Aldi in Großbritannien: Discounter startet britischen Online-Shop

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Aldi in Großbritannien: Discounter startet britischen Online-Shop

, aktualisiert 28. September 2015, 12:00 Uhr

Der deutsche Discounter Aldi baut sein britisches Geschäft mit einem Online-Angebot aus. Aber nächstem Jahr soll der Internet-Handel mit einigen ausgewählten Produkten beginnen.

Aldi im Angriffsmodus: Der deutsche Discounter baut sein Geschäft in Großbritannien mit einem neuen Online-Angebot aus. Aldi kündigte am Montag an, ab 2016 werde man zunächst Wein über das Internet verkaufen. Damit könne Aldi den Kontakt zu neuen britischen Kunden schaffen, erklärte der Chef der britischen Tochter, Matthew Barnes. Der Schritt gehöre zur langfristigen Strategie.

Aldi und Lidl wachsen in Großbritannien rasant, was vor allem auf Kosten der einheimischen Unternehmen wie Tesco, Asda und Morrisons geht. Denn immer mehr Briten kehren den heimischen Supermärkten den Rücken und setzen stattdessen auf die deutschen Billigheimer.

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Wo es beim Online-Lebensmittelhandel hakt

  • Lieferdienste

    Derzeit setzten die meisten Online-Lebensmittelhändler auf den Versender DHL (77 %), seltener auf Konkurrenten wie DPD (10 %) oder Hermes (4 %), haben die Handelsforscher des EHI herausgefunden. Lediglich größere Anbieter und Supermarktketten, haben einen sich einen eigenen Lieferdienst (13 %). Durch einen Partner entfallen Kosten für den Aufbau einer Logistik. Dafür entstehen fortlaufende Kosten - und die Gefahr vom Dienstleister, seinen Auftreten, seinem Service und seiner Pünktlichkeit abhängig zu sein.

    Quelle: EHI-Studie: Lebensmittel E-Commerce 2015 // eigene Recherche


  • Kühlkette

    Die Anbieter von Getränken und haltbaren Lebensmitteln haben damit kein Problem, für Online-Supermärkte, die auch frische Produkte verkaufen, ist die Kühlung der Waren existenziell. Sie liefern ihre Waren meist in Styroporboxen und halten die Temperatur mit Trockeneis, Kühlakkus oder Gelpads. Der Aufwand dahinter ist enorm hoch,und verursacht hohe Kosten. Besonders herausfordernd wird die Lieferung, wenn Waren verschiedene Kühltemperaturen benötigen - Fisch und Salat zum Beispiel.

  • Individuelle Kundenwünsche

    Grüne oder gelbe Bananen? Große oder kleine Äpfel? Supermarkt-Kunden haben meist spezielle Vorstellungen davon, wie ein Produkt auszusehen hat - und nehmen sich ihre Waren ganz bewusst aus dem Regal. Beim Online-Shopping übernimmt der Anbieter die Auswahl, und kann damit auch schon mal daneben liegen. In einem Praxistest fiel den Handelsforschern von EHI zudem ein weiteres Problem auf: Wenn ein Produkt nicht mehr auf Lager ist, fällt das häufig erst deutlich nach Bestellung auf. Dann bekommen die Kunden entweder eine Nachricht oder sogar ein Ersatzprodukt, das sie gar nicht wollten.

  • Lieferzeitpunkt und Geschwindigkeit

    Wann das Paket beim Kunden eintrifft, ist besonders bei frischen Produkten entscheidend. Schließlich sollte die Lieferung in der Regel persönlich entgegen genommen werden. Manche Dienste garantieren deshalb immerhin die Zustellung in einem Zeitfenster von zwei Stunden. Das erforderte aber eine genaue Planung der Auslieferungen - und entsprechend viele Kunden, sonst wird die Zustellung zum Minusgeschäft. Vor allem kleine Dienste liefern deshalb nur an bestimmten Wochentagen. Das bedeutet lange Wartezeiten für den Kunden.

  • Kundenskepsis

    Anders als in England oder Frankreich ist der Zuspruch der Kunden hierzulande noch sehr gering. Das ist einer grundsätzlichen Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Entwicklungen geschuldet, der guten Versorgung mit Läden insgesamt, und der Angst durch die oben genannten Punkte Nachteile zu erhalten. “Die Verbraucher haben zum Beispiel Angst in Bezug auf die Produktqualität und vor einer eventuellen Nichteinhaltung der Kühlkette”, fassen die EHI-Experten in ihrer Studie Lebensmittel “E-Commerce 2015” zusammen.

Aldi hält dem Marktforscher Kantar Worldpanel zufolge inzwischen 5,6 Prozent des britischen Marktes. Für die britischen Konkurrenten bedeutet das Einbußen - einzig Sainsbury konnte laut Kantar Worldpanel seinen Marktanteil verteidigen.

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz von Aldi nach eigenen Angaben um 31 Prozent auf 6,89 Milliarden Pfund. Der operative Gewinn fiel dagegen auf 260,3 Millionen Pfund nach 271,4 Millionen im Vorjahr. Hintergrund seien Preiskürzungen und höhere Personalkosten.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Aldi betreibt gegenwärtig 598 Läden in Großbritannien, bis 2022 sollen es 1000 werden. Auch Lidl betreibt bereits 600 Filialen auf der Insel und will sein Netz ebenfalls deutlich ausweiten. Zusammen kommen Aldi und Lidl laut Kantar Worldpanel mittlerweile auf einen Marktanteil von 9,8 Prozent. Die deutschen Discounter befeuern mit ihren Billig-Angeboten den Preiskampf der traditionellen Ketten. Den sechsten Monat in Folge sei der Gesamtumsatz der Branche deshalb weniger als ein Prozent gewachsen.

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Der Preiskampf erfasst in Großbritannien nun auch die Löhne. Lidl hat Mitte September als erster Einzelhändler angekündigt, dem Großteil seiner rund 17.000 Mitarbeiter rund 1200 Pfund (etwa 1640 Euro) im Jahr mehr zu bezahlen. Lidl will damit eine unabhängige Mindestlohn-Empfehlung erfüllen. Mit der neuen Lohntabelle liegt Lidl dann fast ein Pfund pro Stunde über dem, was die Konkurrenz zahlt.

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