Handel: Metro plant Kurzarbeit in Großmärkten

Handel: Metro plant Kurzarbeit in Großmärkten

Deutschlands größter Handelskonzern Metro plant die Einführung von Kurzarbeit in zahlreichen Großmärkten. Nach Informationen der WirtschaftsWoche aus dem Konzernumfeld will die Metro-Spitze noch im Frühjahr die Mitarbeiter von 10 bis 15 der insgesamt 61 Großmärkte in Kurzarbeit schicken.

Noch Anfang der vergangenen Woche gab es für Metro-Chef Eckhard Cordes ein paar Lichtblicke. In Antalya, an der türkischen Mittelmeerküste, hatte der Vorstandschef des größten deutschen Handelskonzerns seine Führungskräfte um sich geschart, um über das Umbauprogramm „Shape 2012“ zu beraten. Doch kaum waren die Manager wieder zurück am Konzernsitz in Düsseldorf, wich die „angenehme Antalya-Stimmung“, von der Teilnehmer schwärmten, operativer Trübsal. Denn die Lage im wichtigsten Geschäftsfeld in Deutschland – den 61 Metro-Abholgroßmärkten – spitzt sich zu. Nach Informationen aus dem Konzernumfeld will die Metro-Spitze noch im Frühjahr die Mitarbeiter zahlreicher Großmärkte in Kurzarbeit schicken. Damit wäre Metro das erste Großhandelsunternehmen, das diese Maßnahme einsetzt. Bisher hat im Handel nur die Baumarktkette Praktiker Kurzarbeit für einzelne Märkte angemeldet. Beauftragte der deutschen Metro-Geschäftsführung hätten bei der Bundesagentur für Arbeit schon die Rahmenbedingungen geklärt, sagte ein Insider.

Ein Unternehmenssprecher wollte sich dazu nicht äußern. Im Umfeld des Konzerns heißt es jedoch, im Moment gehe es um 10 bis 15 Märkte, die seit Jahresbeginn deutliche Umsatzeinbußen verzeichnet hätten. Wie viele der 16.000 Mitarbeiter in den deutschen Großmärkten betroffen sind, ist ebenso unklar wie die regionalen Schwerpunkte der Aktion und der Umfang der Arbeitszeitreduzierung. Insider rechnen damit, dass Metro vor allem Standorte auswählt, die nicht in Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Baden-Württemberg liegen. Dort müsste der Konzern offenbar Zuschläge zum Kurzarbeitergeld zahlen. Branchenexperten erwarten zudem, dass das Unternehmen vor allem die Spätschichten personell ausdünnt, um den Kundenservice möglichst wenig zu beeinträchtigen.

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Auch bei der Konkurrenz läuft das Geschäft mit Gewerbetreibenden schleppend. „Wir spüren die ersten Einschläge“, sagte Rewe-Vorstand Josef Sanktjohanser in der vergangenen Woche. Kurzarbeit sei beim Kölner Handelskonzern, der die Großmärkte Fegro und Selgros betreibt, momentan aber „kein Thema“. Auch bei Edeka sei die Lage „nicht verheerend“, heißt es in der Branche. Kurzarbeit komme nicht infrage.

Dass Metro die Krise besonders stark zu spüren bekommt, liegt vor allem an Versäumnissen der Vergangenheit (siehe WirtschaftsWoche 7/2009). Immerhin kann sich Konzernchef Cordes offenbar mit Erfolgen in anderen Sparten trösten. Das Geschäft mit den Elektronikketten Media Markt und Saturn laufe zumindest in Deutschland überraschend robust, heißt es.

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