Airbus: Jumbokiller vor dem Start

Airbus: Jumbokiller vor dem Start

, aktualisiert 23. November 2016, 12:13 Uhr
Bild vergrößern

Airbus geht in einem wichtigen Marktsegment in die Offensive: Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken und vielen Sitzplätzen ersetzen immer öfter klassische Jumbojets mit vier Motoren.

von Markus FasseQuelle:Handelsblatt Online

Die A350-1000 steht vor dem Erstflug. Airbus geht mit der Maschine in die Offensive – und will Boeings Vormacht auf der Langstrecke brechen. Darunter könnte allerdings auch ein eigenes Modell leiden.

MünchenAm Wetter dürfte es morgen wohl nicht scheitern. 13 Grad sind für Toulouse vorausgesagt, ein schwacher Wind aus Südost, kein Niederschlag. Bleibt es dabei, dann gibt Airbus grünes Licht für einen lange erwarteten Erstflug. Gegen 10.30 Uhr soll dann die A350-1000 zum ersten Mal abheben – sicherheitshalber Richtung Norden, weg von der Stadt.

Erstflüge sind in der Luftfahrtgeschichte immer eine besondere Show: Trotz aller Bodentests weiß niemand wirklich, wie sich ein neues Flugzeug in der Luft verhält. Die Piloten werden mit Fallschirmen fliegen. In den vergangenen Tagen hatte Airbus intensiv geprobt: Bei sogenannten Rolltests wird das Flugzeug auf 60 Knoten beschleunigt, genug um wichtige Funktionen an Triebwerken, Fahrwerk und Elektronik zu überprüfen.  Erst am Montag dieser Woche wurde entschieden: Donnerstag heißt es „cleared for take-off“.

Anzeige

Mit der A350-1000 geht Airbus in einem wichtigen Marktsegment in die Offensive: Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken und vielen Sitzplätzen ersetzen immer öfter klassische Jumbojets mit vier Motoren. Das gilt auch für die A350-1000, die Airbus aus seiner A350-Familie abgeleitet hat. In dem verlängerten Rumpf können fast 370 Passagiere in drei Klassen über mehr als 14.000 Kilometer reisen. Solche Distanzen waren bis vor wenigen Jahren nur Jumbojets wie der Boeing 747 und der Airbus A380 vorbehalten. Kein Wunder, dass die Branche diese  neuen zweistrahligen Langstreckenflugzeuge auch als „Jumbokiller“ bezeichnet.

 „Die A350-1000 ist für Airbus extrem wichtig, weil Konkurrent Boeing in diesem Markt immer vorne war“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.  So ist die Boeing 777 mit allen Varianten seit fast zwei Jahrzenten die Königin der Langstrecke. Die neueste Version 777-300ER (Extended Range, verlängerte Reichweite) fegte 2013 den Airbus A340 vom Markt, den Vorläufer der A350-1000.

Boeing hat gute Argumente für seinen Bestseller. Zwei Triebwerke brauchen weniger Wartung und weniger Sprit als vier Motoren, die Kosten pro Sitzplatz liegen 15-20 Prozent niedriger als bei Flugzeugtypen, die mit vier Triebwerken unterwegs sind.  Noch ungleicher wurde das Duell, als Boeing den „Dreamliner“ vorstellte: Die kleinere 787 mit einem Rumpf aus Kohlefaser schlug alle Verkaufserwartungen.


Warum der Erfolg einen bitteren Beigeschmack hat

Airbus legte mit der A350-Familie nach, seit 2015 wurden bereits zwei Dutzend Modelle an Fluggesellschaften wie Qatar und Finnair ausgeliefert. Doch für das Spitzenmodell A 350-1000 brauchte Airbus neue und stärkere Antriebe. Rolls-Royce hat dazu eigens ein neues Triebwerk entwickelt, jede Turbine liefert mehr als 50.000 PS. Genug Kraft um die 300 Tonnen schwere Maschine mit 400 Passagieren vom Persischen Golf an die US-Westküste fliegen zu lassen. Neben Qatar ist Etihad ein Hauptkunde, gefolgt von Delta und Cathay Pacific aus Hongkong.

Airbus sieht sich mit seinem „Jumbokiller“ A350-1000 erstmals seit Jahren im Langstreckengeschäft wieder vor Boeing. Denn die kleinere „Dreamliner“-Familie kann es in Sachen Sitzplatzkapazität nicht mit dem neuen Spitzenmodell aus Toulouse aufnehmen. Doch auch Boeing entwickelt seine 777-X weiter. Auch das Modell bekommt einen Kohlefaserrumpf, neue Triebwerke, wird größer und kann künftig weiter fliegen. Doch diese neue 777-Familie, die auch Lufthansa bestellt hat, wird nicht vor Ende des Jahrzehnts fertig. Airbus kann daher seinen zeitlichen Vorsprung nutzen und hat von der A350-1000 bereits 195 Maschinen vor dem Erstflug verkauft.

„Die Airlines schätzen die Flexibilität dieser neuen Langstreckenflieger“, sagt Luftfahrexperte Großbongardt. Statt mit einer A380 Routen wie London-Los Angeles nur einmal am Tag anbieten zu können, seien mit  kleineren Maschinen zwei Verbindungen zu ähnlichen Kosten pro Sitz  möglich. Und die Grenzen der Physik sind bei den Fliegern noch lange nicht ausgereizt. Manche Kunden wie Singapore Airlines fragen bei Airbus bereits nach einer nochmaligen Streckung, die dann A350-1100 heißen könnte. Die bisherige Länge von gut 73 Metern könnte noch einmal um drei bis vier Meter verlängert werden, Platz für weitere 20 Passagiere. „Es wird rausgequetscht, was rauszuquetschen ist“, sagt Großbongardt.

Ein Erfolg mit einem bitteren Beigeschmack für Airbus.  Denn der „Jumbokiller“ A350 dürfte das Schicksal der A380 als Auslaufmodell besiegeln. Ebenso wie Boeings Jumbojet 747 verkommt auch  der doppelstöckige Riesenairbus zum Ladenhüter. Zwar hat Airbus noch 120 Maschinen in den Büchern, doch seit fast drei Jahren wartet man in Toulouse auf einen neuen Großauftrag. Mittlerweile hat Airbus-Chef Tom Enders die Konsequenz gezogen: Ab 2018 werden nur noch 12 A 380 pro Jahr gebaut, halb so viele wie derzeit.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%