
Gern spricht Metro-Chef Eckhard Cordes von einer „Nebelwand“, die die Sicht auf den Geschäftsverlauf des Jahres 2009 versperre. Als ähnlich nebulös empfanden Mitarbeiter und Führungskräfte des Handelskonzerns die Ruhe, die sich in den vergangenen Wochen über die Düsseldorfer Konzernzentrale gelegt hatte. „Da kommt noch was“, waren sich Insider sicher, schließlich durchleuchtete die Unternehmensberatung McKinsey seit Monaten den Konzern.
Heute Morgen um acht Uhr lichtete sich der Nebel. Cordes ließ eine Pressemitteilung zum so genannten „Wertsteigerungsprogramm Shape 2012“ verschicken. Hinter der Vokabel verbirgt sich nicht weniger, als ein Kulturwandel von Deutschlands größtem Handelskonzern.
In dem bisher stets einkaufsdominierten Unternehmen sollen künftig die Vertriebslinien den Ton angeben. Die Warenhauskette Kaufhof, die Elektronikfachmärkte von Media Markt und Saturn, die Metro-Großmärkte und die SB-Warenhausgruppe Real sollen die „ungeteilte Verantwortung“ für das operative Geschäft erhalten und „die gesamte Wertschöpfungskette vom Lieferanten bis zum Kunden“ selbst steuern, teilte der Konzern mit. Im Klartext: Der Zentraleinkauf und die Logistik werden entmachtet, die Sparten übernehmen das Geschäft.
Widerstand gegen den "Wasserkopf" in Düsseldorf
„Das Unternehmen wird in entscheidenden Teilen vom Kopf auf die Füße gestellt“, kündigte Cordes denn auch an. Immerhin will er mit dem neuen Programm bis 2012 das Ergebnis um 1,5 Milliarden Euro steigern. Davon soll etwa die Hälfte auf Kosteneinsparungen entfallen, der andere Teil durch eine Verbesserung der Abläufe erreicht werden. Vor allem den Mitarbeitern in der Düsseldorfer Unternehmenszentrale dürften damit gravierende Einschnitte bevor stehen.
Rund um einen der ältesten Metro-Großmärkte der Republik hatte der Konzern in den vergangenen Jahren ein eigenes kleines Stadtviertel für 5000 Beschäftigte aufgebaut. Hier sind die so genannten Querschnittsgesellschaften untergebracht. Zwar sollen künftig die Bereiche Finanzen und Controlling zentral vom Konzernsitz geführt werden. Doch klar ist auch, dass Einkäufer und Logistiker nicht plötzlich zum Bilanzbuchhalter umschulen können. Zudem sind viele Positionen auch in den Sparten bereits besetzt, so dass vermutlich nicht alle Mitarbeiter übernommen werden.
Ob und wie viele Mitarbeiter aus den Querschnittsgesellschaften gehen werden, ist allerdings noch offen. Weltweit stehen insgesamt rund 15.000 Arbeitsplätze zur Disposition, heißt es in Konzernkreisen. Eingerechnet seien aber bereits 4000 Stellen, die durch ein Sparprogramm in den Großmärkten und die Abgabe von 33 Real-Märkten wegfallen, heißt es intern.
Bei den Metro-Töchtern dürften die Pläne durchaus auf Zustimmung stoßen. Schon seit längerem regt sich Widerstand gegen den Zentralismus und den „Wasserkopf“ der Zentrale. Vor allem der Einkauf stand regelmäßig in der Kritik.
Kein Wunder: Der Erfolg der Metro beruht traditionell auf der geballten Einkaufsmacht der Gruppe. Größenvorteile führen zu günstigen Konditionen bei der Warenbeschaffung. Entsprechend mächtig ist seit jeher die so genannte Metro Group Buying. Die Wünsche der Kunden, die der Verkaufsarm natürlich am besten kennt, schienen im Metro-Reich dagegen lange Zeit nur am Rande zu zählen.
"Es war nicht möglich, rote Ketchup-Flaschen zu bekommen, wenn der Einkauf grüne wollte", beschrieb jüngst etwa ein ehemaliger Real-Manager die Lage. Das soll sich nun zwar ändern, wirft zugleich aber die Frage auf, wie Cordes die Einkaufsmacht der Gruppe erhalten will, wenn jede Sparte separat ordert. Zugleich löst das „Wertsteigerungsprogramm“ nicht die operativen Probleme des Konzerns. Die Umsätze von Kaufhof bröckeln, Real hat die Sanierung trotz erster Erfolge längst noch nicht geschafft, vor allem aber verschärfen sich durch die Konjunkturkrise die Probleme bei den bisherigen Erfolgsgaranten MediaSaturn und den Cash&Carry-Märkten.













