Airline-Fusion: „Es wird Gewinner und Verlierer geben“

14. Februar 2013, aktualisiert 14. Februar 2013, 18:11 Uhr
Maschinen von American Airlines (l.) und US Airways: „Ich weine“. Quelle: dpaBild vergrößern
Maschinen von American Airlines (l.) und US Airways: „Ich weine“. Quelle: dpa
Quelle: Handelsblatt Online

American Airlines und US Airways wollen sich zur größten US-Fluggesellschaft zusammenschließen. Vielflieger fragen sich besorgt, was der Deal für sie bedeutet: Werden die Preise steigen, und was wird aus den Bonusmeilen?

New YorkGeht es nach dem Vielflieger namens „747“, wird die Sache schlimm. „Ich weine“, schreibt er im Forum „Flyertalk“ zur angekündigten Fusion von American Airlines und US Airways. Ein anderer stimmt ein: „Wahrscheinlich hatte ich am Sonntag mein letztes Essen an Bord eines Flugzeugs“. User „uxb“ schreibt einfach nur „Buuh“.

Anzeige

Wer wissen will, wie Vielflieger in Amerika ticken, bekommt bei Flyertalk, einem großen einschlägigen Online-Forum, ein gutes Bild. Hier tauschen sich die Hardcore-Passagiere aus, jene, die schon mal an einem einzigen Wochenende um die halbe Welt und wieder zurück fliegen, nur um mit den verdienten Bonusmeilen einen höheren Status bei den Vielfliegerprogrammen zu ergattern.  

Viele dieser Experten können sich nun gar nicht darüber freuen, dass wohl demnächst aus American Airlines und US Airways die größte Fluggesellschaft der Welt entstehen wird. Weniger Konkurrenz, so die Befürchtung, bedeutet höhere Preise und weniger Zusatzangebote. Und was wird aus den ganzen fleißig gesammelten Meilen?

Während Analysten und Brancheninsider den Zusammenschluss der zwei angeschlagenen US-Airlines als vernünftig loben, diskutieren Vielflieger und Verbraucherverbände noch, was das für die Passagiere bedeuten könnte. Die allgemeine Ratlosigkeit fasste Tim Winship vom Flieger-Portal „Frequentflyer“ im TV-Sender NBC zusammen: „Es wird Gewinner und Verlierer geben“.

Noch gibt es jedenfalls keinen Grund zur Panik, dass schon bald die Preise anziehen. Es werde noch Monate dauern, bis die Fusion vollzogen ist, sagte George Hobica, Gründer der Webseite Airfarewatchdog.com.

Zwar gilt es als wahrscheinlich, dass die US-Behörden dem Deal zustimmen – American würde auf diese Weise aus der Insolvenz entlassen. Doch ein Zusammengehen zweier Airlines ist eine komplexe Sache: Vom Buchungssystem über die Flugpläne bis zu den Bonusprogrammen muss eine Menge einander angepasst werden. Dadurch könnte zudem noch für längere Zeit zu Pannen kommen, wie seinerzeit bei der Fusion von United und Continental.

Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage müssten die Preise dann mittelfristig steigen, wenn American und US Airways Strecken zusammenlegen oder streichen. Gleichzeitig wird mit der Fusion der Club der großen US-Fluglinien immer kleiner: Waren es Anfang der 2000er Jahre noch zehn Airlines, bleiben nach mehreren Fusionsrunden künftig nur noch vier, die um die Ziele konkurrieren – neben American sind dies Delta, United Continental und Southwest.


„Flugzeuge aus diesem Jahrhundert“

Allerdings gibt es durchaus auch Anzeichen dafür, dass sich bei den Preisen nicht allzu viel ändern wird. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers etwa hat errechnet, dass die Ticketpreise innerhalb der USA zwischen 2004 und 2011 sogar leicht gesunken sind, trotz mehrerer Fusionen. Aktuell liegen sie laut „Wall Street Journal“ inflationsbereinigt sogar 16 Prozent niedriger als im Jahr 2000.

Experten weisen zudem darauf hin, dass American Airlines und US Airways nur auf gut einem Dutzend Routen miteinander konkurrieren. „Fluglinien werden immer versuchen, die Preise zu erhöhen, mit oder ohne weiterer Konsolidierung der Branche“, sagte Robert Mann, der mit seiner Firma R.W. Mann die Branche berät, zu CNBC.

Vielflieger fragen sich zudem, was die Fusion künftig für die erflogenen Statusmeilen bedeuten könnte. Immerhin gilt AAdvantage, das Meilenprogramm von American, als eines der Großzügigsten überhaupt: So können Mitglieder schon für 12.500 Meilen einen One-Way-Inlandsflug buchen. Wie bei allen anderen US-Airlines fallen nur ein paar Dollar Steuern und Gebühren an. Das Bonusprogramm von US Airways, Dividend Miles, ist geiziger als das beim künftigen Partner.

Experten allerdings erwarten nicht, dass der neue Airline-Konzern durch Veränderungen bei den Meilen-Programmen seine treuesten Kunden verärgert – zumindest so lange nicht, wie noch keine Details über die Zukunft der Anreiz-Systeme verkündet sind. Allerdings könnte es künftig schwieriger werden, als Passagier mit Meilenstatus ein Upgrade in eine höhere Klasse zu ergattern, weil sich bald die Vielflieger zweier Airlines um die guten Sitze balgen müssen.

Doch immerhin in einer Hinsicht könnte sich der Zusammenschluss am Ende auszahlen, für Vielflieger und für normale Passagiere: Die beiden Unternehmen wollen allein durch die Fusion eine Milliarde Dollar einsparen – und könnten einen guten Teil dieses Geldes in eine modernere Flotte investieren.

„Finanziell stabile Airlines können ihr elendig vernachlässigtes Produkt verbessern“, so Nick Seaney von „Farecompare“. Passagiere würden dann das nächste Mal ein Flugzeug vorfinden, „das in diesem Jahrhundert gebaut wurde“.

Anzeige

Mehr zum Thema

WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: BENKERT + PARTNER
  • Branchenführer: Allen & Overy LLP
  • Branchenführer: BW PARTNER

WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.