100 Prozent Grupp: Der Fall Karstadt wird zum Fall der Insolvenzverwalter

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kolumne100 Prozent Grupp: Der Fall Karstadt wird zum Fall der Insolvenzverwalter

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Insolvenzverwalter sollten am Scheitern ihrer Deals beteiligt werden.

Kolumne von Wolfgang Grupp

Das Trauerspiel um Karstadt zeigt, dass die Abwickler allzu oft mit ihren Deals prahlen können, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn sich diese als Flopps herausstellen.

Die Zukunft von Karstadt, des einstigen Vorzeigekaufhauses Deutschlands, wird immer ungewisser. Nachdem  der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen die Filetstücke, also die Mehrheit an der Premium- und Sportsparte des Konzerns, an den österreichischen Unternehmer René Benko verkauft hat, ist die Insolvenz des Restes ein realistisches Szenario. Und das, nachdem der Verkauf des zahlungsunfähigen Unternehmens durch Insolvenzverwalter Klaus Hubertus Görg an Berggruen am 7. Juni 2010 als große Rettung gefeiert wurde.

Was von den Taten des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz bei Schlecker zu halten ist, kann inzwischen jeder in der Realität bewundern. Am 1. August 2012 unterschrieb  Gleiwitz einen Vertrag, mit dem er alle 900 Schlecker-Standorte in Österreich sowie die 450 in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg an eine österreichische Investorengruppe  um den Unternehmenssanierer Rudolf Haberleitner verkaufte. Dieser hatte angekündigt , 4.600 der 5.000 Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, indem er die Läden unter dem Namen Dayli weiterführen werde. Ein Jahr später war Dayli ebenso zahlungsunfähig und eine vierstellig Zahl Jobs war futsch.

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Beide Fällen zeigen, dass die Insolvenzverwalter zwar Millionen für ihre Tätigkeit einstreichen. Haften müssen sie aber nur für formale und Rechtsfehler, nicht aber für unternehmerische Entscheidungen, die sie treffen.  Auch wenn letztlich der Gläubigerausschuss das letzte Wort etwa bei einem Verkauf eines Pleiteunternehmens hat, legt der  Insolvenzverwalter mit seinen Vorarbeiten doch die entscheidenden Grundlagen. Mich stört, dass dies in der Diskussion über Karstadt, aber auch über Schlecker völlig untergeht, obwohl die Fehler der Insolvenzverwalter in beiden Fällen himmelschreiend sind.

Betrachten wir den vermeintlichen Karstadt-Retter Berggruen. Wer wollte, der konnte wissen, dass Herr Berggruen eine schillernde Person ist: Ein Einzelgänger, der keine Familie hat, praktisch im Flugzeug lebt, Milliardär ist. So einer, das war für mich von vorneherein klar, ist überhaupt nicht an der Schaffung oder am Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland interessiert. So jemand will nur Geld machen und möglichst viel kassieren. Verantwortung für eine Betriebsfamilie, kann er gar nicht kennen, nachdem er ja selbst keine eigene Familie schätzt.

An so jemanden hätte der Insolvenzverwalter meiner Ansicht nach Karstadt nie verkaufen dürfen, ohne sich von ihm 100-prozentige Sicherheiten geben zu lassen für die angekündigten Investitionen. Solche Sicherheiten hätten Berggruen entweder gezwungen, seine Versprechungen wahr zu machen. Oder er hätte vom Kauf von Karstadt Abstand gehalten. Stattdessen konnte nicht verhindert werden, dass Berggruen praktisch nichts in Karstadt gesteckt, aber einiges herausgeholt hat. Das nenne ich klares Ausbeuten eines Unternehmens.

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