Air Berlin: Kampf um jeden Fluggast

Air Berlin: Kampf um jeden Fluggast

, aktualisiert 06. Dezember 2016, 16:42 Uhr
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Passagiere stehen am 08.01.2013 in Berlin im Terminal des Flughafens Tegel an einem Schalter von Air Berlin. Nach der erneuten Absage der Eröffnung des Großflughafens BER wird in Tegel der Betrieb auf unbestimmte Zeit fortgeführt. Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die schwer angeschlagene Air Berlin hat sich eine besondere Werbeaktion ausgedacht: Sie verspricht, dass bereits für 2017 gebuchte Urlaubsflüge stattfinden werden. Angesichts der Aufspaltung ist das mutig.

FrankfurtDer Brief kam per Mail. „Beste Nachrichten für Ihre Reiseplanung 2017“ konnten die Empfänger dort lesen. Und weiter: „Egal welches Wunschziel auf Ihrer Reiseliste steht, Air Berlin und Niki fliegen Sie hin! Sie haben bereits für 2017 gebucht? Freuen Sie sich auf Ihren Flug an Bord von Air Berlin oder Niki.“

Ein durchaus überraschendes Versprechen, das Air Berlin seinen Kunden da gibt. Schließlich will sich Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft aufspalten. Air Berlin will sich künftig auf Geschäftskunden sowie die Langstrecke etwa nach Nordamerika konzentrieren. Die einst als Mallorca-Bomber groß gewordene Airline sagt „Malle ade“. Das touristische Geschäft wird erst an die eigene Tochter Niki übertragen, die man gestern aus Geldnot an den Großaktionär Etihad verscherbelte. Der will Niki dann umgehend in das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit Tuifly packen.

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Das bedeutet: Air Berlin wird spätestens ab April 2017, dem Start des Joint-Ventures, gar keinen Zugriff mehr auf das Touristikangebot haben. In dem Gemeinschaftsunternehmen werden die Verantwortlichen aber sicher sehr genau hinschauen, welche Strecken sich im gemeinsamen Netz lohnen, wo es Überlappungen gibt, wo die eine oder andere Verbindung auch mal wegfallen muss. Weder der Reiskonzern TUI noch die Golf-Airline Etihad – beide werden Großaktionäre der neuen Airline - können und wollen sich einen Verlustbringer leisten.

Doch Air Berlin braucht das Geld aus den Ticketverkäufen. Der Winter ist ein hartes Geschäft für Airlines, die Nachfrage ist traditionell schwach. Und der Radikalumbau hat die Passagiere schon genug verunsichert. Das spürte man im Herbst etwa in den Vorausbuchungen. Zudem nutzen Rivalen die Unsicherheit gnadenlos aus. Der irische Billigflieger Ryanair startete am Dienstag zum Beispiel die Vermarktung spezieller „Rettungsangebote“ für all jene Kunden, die 2017 nicht mehr mit Air Berlin nach Mallorca fliegen könnten. Grund genug für Air Berlin also, wenigsten die Passagiere, die bislang auch 2017 treu bleiben wollen, bei der Stange zu halten.

Tatsächlich werden wohl die meisten Passagiere am Ende befördert – sei es in einem Flugzeug von Niki oder TUIfly. Gleichwohl ist die Werbekampagne mit ihrem allgemeinen Versprechen sehr mutig, denn wenn genau das einer nicht versprechen kann, ist das Air Berlin. Übrigens ebenso mutig sind die mit der Werbemail verschickten Aktionspreise. Wer im Februar kommenden Jahres von Düsseldorf nach New York will, muss für Hin- und Rückflug nur knapp 369 Euro berappen. Lufthansa/Eurowings rufen für die Verbindung über 500 Euro auf. Angesichts der finanziellen Situation von Air Berlin erscheinen solche Kampfpreise zumindest fragwürdig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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