Aigner lehnt Regelung erneut ab: Gebt der Lebensmittel-Ampel keine Chance

KommentarAigner lehnt Regelung erneut ab: Gebt der Lebensmittel-Ampel keine Chance

von Jana Reiblein

Ernährung könnte so einfach sein: Alles, was ungesund ist und dick macht, bekommt einen roten Stempel aufgedrückt. Doch Deutschland wehrt sich weiter gegen die Einführung der Lebensmittel-Ampel. Zu Recht.

Viel Zucker und Fett machen dick und krank - und das belastet das deutsche Gesundheitssystem. Da wäre es doch schön, wenn man die ahnungslosen Verbraucher mit einer Art Warnschild vor solchen Lebensmitteln schützen könnte. Einfach und übersichtlich, damit auch die letzte Mutti versteht, dass Milchschnitte und Co. den lieben Kleinen eben keine Extraportion Milch, dafür aber eine Extraportion Zucker liefern.

Wenn es so einfach wäre, hätten wir auch in Deutschland schon längst eine Lebensmittel-Ampel, wie etwa in Großbritannien; dort werden auf der Lebensmittelverpackung die Nährwerte mit den Farbsymbolen Rot, Gelb und Grün gekennzeichnet. So soll auf den ersten Blick erkennbar sein, wie viel Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz das Lebensmittel enthält. Chips, Schokoladenkekse und Tiefkühlpizza erhalten so einen roten Punkt, der das schlechte Gewissen alarmiert zusammenzucken lässt.

Anzeige

Ernährung So sollen Fettburger und Sahnekuchen gesünder werden

Tiefkühlpizzen, Hamburger und Sahnetorten sind extrem ungesund und extrem beliebt. Neue Substanzen sollen nun Fast Food möglich machen, das kaum noch Zucker oder Fett enthält. Können wir bald hemmungslos schlemmen?

Frau beisst in Burger Quelle: dpa

Doch an dieser vereinfachten Darstellung gibt es große Kritik. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nutzt die folgenden Argumente um ihre Ablehnung der Lebensmittel-Ampel zu untermauern: Bei der reinen Orientierung beispielsweise am enthaltenen Zucker müssten künstliche Light-Produkte wie etwa mit Süßstoff versetzte Limonaden ein grünes Licht für "niedrig" auf der Ampel erhalten - Naturprodukte wie ein Fruchtsaft hingegen eine rote Markierung für "hoch" aufgrund des reichlich enthaltenen Fruchtzuckers. Eine solche Markierung würde "Verbrauchern die Orientierung nicht gerade erleichtern", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Aigners Sprecher.

Umfangreiche Studien geben Aigner Recht. Befragungen der britischen Food Standards Agency (FSA) und des Europäischen Informationszentrums für Lebensmittel (EUFIC) befeuern die Kritik gegen die auf den ersten Blick so anschaulich wirkende Lebensmittel-Ampel: Die Verbraucher sind von der Kennzeichnung verwirrt, verstehen sie nicht und an ihrem Kauf- und Essverhalten ändert sich dadurch gar nichts.

In der EUFIC-Studie gaben drei von vier der insgesamt 17.000 Befragten an, dass sie die rote Markierung als Warnung vor dem Produkt ansehen und als Hinweis, dieses besser nicht zu verzehren. Das ist ernährungsphysiologisch bedenklich, denn natürlich gehören auch die rot gekennzeichneten Nahrungsbestandteile wie etwa Fett zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Weiterhin zeigte die FSA-Studie, dass die Ampel zu keiner Änderung im Einkaufsverhalten der Probanden führte. Der Hauptgrund für eine Kaufentscheidung sind der Geschmack, Gewohnheiten und der Preis des Nahrungsmittels, und weniger, ob es nahrhaft oder gesund ist.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%