50.000 Euro für ein Bett, 300 für einen Schlaf-Tracker: Guter Schlaf ist uns lieb – und verdammt teuer

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50.000 Euro für ein Bett, 300 für einen Schlaf-Tracker: Guter Schlaf ist uns lieb – und verdammt teuer

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Guter Schlaf ist uns Deutschen einiges Wert

von Stephan Happel

Millionen Deutsche haben Probleme mit dem Einschlafen. Hersteller von Luxus-Betten und Schlaf-Trackern versprechen, unsere Erholung zu optimieren. Mit welchen kostspieligen Mitteln wir gegen das Wachbleiben kämpfen – und was sie wirklich bringen.

Drei, nein, vier Tage wach. So fühlt es sich zumindest an. Dabei war es nur eine einzige, ziemlich kurze Nacht. Das Einschlafen zog sich hin, es folgten unruhigen Stunden: Rumwälzen auf der Matratze, regelmäßiges Hochschrecken, Schweißausbrüche und der stete Gedanke "Schlaf endlich, sonst bist Du morgen nicht fit."

Jeder hat mal eine unruhige Nacht, keine Frage. Laut Robert-Koch-Institut hat etwa jeder vierte Deutsche Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Andere haben den Schlafverzicht gar zum Statussymbol erhoben, rühmen sich, mit nur wenigen Stunden Schlaf auszukommen. Eine eklatante Fehleinschätzung, wie Schlafforscher unisono erklären. Denn egal ob der Schlafverzicht freiwillig oder unfreiwillig ist: zu wenig oder schlechter Schlaf wirkt wie ein Burnout.

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Richtiges Schlafen wird Kult

Dutzende Untersuchungen haben die handfesten Nachteile belegt. Gedächtnis und Denkvermögen lassen nach, die Leistungsfähigkeit sinkt, die die Fehlerquote steigt. Laut einer Studie sind 25 Prozent aller tödlichen Autounfälle in Deutschland auf Schläfrigkeit am Steuer zurückzuführen. "Wer über lange Zeit nicht ausreichend schläft, kann zudem schwere Folgekrankheiten bekommen", sagt Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg. Die reichen von leichten Magenbeschwerden bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Falsche Volksweisheiten rund um den Schlaf

  • Mehr Schlaf ist besser

    Falsch. Menschen haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse. Als optimal gelten im Schnitt sieben Stunden. Aber letztlich muss jeder sein Optimum finden. Bestes Indiz: Wer sich tagsüber fit fühlt, hat nachts genug geschlafen.

  • Lieber vor Mitternacht einschlafen

    Falsch. Die Qualität des Schlafs hat damit nichts zu tun. Unserem Körper ist es egal, wann wir einschlafen. Viel wichtiger ist, genügend Stunden tief und fest zu schlummern. Doch klar ist: Je später wir ins Bett gehen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dieses Pensum zu erreichen.

  • Schlaf kann man nachholen

    Falsch. Kurzfristig geht das vielleicht, langfristig sind unregelmäßige Schlafzeiten eher schädlich. Unser Körper liebt Beständigkeit, sie ist essenziell für guten Schlaf. Arbeiten Sie lieber an Ihren Gewohnheiten unter der Woche, anstatt am Wochenende Schlaf nachzuholen. Oder fühlen Sie sich fit, wenn Sie zwölf Stunden durchgeschlafen haben?

  • Bei Vollmond schläft man schlechter

    Falsch. 45 Prozent der Deutschen gehen zwar davon aus, der Mond habe Einfluss auf ihren Schlaf. Ein Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlafdauer ließ sich bisher aber nicht nachweisen. Erklären lässt sich dieser Volksglaube eher mit dem Phänomen selektiver Wahrnehmung: Wer nachts wach liegt und am Himmel den Vollmond entdeckt, prägt sich solche Momente stärker ein.

  • Nachts aufwachen nervt

    Jeder Mensch wacht im Schnitt fast 30 Mal pro Nacht auf – allerdings für so kurze Zeit, dass er sich am nächsten Morgen nicht daran erinnert. Das hat die Evolution prima eingerichtet. Für unsere Vorfahren war es essenziell, gelegentlich wach zu werden, wollten sie nicht von Feinden überrascht werden.

Weil immer mehr Menschen erkennen, dass sie ausreichend Schlaf brauchen, um leistungsfähig zu sein, wächst der Bedarf nach Unterstützung – und damit das Geschäft. "Schlaf und vor allem schlechter Schlaf bekommen in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit – auch von der Industrie", sagt Zulley.

Mit dem Kult um den erholsamen Schlaf ist derzeit ein gutes Geschäft zu machen, weiß auch Jürgen Weyrich. Der Konsumforscher der GfK erkennt deutliche Trendverschiebungen. "Die Einstellungen der Kunden haben sich die letzten Jahre geändert", sagt Weyrich. "Aus dem tristen Schlafzimmer wird zunehmend ein Wohlfühl-, Komfort- und Kommunikationszimmer."

Dafür sind die Deutschen bereit zu investieren. Das niedrige Zinsniveau und die dadurch aktuell geringe Sparneigung führen bei Zweit- und Dritteinrichtern bereitwillig zu höherer Ausgabebereitschaft. Schon der durchschnittliche Verkaufspreis für ein komplettes Schlafzimmer aus Holz – mit Bett, Nachtkonsole, Schrank und zusätzlichen Beimöbeln – lag 2014 im Möbelhandel bei 2000 Euro. Das waren 150 Euro mehr als 2010. Dabei geht die Preisschere deutlich auseinander: 2700 Euro lassen die Deutschen durchschnittlich in konventionellen Möbelhäusern, gerade einmal 600 Euro in  Möbelmitnahmemärkten und -discountern.

Besonders auffällig: "Die deutschen Käufer kaufen seltener komplett angebotene Schlafzimmer. Stattdessen dominieren immer stärker individuelle Zusammenstellungen", sagt Weyrich. Eine preiswerte Schrankwand wird so durch eine kostspielige Schlafgelegenheit ergänzt. Im Trend liegen seit mehreren Jahren die Boxspring- und Polsterbetten, die sich die Käufer einiges kosten lassen.

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