Amazon-CEO Wilke: „Lebensmittel auszuliefern ist nicht einfach“

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InterviewAmazon-CEO Jeff Wilke: „Lebensmittel auszuliefern ist nicht so einfach“

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Jeff Wilke, 53, ist Ingenieur und stieß 1999 zu Amazon. Als einer von drei CEOs leitet er das weltweite Konsumentengeschäft und damit auch den gesamten Onlinehandel.

von Matthias Kamp

Jeff Wilke, CEO und zweiter Mann nach Jeff Bezos, erklärt die Herausforderungen beim Lebensmittel-Versand, weist Monopolvorwürfe zurück und sagt, warum Deutsche Essen im Internet kaufen sollten.

WirtschaftsWoche: Mister Wilke, seit Monaten haben deutsche Lebensmittelhändler auf den Start des Lieferdiensts Amazon Fresh gewartet. Nun legen Sie los. Warum erst jetzt?
Jeff Wilke: Lebensmittel auszuliefern ist nicht so einfach. Wir müssen sicher sein, dass sie jederzeit in hoher Qualität beim Kunden ankommen. Sonst funktioniert das ganze Konzept nicht.

Wie stellen Sie das sicher?
In den USA und Großbritannien läuft das Angebot schon seit einiger Zeit. Dort haben wir Erfahrungen gesammelt und zum Beispiel Prozesse entwickelt, die künstliche Intelligenz einbeziehen. Heute helfen uns Maschinen bereits dabei, den Frischegrad von Erdbeeren zu bestimmen.

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Der deutsche Kunde achtet bei Lebensmitteln neben Frische vor allem auf den Preis.
Kunden auf der ganzen Welt wünschen sich gute Preise, große Produktauswahl und attraktive Lieferoptionen. In Deutschland verkaufen wir seit 2010 Lebensmittel und haben mit einer Auswahl von aktuell mehr als 680.000 Produkten im Trockenbereich...

Lieferdienst Fresh Wie Amazon den deutschen Markt aufmischt

Schon heute schürt die Omnipräsenz von Amazon Ängste. Mit dem Lebensmittellieferdienst Fresh besetzt der Online-Riese den nächsten großen Markt. Ziel: Wir sollen auch unser Essen endlich im Internet kaufen.

Amazon Fresh: "Die Maschine weiß, wie frisch Erdbeeren sind". Quelle: Presse

...also zum Beispiel Cornflakes, Schokolade und verpacktem Brot...
...Erfahrungen gesammelt. Über unser Angebot Prime Now verkaufen wir in Berlin und München auch heute schon frische Produkte und andere Artikel des täglichen Bedarfs.

Viele fürchten, dass der Ausweitung Ihres Angebots ein großes Ladensterben folgt.
Der Einzelhandel ist überall auf der Welt sehr wettbewerbsintensiv. Ich denke, dass es in Deutschland wie auch in den USA genug Platz für mehrere Anbieter und ganz unterschiedliche Formate gibt. Dazu kommt, dass wir mit vielen Anbietern kooperieren.

Das sind Amazons nächste Projekte

  • Einkaufsliste per Knopfdruck

    Unter Amazon Dash versteht der Internetkonzern eine Art Einkaufsliste auf Knopfdruck. Die kleinen Aufkleber mit Taste können die Kunden einfach im Haus an das Waschmittel oder an das Hundefutter kleben - und wenn die Packung leer ist, per Knopfdruck schnell bei Amazon eine neue bestellen. Bisher ist der Service nur für Kunden des Premiumdienstes Amazon Prime in den USA und in Großbritannien erhältlich - für 4,99 US-Dollar je Button.

  • Marktplatz für Selbstgemachtes

    Mit "Amazon Handmade" macht der Online-Händler Anbietern wie Etsy oder DaWanda Konkurrenz. Auf dem Marktplatz will Amazon Künstler und Bastler versammeln, die individualisierbare Produkte verkaufen: Selbstgeschneiderte Kleider und Taschen, Schmuck, Armbänder, Möbel. Die Plattform befindet sich in den USA noch im Aufbau. Wer dort verkaufen will, kann sich jetzt schon bewerben. Allerdings kostet ein professioneller Verkäufer-Account knapp 40 Dollar im Monat, und Amazon will bei jeder Bestellung zwölf Prozent Provision einstreichen. Bei anderen Plattformen sind diese Konditionen weitaus günstiger für die Verkäufer - allerdings erreichen sie dort wahrscheinlich nicht so viele Kunden. Ob und wann Amazon Handmade auch nach Deutschland kommen soll, ist nicht bekannt.

