100 Prozent Grupp: Scheitern verdient keinen Applaus

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Die Schäden von Insolvenzen sollten auch für Start-ups nicht unterschätzt werden.

Kolumne von Wolfgang Grupp

Mit Blick auf die Start-up-Szene in den USA versuchen gerade einige in Deutschland, Unternehmenspleiten in ein positives Licht zu rücken. Das verkennt, dass eine Insolvenz oft riesige Schäden anrichtet.

Im Düsseldorfer Landtag gab es unlängst einen Streit, ob Scheitern zum Unternehmertum gehört. Es ging darum, ob Scheitern ein Zeichen unternehmerischen Muts ist, der eben seinen Preis hat. Und darum, ob der Nutzen der Risikobereitschaft unterm Strich nicht den Schaden überwiegt.

Vorweg: Diese Thesen halte ich im Grundsatz für sehr gefährlich, weil sie einschließen, dass es gut ist, auch wenn jemand nur aus Gier und Größenwahn handelt. Denn diese Sichtweise schließt in der Praxis auch ein, dass jeder machen können soll, was er will. Geht es gut, wird kassiert - geht es schief, wirft man den Bettel einfach hin. Dass die Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, sowie die Steuer- und Beitragszahler, die für das Arbeitslosengeld oder Hartz IV aufkommen müssen, dann die Dummen sind, interessiert nicht.

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Woher Startups ihr Kapital erhalten

  • Eigene Ersparnisse

    82,5 %

    Quelle: Deutscher Startup Monitor/Bundesverband Deutsche Startups, 2014

  • Familie und Freunde

    32,7 %

  • Staatliche Fördermittel

    29,1 %

  • Business Angels

    28,2 %

  • Inst. Risikokapitalgeber

    21,4 %

  • Inkubatoren

    10,9 %

  • Bankdarlehen

    10,2 %

  • Schwarmfinanzierung

    4,1 %

Das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun. Im Gegenteil. Das widerspricht sogar einem zentralen Prinzip der Marktwirtschaft, nämlich dass die Entscheidungsträger, ob Unternehmer oder Manager, für ihr Tun haften.

Unternehmertum verpflichtet

Das gilt im Guten. Sprich: Jeder der Erfolg hat, soll viel Geld verdienen.

Das gilt aber auch im Schlechten. Das heißt, dass jeder für sein Handeln haften und für den von ihm durch sein Scheitern angerichteten Schaden aufkommen muss. Das muss generell auch für Gründer gelten.

Allerdings gilt es, bei Gründern zu differenzieren. Nehmen wir die amerikanische Start-up-Szene in der IT- und Internet-Hochburg Silicon Valley, aus der in kurzer Zeit Weltkonzerne wie Google und Facebook hervorgegangen sind. Das Prinzip dort ist folgendes: Es gibt viele Leute mit Ideen. Und es gibt Milliardäre und Fonds, die ihr Geld in diese Leute und deren Ideen investieren.

Diese Investoren, beziehungsweise sogenannte Risiko-Kapitalgeber, stecken viel Geld in Gründer, im Wissen, dass die meisten von ihnen wahrscheinlich am Ende kein tragfähiges Unternehmen zustande bringen werden.

Das Kalkül dieser Investoren beruht aber darauf, dass die wenigen Erfolgreichen unter ihrem Einfluss so durchschlagenden Erfolg haben, dass der Verkauf der Firma den Geldgebern viel mehr einbringt, als sie in die erfolglosen Start-ups gesteckt haben. Wer also sein eigenes Geld zum Spielen oder Ausprobieren gibt in der Hoffnung, den großen Treffer zu landen, dem kann man nichts vorwerfen.

Gegen ein solches Scheitern ist grundsätzlich nichts einzuwenden, so lange dadurch nicht die öffentliche Hand, Beitragszahler oder Zulieferer einen Schaden haben.

Hier wäre auch Mitleid für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, eher fehl am Platz. Entweder hatten diese Leute vorher keinen Job, dann verdienten sie in der Zeit, in der das Start-up existierte, immerhin etwas. Oder sie ließen sich für ein besseres Gehalt beim Start-up von anderen Unternehmen abwerben. Wer das riskiert, muss damit leben, dass er verlieren kann.

Zocken mit fremdem Geld

Etwas anderes ist es, wenn Manager oder Unternehmer garantierte hohe Einkommen haben, egal welche Leistung sie bringen. Ich habe in Deutschland noch keinen Unternehmer oder Topmanager erlebt, der nach seinem Scheitern in Hartz IV gelandet ist. Viele haben sich vor der Insolvenz mit Selbstverständlichkeit hohe Gehälter bezahlt und hatten dann persönlich durch die Insolvenz kein Problem.

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Es ist für mich untragbar, dass jemand das Geld, das er aus dem Unternehmen herausgezogen hat, beim Scheitern einfach behalten darf. Und dass diejenigen, die unverschuldet darunter leiden, weil sie ihren Lohn nicht mehr bezahlt oder ihre Rechnung nicht beglichen bekommen, im Wesentlichen haften müssen.

Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die mit öffentlichen Zuschüssen gegründet wurden und sich satte Gehälter genehmigt haben. Scheitern bedeutet hier nicht, unternehmerischen Mut bewiesen sondern den Steuerzahler geschädigt zu haben.

Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten groß geworden, ohne dass es eine Risikokapital-Kultur wie in den USA gab. Wenn sich das ändern sollte und Milliardäre zunehmend Geld in Start-ups stecken, obwohl am Ende viele scheitern, ist das in Ordnung.

Jedem sei ein großer Gewinn gegönnt, wenn er mit seinem eigenen Geld viel riskiert hat. Nur darf er dabei nicht fremdes Geld verspielen.

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