2000 Stellen sollen wegfallen: Karstadt schließt sechs Häuser

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2000 Stellen sollen wegfallen: Karstadt schließt sechs Häuser

, aktualisiert 24. Oktober 2014, 06:18 Uhr

Bei Karstadt stehen nach dem Einstieg von Benko erste Einschnitte bevor. Sechs Standorte werden im kommenden Jahr die Pforten schließen - darunter auch zwei mit dem neuen K-Town-Konzept.

Der neue Karstadt-Eigner Rene Benko setzt bei dem angeschlagenen Warenhauskonzern den Rotstift an. Der Aufsichtsrat beschloss die ersten Schließungen: vorerst sechs Standorte macht der Essener Konzern im kommenden Jahr dicht, darunter zwei der noch verbliebenen 83 klassischen Warenhäuser und zwei Schnäppchen-Filialen, wie das Unternehmen am späten Donnerstagabend mitteilte.

Auch vom neuen modernen K-Town-Konzept, mit dem der Kaufhof-Konkurrent in bislang zwei Filialen vor allem junges Publikum ansprechen wollte, verabschiedet sich der Konzern wieder. Arbeitnehmervertretern zufolge drohen zudem weitere Schließungen, da insgesamt rund 2000 Stellen auf der Kippe stünden. Wo genau diese wegfallen sollten, sei noch offen.

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Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Die operative Verantwortung lastet nun auf Stephan Fanderl, der seit Oktober dem Kontrollgremium vorsaß, und der nun auf dem heißen Chefstuhl in der Essener Zentrale Platz nimmt. Der 51-Jährige genießt das Vertrauen des österreichischen Immobilien-Investors Benko, der Karstadt Mitte August übernahm. Zudem bringt der ehemalige Rewe-Vorstand Erfahrung im Einzelhandel mit. Im Karstadt-Aufsichtsrat wird ihm große Branchenkompetenz bescheinigt.

Trendwende blieb aus

Doch Fanderl steht vor keiner leichten Aufgabe. Seit Jahren schreibt Karstadt Verluste. Versuche einer Neuausrichtung brachten bislang keine Trendwende. "Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen, wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern", erklärte der neue Karstadt-Chef.

"Alle Anstrengungen müssen parallel darauf ausgerichtet bleiben, operativ besser zu werden und die Filialrentabilität zu verbessern." Auch neue Formate sollen ab kommenden Frühjahr und Sommer wieder mehr Kunden in die Warenhäuser locken.

Chronik des Scheiterns Die endlose Karstadt-Seifenoper

2009 rauschte Karstadt in die erste Pleite. Nun ist der Traditionskonzern wieder ein Sanierungsfall. Warum der Neuanfang misslang und wer dabei welche Rolle spielte.

Karstadt: Ein Wirtschaftsdrama, das in all seinen Facetten mühelos jeder Vorabend-Soap Konkurrenz machen könnte. Quelle: dpa (4), imago, bloomberg - Montage: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche Online

Fanderl hat bereits Einschnitte angekündigt, um den Konzern in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Er setzte hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Filialen ein großes Fragezeichen. Das Management erklärte auf der vorangegangenen Aufsichtsratssitzung die bisherige Strategie für gescheitert.

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