Air Berlin auf Schrumpfkurs: Eine Airline stirbt den Tod auf Raten

Air Berlin auf Schrumpfkurs: Eine Airline stirbt den Tod auf Raten

, aktualisiert 29. September 2016, 12:42 Uhr
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Eine harte Restrukturierung soll die Krisen-Airline wieder auf Kurs bringen.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Die hoch verschuldete Air Berlin verordnet sich einen rigiden Schrumpfkurs, um zurück in die Gewinnzone zu fliegen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das die Ertragslage noch verschlimmern könnte. Ein Kommentar.

DüsseldorfSchlanker, fokussierter und dazu noch ab 2018 operativ profitabel: Was Air-Berlin-Chef Stefan Pichler als Umbauplan für die schwer angeschlagene Airline verspricht, dürfte ihm vom arabischen Großaktionär Etihad souffliert worden sein. Als Märchen aus 1001 Nacht.

Denn das Konzept ist randvoll mit Ungereimtheiten. So will Pichler sein Linienfluggeschäft auf 75 Maschinen verkleinern, indem er 40 Airbus-Flieger an den Rivalen Lufthansa per Chartervertrag abgibt. Dass Air Berlin dadurch profitabler wird, ist heftig zu bezweifeln. Denn die Overheadkosten, also fixe Kosten etwa für Vertrieb, Verwaltung und Marketing, wird Pichler kaum im selben Maße zurückschrauben können.

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Was der Schrumpfkurs tatsächlich bedeuten wird, kann der Airline-Chef schon jetzt in seinen eigenen Bilanzen nachlesen. Seit 2013 trennt sich Air Berlin immer wieder von unrentablen Strecken und streicht das Angebot zusammen. Die Kosten pro Sitzkilometer (ohne Kerosin) trieb das dennoch um sieben Prozent nach oben. Der Profit pro Sitzkilometer sank um ein Prozent, was am Ende dann auch den Betriebsgewinn belastete.

Das Minus vergrößerte sich innerhalb von zwei Jahren von 232 auf 307 Millionen Euro. Zur Mitte des Jahres 2016 war der Konzern mit fast einer Milliarde Euro überschuldet. Die Nettoverschuldung stieg fast auf dieselbe Höhe.

Billigwettbewerber wie Ryanair oder Easyjet kennen das Risiko, das ein schrumpfendes Geschäft mit sich bringt. Sie expandieren deshalb selbst dann, wenn die zusätzlichen Routen nur noch geringe Erträge versprechen. Dass Pichler nun gegen die industrielle Logik ankämpft, könnte seiner Airline jetzt einen Tod auf Raten bescheren.

Ebenso fragwürdig erscheint sein Plan, den Schwerpunkt des Geschäfts auf den Transatlantikverkehr zu legen. 60 Prozent des Umsatzes sollen künftig von dort kommen. 2017 will Pichler dazu sogar neue Airbus 330-Maschinen in Betrieb nehmen.


Restrukturierung bringt erhebliche Kosten

Doch ausgerechnet hier droht zunehmende Konkurrenz der Billigflieger. Die isländische Wow Air bietet schon jetzt mit A320-Mittelstreckenjets günstige Verbindungen zwischen Europa und Nordamerika, jeweils mit Zwischenstopp im isländischen Keflavik. Auch die amerikanische Jetblue denkt darüber nach, Billigflüge über den Atlantik anzubieten. Der Preisdruck wird damit auch für Air Berlin größer.

Zudem kommen auf die hoch verschuldete Airline erhebliche Kosten durch die geplante Restrukturierung zu. Der verkündete Abbau von bis zu 1200 Stellen wird laut Pichler einen „hohen zweistelligen Euro-Betrag“ verschlingen. Woher das Geld kommen soll, verrät er selbst auf Nachfrage nicht.

Und auch die Ausgliederung des Touristikgeschäfts, das 35 Flugzeuge umfasst, löst die Probleme nicht. Branchengerüchten zufolge sollten sie mit der Flotte des Urlaubsanbieters Tuifly vereint werden. Dass der Name des möglichen Kooperationspartners von Pichler am heutigen Mittwoch nicht einmal genannt wurde, lässt auf zähe Verhandlungen schließen.

Und in der Tat hegt Tui-Vorstandschef Fritz Joussen nur geringe Sympathien für das konzerneigene Fluggeschäft. Bei Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren hätte er es am liebsten gleich veräußert, weil zugekaufte Flugkapazitäten billiger zu haben waren. Inzwischen hat er sich entschlossen, daran festzuhalten, den Betrieb aber zu sanieren. Zudem hat Tui eine Flotte von 14 überzähligen Flugzeugen bereits jetzt verchartert – ausgerechnet an Air Berlin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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