  • Plattform für Handwerker

    Über seine Plattform "Amazon Home Service" vernetzt der Online-Händler in den USA Techniker, Handwerker und Trainer mit seinen Kunden in den Großstädten. Wer bei Amazon einen neuen Fernseher kauft, kann also gleich einen Techniker beauftragen, der den Fernseher anschließt und einrichtet. Auch Yoga-Stunden und Gitarren-Lehrer lassen sich über die Plattform buchen. Bis zum Jahresende will Amazons einen Service in 30 amerikanischen Großstädten anbieten.

  • Ein Lkw voller Schätze

    In der Amazon-Heimatstadt Seattle fährt seit diesem Sommer der "Treasure Truck" - ein Lkw, vollgeladen mit Sonderangeboten. Kunden können die Waren auf dem Truck per App bestellen und direkt liefern lassen - zum Beispiel ein Surfboard für den Preis von 99 Dollar anstatt den üblichen 499 Dollar.

  • Musik-Streaming

    Prime Music ist der Musik-Streamingdienst von Amazon, eine Konkurrenz zu Spotify oder Apple. Wer Mitglied beim Amazon Premiumdienst Prime ist, kann den Service in den USA und auch in Großbritannien ohne Zusatzkosten nutzen. Allerdings verfügt Amazon bisher nur über eine Bibliothek von etwa einer Millionen Songs.

  • Eigene Serien, Filme und Video-Spiele

    Amazon begnügt sich schon lange nicht mehr, Medien zu verkaufen - der Online-Händler produziert sie mittlerweile auch selbst. Über seinen Streamingdienst zum Beispiel hat Amazon die ersten Folgen der Serie "The Man in the High Castle" veröffentlicht. Darin geht es um die Frage: Wie würde die Welt aussehen, wenn die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Auch einen eigenen Kinofilm mit dem Titel "Elvis & Nixon" produziert Amazon. Was danach kommt? Wahrscheinlich ein eigenes Videospiel. Laut Medienberichten hat Amazon Entwickler von bekannten Spielen wie World of Warcraft oder Halo verpflichtet.

Mit wem?
In den USA und Großbritannien können Kunden mit Amazon Fresh auch Waren lokaler Händler ordern, wir liefern sie dann mit ihrer Bestellung aus. Dem Modell folgen wir auch in anderen Ländern.

Und Sie kommen so Ihrem Ziel näher, jeden Lebensbereich des Konsumenten zu erobern.
So denken wir nicht. Wir sehen uns als Erfinder, die die Welt für ihre Kunden besser machen wollen. Wenn wir davon überzeugt sind, dass wir unseren Kunden in einem Bereich zusätzlichen Nutzen bieten können, schreiben wir zunächst eine interne Pressemeldung und fangen dann an, unser Projekt „rückwärts zu realisieren“. Das hilft uns dabei, anders über den tatsächlichen Kundennutzen nachzudenken.

Amazon Fresh Wie Discounter sich gegen die Macht aus dem Netz wehren

Sportevents, Bistroküchen, Mietwagen-Gutscheine - der Lebensmittelhandel versucht die Kunden in die Filialen zu locken, bevor der Onlinehandel die Landschaft umkrempelt. Der Gewinner: Der Kunde.

Aldi Süd vs. Amazon Fresh. Quelle: dpa Picture-Alliance

Jedes Unternehmen behauptet, dass der Kunde bei ihm an erster Stelle steht.
Wenn ich morgens aufstehe, beschäftige ich mich zuerst mit Rückmeldungen von Kunden. Auf dieser Basis arbeiten wir daran, das Einkaufserlebnis permanent zu verbessern. In jedem Land, in dem ich unterwegs bin, informiere ich mich zuerst darüber, wie es dort mit der Kundenzufriedenheit aussieht, welche Innovationen wir eingeführt haben, ob die Preise stimmen. Erst dann schaue ich mir die Umsatzzahlen an. Das machen andere Händler vielleicht anders.

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