Amazon: Online-Händler verklagt 1000 falsche Rezensenten

Amazon: Online-Händler verklagt 1000 falsche Rezensenten

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Amazon geht in den USA gegen gefälschte Rezensionen vor.

Sie sollen gegen Bezahlung falsche Produktbewertungen abgegeben und so den Ruf des Online-Händlers Amazon beschmutzt haben: In den USA geht Amazon gegen mehr als 1000 Rezensenten vor.

Der Onlinehändler Amazon hat in den USA Klage gegen mehr als 1000 unbekannte Nutzer erhoben, die gefälschte Produktbewertungen abgegeben haben sollen. Das berichtet der "Guardian". Insgesamt sollen 1114 Beschuldigte auf der Plattform Fiverr.com für rund fünf Dollar angeboten haben, gefälschte Bewertungen zu schreiben. In der Klage betont Amazon, dass der Ruf des Online-Händlers durch "falsche, irreführende und nicht authentische" Bewertungen befleckt würde.

So habe es beispielsweise zahlreiche irreführende fünf-Sterne-Bewertungen gegeben. Zu einem USB-Kabel soll ein Rezensent geschrieben haben: "Das Produkt hat mein Leben erleuchtet". Ein anderer Nutzer soll geschrieben haben: "Ich kaufe auf jeden Fall noch mehr... Ich war beeindruckt, wie hell die Lichter des Kabels sind".

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Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

  • Wie fing Amazon an?

    Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

  • Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

    Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. Im vergangenen Jahr machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im ersten Quartal blieben unterm Strich 108 Millionen Dollar (78 Millionen Euro) – bei einem Handelsumsatz von 19,7 Milliarden Dollar.

  • Wie relevant ist der deutsche Markt?

    Es ist der größte Auslandsmarkt. Im vergangenen Jahr setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

  • Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

    Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

  • Wie ist der Konzern aufgestellt?

    In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 7700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten zum Jahreswechsel 88.400 Festangestellte im Unternehmen.

  • Schadet der Shitstorm?

    Amazon selbst äußerte sich auf Nachfrage bisher nicht dazu, ob seit der Ausstrahlung der ARD-Doku weniger bestellt wurde. Doch ein Vergleich legt nahe: Zu große Sorgen muss sich Amazon wohl nicht machen. Auch über den deutschen Rivalen Zalando tobte bereits ein - wenn auch kleinerer - Sturm der Aufregung nach Berichten über schlechte Arbeitsbedingungen. Am rasanten Umsatzwachstum änderte das nichts. Von 2011 auf 2012 verdoppelte Zalando seine Erlöse von 510 Millionen auf 1,15 Milliarden Euro.

  • Folgen des Leiharbeiterskandals

    Das ist schwer abzuschätzen. Die Empörung hat auch die Politik erreicht und es ist Wahlkampf. Die Vorwürfe wegen der schlechten Behandlung von Leih- und Zeitarbeitern richten sich aber primär gegen die Leiharbeitsfirmen. Denen droht das Bundesarbeitsministerium inzwischen mit einer Sonderprüfung. Die Firmen selbst äußern sich nicht. Die Bezahlung bei Amazon entspricht aber wohl den gültigen Standards. Mit einem Bruttostundenlohn von mindestens 9,30 Euro zahlt Amazon mehr als den gesetzlichen Mindestlohn für Zeitarbeiter, der derzeit im Westen bei 8,19 Euro und im Osten bei 7,50 Euro liegt.

  • Wo Amazon noch Ärger hat

    In Großbritannien gab es im vergangenen Jahr eine Debatte darüber, wie sich Amazon und andere US-Konzerne mit legalen Tricks vor dem Steuerzahlen drückten. Ein Amazon-Vertreter musste vor einem Ausschuss des Parlaments erscheinen und wurde dort von den Parlamentariern vor laufenden Kameras in die Mangel genommen. In den USA hatten sich Mitarbeiter darüber beschwert, dass sie im heißen Sommer in unklimatisierten Lagerhallen schuften mussten. Nach US-Medienberichten erlitten mehrere Beschäftigte Schwächeanfälle. Amazon reagierte und rüstete Klimaanlagen nach.

Weil die echten Namen der Rezensenten nicht bekannt seien, würden sie unter dem Namen "John Doe", der englischen Version von Max Mustermann, Nummer eins bis 1114 geführt. Um nicht geschnappt zu werden, sollen die Rezensenten verschiedene Accounts und IP-Adressen genutzt haben. In einer großangelegten Kampagne gegen gefälschte Bewertungen hatte Amazon eigenen Angaben zufolge Kontakt zu Fiverr-Nutzern aufgenommen, um den Fake-Rezensenten auf die Schliche zu kommen.

Einzelne Händler und Hersteller sollen die Dienste der falschen Rezensenten in Anspruch genommen haben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Da es in den Geschäftsbedingungen der Plattform Fiverr verboten sei, falsche Produktbewertungen anzubieten, will Amazon nur die falschen Rezensenten verklagen, nicht aber die Website selbst.

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