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Adidas im Shitstorm : Der rassistische Turnschuh

von Nils Rüdel Quelle: Handelsblatt Online

Vom Style-Objekt zum „Sklaven-Schuh“: Adidas hat in den USA einen Skandal ausgelöst – wegen eines neuen Modells, das an die Unterdrückung der Farbigen erinnert. Der deutsche Konzern zog eilig Konsequenzen.

Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.
Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.

Außerhalb Amerikas würden sich Menschen wohl vor allem folgende Frage stellen: Warum in aller Welt braucht ein Turnschuh eine Kette, mit der man ihn am Schienbein festbinden muss? Fliegt er sonst weg? Geschichtsbewusste Amerikaner stellen sich dagegen eine viel größere und ernstere Frage: Kann ein Turnschuh rassistisch sein? Ja, lautet die Antwort, und sie hat dem Sportartikelhersteller Adidas in den USA ein PR-Debakel sondergleichen eingebrockt. Die Zutaten: ein deutscher Weltkonzern, ein irrlichternder Designer, ein dunkles Kapitel der US-Geschichte und eine hyper-erregbare Internet-Öffentlichkeit.

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Es geht um das neue Turnschuh-Modell „JS Roundhouse Mid“ – lila Ungetüme mit einem Zusatzaccessoire: orangefarbene Plastik-Fußketten. Entworfen hat den Sneaker der angesagte US-Designer Jeremy Scott, und Adidas wollte das Modell im August auf den US-Markt bringen. „Verschärfe deinen Style“, hatten die Deutschen am Donnerstag vergangener Woche auf der Facebook-Seite geworben, „mit Sneakers so heiß, dass man sie am Knöchel festbinden muss“.

Das Problem: Die Ketten ähneln fatal den Fußfesseln, mit denen in den USA früher Sklaven unterjocht wurden. Und so dauerte es nicht lange, bis sich Internet-Nutzer empörten und das Ganze von Tag zu Tag zu einem Shitstorm anwuchs. „Dumme Deutsche! Schaut in eure Vergangenheit“, schrieb eine Nutzerin auf der Facebook-Seite des Konzerns. „Ich werde nie wieder Adidas-Schuhe kaufen“, kündigte ein anderer an. Wieder einer schimpfte: „Ihr habt mein Bild von eurem Konzern komplett umgedreht. Ihr macht Euch Rassismus, Hass, Unterdrückung und das Böse zu eigen“.

Der Skandal nahm am Montag und Dienstag noch einmal richtig Fahrt auf, als US-Medien den Fall aufgriffen und breit berichteten. Auch Bürgerrechtler schalteten sich ein. „Der Versuch, mehr als 200 Jahre menschlicher Erniedrigung zu kommerzialisieren, ist entsetzlich und gefühllos“, schrieb der prominente schwarze Reverend Jesse Jacksonin der „Huffington Post“. Gerade Adidas als Ausrüster afroamerikanischer Sportler wie Wilma Rudolph und Mohammed Ali dürfe daraus keinen Profit schlagen. „Diese Sklaven-Schuhe sind abscheulich“. 

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