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Alternative Anlagen: Leute, kauft Kippen!

von Frank Doll

Anleger schenken dem Bund Geld, damit sie ihm Geld leihen dürfen. Warum nicht Zigaretten kaufen? Auch Kippen-Käufer finanzieren den Staat, bekommen dafür aber eine wertstabile Krisenwährung, die immer Abnehmer findet.

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen sechs Prozent weniger Zigaretten gekauft als 2011. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Der Absatz von Zigarren und Zigarillos sank sogar um zehn Prozent. Zudem wurde 0,4 Prozent weniger Feinschnitt versteuert. Den Deutschen vergeht unter dem Druck der Steuern für Tabakprodukte zunehmend die Lust am blauen Dunst. 2011 wanderten bei einer 5-Euro-Schachtel schon 3,68 Euro in die Staatskasse. Die strengen Werbeverbote haben auch ihren Preis für den Fiskus: Die Einnahmen aus der Tabaksteuer fielen 2012 um fast zwei Prozent auf 14,13 Milliarden Euro. Auf die Tabakindustrie kommen weitere Probleme zu. Die EU-Kommission plant eine Verschärfung der Tabakrichtlinie. Brüssel fordert die Einführung von Schockbildern und den Verbot von Menthol als Zusatzstoff.

Bild: dapd

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Eine bunte Truppe fand sich unlängst ein im Kölner Mediapark zum Seminar „Rhetorik und Sprechwirksamkeit“ der Volkshochschule Köln. Gekommen waren ein Vertreter der Erzdiözese Köln, ein Nachrichtensprecher, die Mitarbeiterin einer Nichtregierungsorganisation, ein Wirtschaftsprüfer, eine Personalvermittlerin, eine Neuropsychologin, eine Sozialpädagogin und eine Yoga-Trainerin. Als Letzter erschien noch ein Vertreter eines in letzter Zeit in Verruf geratenen Berufsstands – ein Investmentbanker.

Zur Halbzeit des Seminars hieß es: Das Gelernte anwenden, einen Vortrag vorbereiten und halten. Der Banker weckte schon vorab große Neugierde. Das lag am angekündigten Titel seiner Präsentation: „Das Investment des Jahrhunderts.“ Geldgier kennt keine Berufsgrenzen, und in jedem steckt auch ein kleiner Bonusjäger.

Der Investmentbanker legte los: „Ich spüre eure Angst. Die Banken sind pleite, die Staaten auch – und ihr fragt euch: Wie rette ich mein Geld? Wie schütze ich mein Vermögen vor Inflation? Was passiert mit meiner Altersvorsorge? Und überhaupt, bin ich noch liquide, wenn das Finanzsystem zusammenbricht?“ Viele Fragen, eine Antwort: „Kauft Kippen!“

Wie bitte? Rendite mit Zigaretten, wie soll das gehen? Rauchen ist tödlich und verursacht hohe Kosten für die Allgemeinheit. Es gebe kein anderes Konsumgut, dessen volkswirtschaftliche Kosten höher seien als die Industrieumsätze, sagt Michael Adams, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg. 22,5 Milliarden Euro Umsatz stünden jährlich 33,5 Milliarden Euro Kosten gegenüber. Doch darum geht es dem Banker nicht. Man müsse kein Raucher werden, um Zigaretten einen gewissen Reiz abzugewinnen. Kippen seien auch für Nichtraucher interessant – als Geldanlage.

Rauchen für Griechenland
Rauchen für Griechenland

Kippen besser als Aktien

Immerhin stieg der Preis einer Premiumpackung mit 19 Zigaretten in Deutschland allein seit der Einführung des Euro als Bargeld von 3,00 Euro auf 4,90 Euro – ein Plus von gut 63 Prozent. Stärker kletterte nur der Goldpreis, deutsche Rentenpapiere konnten einschließlich Zinsen gerade mithalten, während dem Dax zwischenzeitlich immer wieder die Puste ausging. Der weitere Anstieg der Zigarettenpreise ist programmiert. Die stufenweise Tabaksteuererhöhung bis 2015 wird für einen weiteren Preisanstieg von acht Prozent sorgen, mindestens. Wo Dax, Rex und Gold dann stehen, weiß heute aber niemand. Einige Zigarettenhersteller haben die Steuererhöhung zum Jahresanfang bereits eingerechnet und den Packungspreis darüber hinaus aufgerundet auf fünf Euro. Noch aber gibt es im Handel viele Premiummarken zum alten Preis.

Tue Gutes und verdiene daran! Wer Kippen kauft, diese aber nicht raucht, sondern liegen lässt, der sorgt für Steuereinnahmen, belastet die Allgemeinheit aber nicht mit den Folgekosten seiner Genusssucht. Bei einem Verkaufspreis von fünf Euro pro Packung gehen 73 Prozent oder 3,65 Euro via Tabaksteuer und Mehrwertsteuer an den Staat. Die Tabaksteuer ist nach der Mineralölsteuer die ertragreichste Verbrauchsteuer überhaupt. 2010 nahm der Bund fast 13,5 Milliarden Euro durch die Tabaksteuer ein, über die Zigarette allein etwa zwölf Milliarden Euro. Diese Summe entspricht gut der Hälfte des deutschen Anteils am ersten Hilfspaket für Griechenland.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.01.2012, 07:44 UhrSkyjellyfetty

    Ja,ganz witzig der Artikel,aber wenn es ernst wird,dann sollte ich Zugang zu einer Maschinenpistole und ausreichend Munition haben.Damit habe ich dann alles was ich brauche,wo ich geh und steh.
    Alles andere ist ein schöner Traum für Erbsenzähler.

  • 27.01.2012, 12:52 Uhrcashca

    Seid ihr jetzt alle völig verrückt geworden? Die Dekadenz der Gesellschaft, ihre absurden Ansichten und die abhanden gekommene Vernunft, macht noch mehr Angst, als die Finanzkrise.
    Nur ein klarer Verstand kann Krisen meistern.
    Genau dieser ist weg. Alle hampeln sie wie in einem Irrgarten herum, ohn Plan, ohne logische Schlussfolgerung.
    Wir bekommen, was wir verdienen. Den grandiosen Absturz.
    Wer nicht denkt zur rechten Zeit, der muß seh´n was übrigleibt.

  • 27.01.2012, 00:20 UhrPikAs

    Stimmt!!!
    Wechseln Sie den Arzt und sagen Sie dem neuen Sie wären Nichtraucher. Dann weiß der auch nicht mehr weiter!
    Auch mal hier lesen:

    http://nofretete1969.wordpress.com/2012/01/16/jenseits-der-propaganda-nikotin-und-rauchen-ein-erster-blick-hinter-den-schleier/

    http://www.chartbrief.de/verbotswahn_und_entmuendigung.html

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