ergebnisse sind oft besser als nach drei Wochen Brüten“. Und versucht, ihnen eine Ausbildung nahezubringen, die nicht nur Marketingweisheiten vermittelt, sondern auch an Kunst und Literatur anknüpft. „Die Allgemeinbildung darf nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Lürzer.

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Er spricht mit seinen Studenten nicht nur darüber, wie gute Werbespots gemacht werden. Er versucht auch, den Funken von Klassikern in der Literatur überspringen zu lassen – zum Beispiel George Orwells Zukunftsroman „1984“ gegen die Diktatur der Gleichschaltung. Will von seinen Studenten wissen, wann der Roman geschrieben wurde. Und bleibt dennoch Realist. „Wir können die Leute leider nicht kreativer machen, als sie sind“, sagt Lürzer. „Das Talent muss da sein, wir können es allenfalls weiterentwickeln. Die jungen Leute müssen selbst einen Weg finden für sich – und das möglichst schnell.“

So wie es Lürzer selbst gemacht hat, sein Legen lang. Weil es zu Hause in Salzburg für Eltern und vier Geschwister nur eine Toilette gibt, geht Lürzer bald eigene Wege – er weicht regelmäßig aufs stille Örtchen im Keller des Mietshauses aus. Dort stapelt ein Nachbar Dutzende Ausgaben der damaligen deutschen Werbefachzeitschrift „Die Anzeige“, die Lürzer junior Ende der Fünfzigerjahre mit großem Interesse liest. Eigentlich hätte er das Zeug zum erfolgreichen Leichtathleten. Doch er hat auch einen eigenen Kopf. Lürzer kehrt dem Leistungssport den Rücken, obwohl er es zweimal zum österreichischen Jugendmeister im Hammerwurf bringt. Denn er darf nicht wie versprochen zu den Olympischen Spielen nach Rom – wegen schlechter Noten im Fach Betragen. Lürzer beginnt, noch während der Schulzeit, nachmittags Jazzkonzerte am Salzburger Kongresshaus zu organisieren, wird dort mit 18 Jahren offizieller Veranstaltungsmanager, worauf ihn ein Gericht drei Jahre vor der Zeit für volljährig erklärt – damals eine kleine Sensation. 1962 geht Lürzer zum Studieren nach Wien – gegen den Willen des Vaters,

eines Eisenbahnschaffners, und der Mutter, einer Hausfrau. Die, sagt Lürzer, „weiß bis heute eigentlich nicht, was ich mache“. Lürzer studiert an der Hochschule für Welthandel Werbung und Marketing. „Ich habe alles über Werbung gelesen, was ich kriegen konnte“, sagt Lürzer. Am meisten beeindrucken ihn die US-Werbe-Ikonen, etwa Bill Bernbach wegen der „faszinierenden Bildergeschichten“ oder Howard Gossage, dessen schrägen Humor er schätzt. „Ich habe mir daraus meine eigene Theorie gebastelt.“

Lürzers Dozenten haben für solche Vorlieben wenig Verständnis und lassen ihn, der einmal einer ihrer erfolgreichsten Absolventen werden sollte, fast durch die Diplomprüfung rasseln. Dabei verdient sich Lürzer schon als Student erste Sporen in der Branche, akquiriert für die Internationale Werbeagentur in Wien neben der Vorlesungszeit neue Kunden. „Ahnung hatte ich keine“, erinnert sich Lürzer, der sich mit 20 Kollegen zwei Telefone teilen muss. Seine Devise: „Wenn ich täglich 100 Firmen anrufe, wird schon eine ein Problem haben.“ So gewinnt er unter anderem die Farbwerke Hoechst als Kunden und kann von der zweiprozentigen Umsatzbeteiligung gut leben. Am Wochenende organisiert er Jazzkonzerte („So kam ich gut an die Mädels ran“), vermarktet die österreichische Jazzlegende Fatty George und betreibt dessen Bar. Ein lockeres Leben, das nicht nur nach seinem Geschmack war. „Ich musste raus aus dem Wiener Sumpf“, erinnert sich Lürzer. Auch, weil ihm die österreichische Werbebranche zu wenig professionell war. „Wenn damals in einer Anzeige ein Kontakter gesucht wurde, haben sich auch Elektriker beworben.“

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