Amazon Marketplace: Mit Amazon die Welt erobern

ThemaOnlinehandel

Amazon Marketplace: Mit Amazon die Welt erobern

Bild vergrößern

Amazons Expansionspläne für Marketplace-Anbieter.

von Stephan Happel

Auf dem Marketplace lockt Amazon kleine Händler mit enormer Reichweite und hohen Umsätzen. Immer häufiger hilft der Online-Riese auch bei der Expansion ins Ausland. Doch das Geschäft mit den Marktplätzen ist schnell und rau. Für die Anbieter kann das Angebot zur Falle werden.

Bei Danto hatten sie die Nase vom langsamen Wachstum voll. Statt seine Pfannen und Küchengeräte nur in Deutschland zu verkaufen, beschloss der Online-Händler aus Rosenheim sie in die Welt versenden. Spanier sollen ihre Paella in Pfannen machen, die sie von Danto haben. Italiener ihre Nudeln Schüsseln aus Deutschland anrichten.

„Europa wird in den nächsten Jahren immer weiter zusammenwachsen und wir wollen unseren Teil dazu beitragen, indem wir bereits jetzt unsere Produkte allen Europäern zur Verfügung stellen“, sagt Marc Binder, bei dem Küchenutensilien-Händler verantwortlich für das Online-Geschäft.

Anzeige

Die Verlockung ist groß. Das Wachstum im Onlinehandel wird langsamer, die Konkurrenz größer und der Preiskampf härter. Während immer mehr fremde Händler etwa aus Großbritannien und Asien auf den deutschen Markt drängen, hoffen heimische Anbieter anderswo Kunden zu finden.

An Amazon führt kein Weg vorbei

Schon der Gang in die Nachbarländer kann sich lohnen. Bis 2018, rechnet der Onlinehandel-Branchenverband EMOTA vor, dürfte der grenzübergreifende Handel in Europa 20 Prozent des weiterhin steigenden Onlinehandelsumsatzes ausmachen: insgesamt 116 Milliarden Euro pro Jahr. In den USA, China oder Japan warten weitere Millionen potentieller Kunden.

Doch die Hürden sind hoch. Sprachbarrieren und andere Gesetze hemmen die schnelle Expansion. Vor Ort eine eigene Logistik aufzubauen, kostet Zeit und Geld. Was in Deutschland für kleine Händler noch zu bewältigen ist, wird spätestens in Übersee zur kaum stemmbaren Aufgabe.

Die teuersten Amazon-Übernahmen

  • Platz 9 woot!

    Der Online-Händler woot! gilt als einer der Vorreiter des „Deal of the day“: Jeden Tag wird ein besonders Produkt für 24 Stunden zum Discountpreis angeboten. Ist das Produkt ausverkauft, rückt ein neues nach. Ist das Interesse nicht groß genug, wechselt das Angebot um Mitternacht.

    Preis: 110 Millionen US-Dollar

    Übernahmejahr: 2010

  • Platz 8 goodreads

    In der Lese-Community goodreads treffen sich Literaturfreunde online, um über ihre Lieblingsbücher und aktuelle Bestseller zu diskutieren und sie zu rezensieren. Seit Amazon die Website übernommen hat, schnellen die Nutzerzahlen in der Höhe. Mittlerweile sind mehr als 30 Millionen Mitglieder angemeldet.

    Preis: 150 Millionen Dollar

    Übernahmejahr: 2013

  • Platz 7 Alexa

    Der Webdienst Alexa sammelt Daten über Seitenabrufe von Internetseiten und stellt diese zur Auswertung bereit. Der sogenannte Alexa Rank gibt an, wie bekannt Internetseite ist und gilt als wichtiges Tool zur Bewertung dieser, weil ein hoher Rang auf eine hohe Beliebtheit hindeutet. Mittlerweile ist Alexa Teil der bekannten Sammlung Amazon Web Services (AWS).

