100 Prozent Grupp: Glaube an Karstadt-Rettung ist komplette Idiotie

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kolumne100 Prozent Grupp: Glaube an Karstadt-Rettung ist komplette Idiotie

Kolumne von Wolfgang Grupp

Der Niedergang von Karstadt ist eine Abfolge von übelstem Missmanagement, böser Selbstbereicherung, fährlässiger Schönfärberei und unglaublicher Naivität gegenüber dem neuen Eigentümer Nicolas Berggruen.

 

In meinen Augen hat Hubert Görg, der Insolvenzverwalter von Karstadt, fahrlässig gehandelt. Ich frage mich, wie er Nicolas Berggruen die Kaufhauskette im Juni 2010 für einen Euro übergeben und damit die Rettung des angeschlagenen Konzerns postulieren konnte. Mich wundert überhaupt nicht, dass  Berggruen bisher wahrscheinlich nichts in Karstadt investiert hat und sich stattdessen jedes Jahr angeblich zwölf Millionen Euro für die Namensnutzung bezahlen lässt – bei fast keinem Einsatz wahrlich eine respektable Rendite.

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Karstadt-Zukunft ungewisser denn je

Die Idiotie des ganzen Vorgangs liegt darin, dass alle Beteiligten und ihnen voran der Insolvenzverwalter der Öffentlichkeit suggerierten, da kommt jemand und will Karstadt neues Leben einhauchen. Wenn ich in die USA ginge und dort irgendetwas Marodes außerhalb meiner Branche aufkaufen würde, dann würde auch ich dafür selbstverständlich möglichst wenig oder gar kein eigenes Geld ausgeben wollen.

Ein Mensch mit normalem Verstand kann nun wirklich nicht annehmen, dass ein deutsch-amerikanischer Geschäftsmann zu uns kommt, um Arbeitsplätze in Deutschland und Karstadt zu erhalten. Ein Amerikaner kommt selbstverständlich nach Deutschland, um Geld zu machen, und zu nichts anderem.  

Berggruen Karstadt steht vor Scherbenhaufen

Der US-Investor Nicolas Berggruen sollte dem insolventen Traditionskaufhaus Karstadt wieder Leben einhauchen. Doch Sparprogramm und Stellenabbau greifen nicht. Karstadt schlittert immer tiefer ins Umsatzloch.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2013 machte Karstadt 81 Millionen Euro weniger Umsatz als im Vorjahr. Im Februar brachen die Verkäufe sogar um 15 Prozent ein. Quelle: dpa

Eine traurige Rolle spielen in dieser Angelegenheit die Gewerkschaften. Ich habe von vorneherein gesagt: Berggruen ist kein Unternehmer - er ist ein Investor, der auf Schnäppchenjagd geht, seine Erwerbungen etwas aufpoliert, um sie dann mit möglichst großem Profit weiter zu verkaufen. Doch das wollten die Gewerkschaften einfach nicht wahrhaben. Sie waren extrem blauäugig  und haben in die Hände geklatscht. Insolvenzverwalter Görg hat sie verständlicherweise nicht davon abgehalten, weil er selber bei diesem Deal vermutlich gut verdient; man vermutet für sich und sein Team 27,2 Millionen Euro netto.

In meinen Augen ist so etwas strafbar. Das haben Karstadt und die Mitarbeiter nicht verdient. Ich prophezeie, Berggruen wird versuchen aus Karstadt noch eine Weile Geld herausziehen und uns dann den Bettel wieder vor die Füße werfen.

Karstadt war vor 30 Jahren das führende Kaufhaus Deutschlands. Dann aber wurden gravierende Fehler begangen. Der Konzern wurde beispiellos heruntergewirtschaftet. Viele Egoisten haben mitgespielt, die Millionengehälter kassiert haben und trotz ihrer Entscheidungen für den entstandenen Schaden nicht haften mussten.

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