Amazon Fresh startet in Berlin: Onlineriese macht den Supermärkten Konkurrenz

Amazon Fresh startet in Berlin: Onlineriese macht den Supermärkten Konkurrenz

, aktualisiert 04. Mai 2017, 08:23 Uhr
von dpa und Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Mit leichter Verspätung startet Amazon in die Lieferung frischer Lebensmittel. Langfristig könnte der Onlinegigant eine arge Bedrohung für traditionelle Händler werden: Das Angebot ist riesig - und die Lieferzeiten kurz.

BerlinSchon der Start zeigt, dass das Geschäft alles andere als einfach ist: Knapp einen Monat später als ursprünglich geplant hat der Onlineriese Amazon jetzt seinen Lieferdienst für frische Lebensmittel in Berlin gestartet. Und zunächst wird im ersten Anlauf auch noch nicht die gesamte Hauptstadt beliefert. Nur einzelne Postleitzahlen-Bereiche von Berlin und Potsdam sind verfügbar. Welche? Das verrät Amazon nicht, das muss der interessierte Kunde selber ausprobieren.

Wie das Handelsblatt schon im März berichtet hatte, wird die Deutsche Post mit ihrem Paketdienst DHL die Lebensmittel für Amazon zum Kunden bringen. Ausgeliefert wird von einem speziellen Lager in Berlin-Tegel. „Die beiden Platzhirsche Amazon und DHL arbeiten schon lange zusammen und könnten den Online-Lebensmittelhandel auf ein relevantes Niveau heben“, prognostiziert Lars Hofacker, Leiter des Forschungsbereichs E-Commerce beim EHI Retail Institute. „Mit DHL lässt sich ein nationaler Ausbau sehr gut vorantreiben und könnte damit die Lieferung von Lebensmitteln auch außerhalb der Ballungszentren ermöglichen.“

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In der Tat will Amazon den Service so rasch wie möglich auch auf andere Städte ausweiten. Als nächster Standort dürfte München starten, wo bereits ein neues Lager mit großem Frischebereich an den Händler übergeben wurde. Amazon will den Testbetrieb in Berlin laufend auswerten und davon das Tempo der weiteren Expansion abhängig machen.

Der weltgrößte Online-Händler will stationären Geschäften mit einer großen Auswahl aus rund 85.000 Artikeln Konkurrenz machen. Zum Vergleich: Ein gut sortierter Supermarkt hat etwa 12.000 Artikel, ein Discounter gerade mal 2000. Zum Sortiment gehören auch frisches Fleisch, Obst und Gemüse sowie gekühlte Artikel. Auch rund .000 Bio-Artikel hat Amazon Fresh im Programm.

Angeboten wird der neue Dienst zunächst nur Mitgliedern des kostenpflichtigen Abodienstes Amazon Prime. Für Fresh müssen sie nach einem Probemonat zusätzliche 9,99 Euro pro Monat zahlen. Dann sind alle Bestellungen ab 40 Euro portofrei. Liegt der Preis der Waren darunter werden jedes Mal weitere 5,99 Euro fällig.


40.000 Arbeitsplätze könnten bedroht sein

Der Partner DHL hat bereits Erfahrung mit der Lieferung von frischen Lebensmitteln. Das Tochterunternehmen Allyouneed fresh liefert bereits bundesweit frische Waren und Tiefkühlartikel – allerdings in der Regel nicht am gleichen Tag, wie es jetzt bei Amazon Fresh geplant ist. Bestellen Amazon-Kunden bis 12 Uhr mittags, kommt die Ware noch am gleich Tag. Bei Bestellungen bis 23 Uhr wird sie am folgenden Tag in einem vereinbarten Zwei-Stunden-Fenster gebracht.

„Wir freuen uns, wenn Amazon Fresh nach Deutschland kommt“, hatte Christian Metzner, Senior Vice President Online Shopping bei DHL, bereits kürzlich dem Handelsblatt gesagt. „Ich sehe eine hohe Dynamik im Markt“, sagt DHL-Mann Metzner. „Ich halte es für realistisch, dass ein Onlineanteil von zehn Prozent am Lebensmittelhandel bis zum Jahr 2022 erreicht werden kann.“

Davon ist der deutsche Lebensmittelhandel zurzeit noch weit entfernt. Gerade mal ein Prozent der Lebensmittel bestellen die Kunden im Netz. Doch Expertenprognosen zufolge wird dieser Anteil mit dem Einstieg von Amazon rasant steigen. „Die Branche wird keine Evolution erleben, sondern eine Revolution“, warnte Michael Lierow, Handelsexperte der Managementberatung Oliver Wyman. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft könnten dadurch rund 15 Prozent der Supermärkte Verluste machen. Etwa 40.000 Arbeitsplätze im stationären Handel seien bedroht.

Einige Berliner Händler haben sich darauf bereits eingestellt und machen gemeinsame Sache mit Amazon Fresh. So liefern 25 lokale Händler, darunter Bioläden, Feinkosthändler und Schokoladengeschäfte ihre Produkte auch über die neue Plattform aus. Das verschafft ihnen zumindest kurzfristig eine Atempause.

Quelle:  Handelsblatt Online
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