    Preis: 250 Millionen

    Übernahmejahr: 1999

  • Platz 6 audible

    Audible bietet Hörbücher zum Download an. Dabei setzt der Dienst auch auf ein Abo-Modell: Für einen monatlichen Beitrag gibt es ein Hörbuch im Monat kostenlos und weitere vergünstigt. Das bereits 1995 gegründete Unternehmen wurde 2008 von Amazon gekauft und unter anderem mit dessen Angeboten für das Tablet Kindle verzahnt.

    Preis: 300 Millionen

    Übernahmejahr: 2008

  • Platz 5 Lovefilm

    Lange Zeit galt Lovefilm als eine von Europas größten Online-Videotheken und verlieh Film-DVDs und -Blu-rays. Später bot das Unternehmen auch Video-on-Demand an. Im Februar 2014 ging Lovefilm mit dem Streaming-Angebot Amazon Instant Video auf.

    Preis: 312 Millionen

    Übernahmejahr: 2011

  • Platz 4 Quidsi

    Bis 2010 betrieb Quidsi unter anderem die Baby-Bedarfs-Seite diapers.com und den Hygieneprodukte-Händler Soap.com. Dann schluckte Amazon das Unternehmen, um sich die erfolgreichen Seiten einzuverleiben.

    Preis: 545 Millionen

    Übernahmejahr: 2010

  • Platz 3 Kiva Systems

    Das US-Unternehmen Kiva Systems ist auf die Herstellung von Maschinen für große Fulfilllment-Center von Onlinehändlern spezialisiert. Roboter von Kiva übernehmen etwa große Teile der Lagerung in Amazons gigantischen Lagerhäusern.

    Preis: 775 Millionen Dollar

    Übernahmejahr: 2010

  • Platz 2 Twitch

    Das Live-Streaming-Videoportal Twitch hat sich auf die Übertragung von Videospielen wie World of Warcraft oder League of Legends spezialisiert. Laut eigenen Angaben hatte das Portal 2013 monatlich etwa 45 Millionen Zuschauern.

    Preis: 970 Millionen Dollar

    Übernahmejahr: 2014

  • Platz 1 Zappos

    Der Onlineshop Zappos konzentriert sich auf den Verkauf und Versand von Schuhen und Mode. Im Juli 2009 übernahm wollte Amazon den Händler für rund 850 Millionen Dollar übernehmen. Der Kaufpreis sollte zum Großteil mit eigenen Aktien beglichen werden. Der Deal verteuerte sich damals auf rund 1,2 Milliarden Dollar, weil die Amazon-Aktie stark im Kurs stieg.

    Preis: 1,2 Milliarden Dollar

    Übernahmejahr: 2009

    Quelle: Statista / Unternehmen

„Wer als Händler von Deutschland aus ins Ausland geht, stößt schnell auf Schwierigkeiten“, sagt Binder und setzt in dieser Situation ausgerechnet auf einen, der sonst als Untergang der Händler verschrien ist. Über den Amazon Marketplace verkauft er für Danto derzeit nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien, Frankreich und Spanien. Binder: „Mit Amazon ist es einfach, in einen neuen Markt zu gehen – die übernehmen den Kundenservice und die Logistik für uns.“

Während auch andere Online-Marktplatz-Giganten wie Ebay damit werben, den Händlern beim Aufbau eines globalen Geschäfts zu helfen, führt an Amazon derzeit anscheinend kein Weg vorbei. Die Marktplatz-Plattformen des Handelsgiganten sorgen dafür, dass die Produkte auf den jeweiligen Landesseiten gelistet werden.

Nicht nur, dass das Portal dann gut über die Google-Suche zu finden ist: Fast ein Drittel aller Produktsuchen im Netz beginnt mittlerweile direkt auf den Amazon-Seiten. Einige Händler berichten von gewaltigen Umsatzsprüngen: der bisherige Absatz mal zwei, drei oder vier.

Wer will, lässt – gegen Gebühr – seine ganze Logistik von dem Konzern übernehmen. „Fulfillment by Amazon“, heißt das im Konzernsprech. Der Händler schickt seine Waren einmal an das Amazon-Logistikzentrum. Dort wird sie so gelagert, bearbeitet und versendet.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%