Alain Caparros im Interview: Rewe vor massivem Umbau

InterviewAlain Caparros im Interview: Rewe vor massivem Umbau

von Henryk Hielscher

Der Chef des Handelskonzerns Rewe, Alain Caparros, modernisiert Hunderte Läden und drängt ins E-Commerce-Geschäft: Rewe soll sich an jungen Online-Unternehmen beteiligen.

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Alain Caparros, Chef des Rewe-Konzerns, will einiges verändern.

WirtschaftsWoche: Herr Caparros, zum Start ein Wissenstest aus dem Bereich Heimatkunde: Wie viele Gartenzwerge gibt es in Deutschland?

Caparros: Keine Ahnung. Sicher deutlich mehr als in meiner Heimat Frankreich.

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Rund 25 Millionen, ihr häufigster Name ist Gustav. Das lernen die Kunden, die bei Ihrer neuen Sammelbildaktion „Unser Deutschland“ mitmachen. Wie erfolgreich sind solche Sticker-Kampagnen?

Obwohl wir jetzt schon mehrere Sammelbildaktionen hatten, läuft es ausgezeichnet. Es ist ein kleines Phänomen, vor allem die Kinder sind begeistert…

...und die Eltern, die den Spaß bezahlen müssen, zunehmend genervt.

Nicht nur die. Ich bin selbst Vater eines Sohnes. Wenn ich ihn gelegentlich morgens zur Schule bringe oder abends abhole, fragen mich seine Klassenkameraden des Öfteren, ob ich nicht Rewe-Aufkleber dabeihabe. Oder mein Sohn wurde gebeten, noch unbedingt ein Lukas-Podolski-Sammelbild zu besorgen. Aber daran sieht man: Das Konzept funktioniert, es macht Rewe sympathischer, steigert die Kundenfrequenz und die Kundenbindung.

2012 hat die Rewe Group 49,7 Milliarden Euro umgesetzt und damit einen Rekord erzielt. Geht es 2013 so weiter?

In den ersten Monaten lagen wir in Deutschland sowohl mit unserer Discount-Sparte Penny als auch im Vollsortiment – also vor allem den Rewe-Supermärkten – bei einem Umsatzplus von rund fünf Prozent. Das war mehr, als wir selbst geplant hatten. Auch das Ostergeschäft lief zufriedenstellend. Im Ausland haben wir eine vergleichbare Entwicklung. Bemerkenswert ist, dass es langsam auch in Krisenländern wie Rumänien und Bulgarien wieder aufwärtsgeht. Wenn uns jetzt keine großen Rückschläge noch das Geschäft verhageln, rechnen wir auch für das Gesamtjahr 2013 mit sehr vernünftigen Ergebnissen.

Im Februar wurde Pferdefleisch in Fertigprodukten entdeckt, jetzt gibt es neue Verdachtsfälle. Wie hat sich der Skandal auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Die Umsätze in den betroffenen Produktgruppen sind spürbar zurückgegangen. Noch ärgerlicher ist allerdings, dass wieder eine Debatte über die Lebensmittelsicherheit ausgebrochen ist. Das überdeckt eine Tatsache: Bei der Lebensmittelqualität ist Deutschland Weltmeister, es wird extrem viel geprüft und untersucht. Gegen Betrug gibt es einfach keinen 100-prozentigen Schutz.

Die Deutschen gelten als besonders preissensibel. Trifft die Kunden eine Mitschuld an den Lebensmittelskandalen?

Auf keinen Fall. Wenn einem Verbraucher auf der Verpackung Rindfleisch versprochen wird und es ist Pferdefleisch drin, dann ist das schlicht Betrug. Das ist auch nicht mit dem harten Preiskampf zu entschuldigen.

Wie werden sich die Lebensmittelpreise in diesem Jahr entwickeln?

Sie werden eher stabil bleiben, obwohl die Rohstoffpreise für Nahrungsmittel zuletzt wieder deutlich gestiegen sind. Die Preise für Zucker, Weizen und Fleisch beispielsweise haben sich im Vergleich zum Vorjahr kräftig erhöht. Aktuell ziehen wegen der außergewöhnlichen Witterungsbedingungen die Preise für Obst und Gemüse spürbar an. Das müssen wir auffangen, da für die Verbraucher der Preis immer noch das entscheidende Kaufkriterium bleibt und der Wettbewerb uns kaum Spielraum für Erhöhungen gibt.

Trotz des Gegenwinds an der Preisfront wollen Sie in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro investieren. Was haben Sie vor?

Wir wollen rund 300 Märkte im In- und Ausland neu eröffnen und investieren massiv in den Umbau und die Modernisierung von 1700 Filialen. Wir splitten unser Investitionsbudget also auf. Einen Teil des Geldes müssen wir in die Restrukturierung unserer Discount-Tochter Penny stecken. Der größere Part fließt aber weiter in die Supermärkte von Rewe in Deutschland und Billa im Ausland. Es wäre ein Fehler, jetzt die Gewinnbringer zu vernachlässigen. Dann hätten wir in einigen Jahren eine noch viele größere Baustelle als Penny.

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