Amazon Handmade: Amazon greift Dawanda und Etsy an

Amazon Handmade: Amazon greift Dawanda und Etsy an

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Amazon vertreibt nun auch Handgemachtes.

von Stephan Happel und Niklas Dummer

Amazon setzt mit Handmade auf den Verkauf von handgefertigten Produkten von Kunsthandwerkern. Wie Kunden, Händler und der Online-Riese davon profitieren – und wer weniger erfreut über das neue Geschäft sein dürfte.

Jetzt auch handgeklöppelt: Online-Riese Amazon startet mit Handmade einen neuen Geschäftsbereich in Deutschland und auf vier weiteren europäischen Amazon-Webseiten. Auf dem neuen Marktplatz für Selbstgemachtes können Kunsthandwerker künftig ihre eigenen Produkte anpreisen und verkaufen.

Auf einen Schlag erweitert der Konzern sein Portfolio in den fünf Shops um mehr als 30.000 Artikel von Kunsthandwerkern. Weitere sollen täglich folgen. Im Vergleich zum restlichen Angebot sind es Nischenprodukte: Mehlsack-Geschirrtücher aus Kanada, italienische Holzlampen, Schmuck aus vergoldeten Blättern und nachhaltige Babyklamotten. Alles handgefertigt und teils individuell anpassbar, verspricht der Konzern seinen Kunden.

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„Wir haben ein Einkaufserlebnis für Kunden geschaffen, die auf der Suche nach einzigartigen Artikeln sind“, wirbt Markus Schöberl, verantwortlich für Amazons Marktplatz-Geschäft im deutschsprachigen Raum. Neu ist die Idee nicht. Mit dem Fokus auf Handgemachtes betritt Amazon Terrain, das in Deutschland bislang von Platzhirschen wie Etsy und DaWanda beherrscht wird.

Das sind Amazons nächste Projekte

  • Einkaufsliste per Knopfdruck

    Unter Amazon Dash versteht der Internetkonzern eine Art Einkaufsliste auf Knopfdruck. Die kleinen Aufkleber mit Taste können die Kunden einfach im Haus an das Waschmittel oder an das Hundefutter kleben - und wenn die Packung leer ist, per Knopfdruck schnell bei Amazon eine neue bestellen. Bisher ist der Service nur für Kunden des Premiumdienstes Amazon Prime in den USA und in Großbritannien erhältlich - für 4,99 US-Dollar je Button.

  • Marktplatz für Selbstgemachtes

    Mit "Amazon Handmade" macht der Online-Händler Anbietern wie Etsy oder DaWanda Konkurrenz. Auf dem Marktplatz will Amazon Künstler und Bastler versammeln, die individualisierbare Produkte verkaufen: Selbstgeschneiderte Kleider und Taschen, Schmuck, Armbänder, Möbel. Die Plattform befindet sich in den USA noch im Aufbau. Wer dort verkaufen will, kann sich jetzt schon bewerben. Allerdings kostet ein professioneller Verkäufer-Account knapp 40 Dollar im Monat, und Amazon will bei jeder Bestellung zwölf Prozent Provision einstreichen. Bei anderen Plattformen sind diese Konditionen weitaus günstiger für die Verkäufer - allerdings erreichen sie dort wahrscheinlich nicht so viele Kunden. Ob und wann Amazon Handmade auch nach Deutschland kommen soll, ist nicht bekannt.

  • Plattform für Handwerker

    Über seine Plattform "Amazon Home Service" vernetzt der Online-Händler in den USA Techniker, Handwerker und Trainer mit seinen Kunden in den Großstädten. Wer bei Amazon einen neuen Fernseher kauft, kann also gleich einen Techniker beauftragen, der den Fernseher anschließt und einrichtet. Auch Yoga-Stunden und Gitarren-Lehrer lassen sich über die Plattform buchen. Bis zum Jahresende will Amazons einen Service in 30 amerikanischen Großstädten anbieten.

  • Ein Lkw voller Schätze

    In der Amazon-Heimatstadt Seattle fährt seit diesem Sommer der "Treasure Truck" - ein Lkw, vollgeladen mit Sonderangeboten. Kunden können die Waren auf dem Truck per App bestellen und direkt liefern lassen - zum Beispiel ein Surfboard für den Preis von 99 Dollar anstatt den üblichen 499 Dollar.

  • Musik-Streaming

    Prime Music ist der Musik-Streamingdienst von Amazon, eine Konkurrenz zu Spotify oder Apple. Wer Mitglied beim Amazon Premiumdienst Prime ist, kann den Service in den USA und auch in Großbritannien ohne Zusatzkosten nutzen. Allerdings verfügt Amazon bisher nur über eine Bibliothek von etwa einer Millionen Songs.

  • Eigene Serien, Filme und Video-Spiele

    Amazon begnügt sich schon lange nicht mehr, Medien zu verkaufen - der Online-Händler produziert sie mittlerweile auch selbst. Über seinen Streamingdienst zum Beispiel hat Amazon die ersten Folgen der Serie "The Man in the High Castle" veröffentlicht. Darin geht es um die Frage: Wie würde die Welt aussehen, wenn die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Auch einen eigenen Kinofilm mit dem Titel "Elvis & Nixon" produziert Amazon. Was danach kommt? Wahrscheinlich ein eigenes Videospiel. Laut Medienberichten hat Amazon Entwickler von bekannten Spielen wie World of Warcraft oder Halo verpflichtet.

Etsy brachte den Trend der handgemachten Produkte 2005 im großen Stil in den USA ins Netz und kam 2009 nach Deutschland. Auf der Plattform finden sich 1,6 Millionen Verkäufer – und rund 25 Millionen aktive Kunden. Marktführer in Deutschland ist Dawanda, eine Etsy-Kopie. Die Berliner sind seit 2006 auf dem Markt. Der Umsatzerlös lag im vergangenen Jahr bei 11,7 Millionen Euro.

Amazon könnte in diesen Markt mächtig Bewegung bringen, ausgeschöpft ist das Potential mit dem Kunsthandwerk längst nicht, glauben zumindest die, die die Ware herstellen. „Der Markt in Deutschland für solche Produkte ist groß“, sagt Maria Angeles Marinas von Gemshine. Sie ist unter den ersten, die ihre Produkte künftig auch bei Handmade vertreiben. Wer bei ihr bestellt, kauft handgefertigten Schmuck und legt Wert auf Zertifikate und Nachweise, woher die Produkte kommen und wie sie gemacht werden. „Vergessen wir mal einen Nachweis, melden sich die Kunden sofort bei uns und verlangen eine Kopie.“

Die Zielgruppe ist eben eigen. Sie legt Wert auf nachhaltigen Konsum und gilt als zahlungskräftig. Marketingstrategen aus den USA haben sie “LOHAS” getauft, was für Lifestyle of Health and Sustainability steht. „Die Konsumenten treffen bewusste Kaufentscheidungen, legen aber trotzdem Wert auf Luxus, was sie von anderen ökologischen Bewegungen abgrenzt“, sagt Stefan Helmke, Marketingprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach (FHDW) und Partner bei der Managementberatung TGCG.

Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge zählten sich 2007 9,6 Prozent der Deutschen zur Kerngruppe der LOHAS und 12,4 Prozent zu ihrem erweiterten Kreis. 2015 waren es schon 15,1 Prozent, die sich zur Kerngruppe und 12,7, die sich zum erweiterten Kreis zählen.

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