Amazon: Satte Profite statt herber Verluste

Amazon: Satte Profite statt herber Verluste

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Amazon meldet Rekordgewinne. Doch zu den Details schweigt der Konzern.

von Matthias Hohensee

Beim Internet-Händler Amazon laufen die Geschäfte prächtig. Auch wenn sich der Konzern bei Details in Schweigen hüllt.

Amazon steigert den Umsatz und verliert eine Menge Geld dabei. Früher war das Faustregel bei den Quartalszahlen des Internet-Händlers aus Seattle. Die Zeiten sind vorbei. Amazon legt beim Umsatz zwar weiter rasant zu – im jüngsten Quartal beachtliche 31 Prozent auf 30,4 Milliarden Dollar. Doch statt roter Zahlen schreibt der Konzern seit nunmehr fünf Quartalen in Folge Profite. Von April bis Juni sogar mit einem neuen Rekord von 857 Millionen Dollar, zum Vergleichsquartal des Vorjahres fast eine Verzehnfachung des Gewinns.

Im nachbörslichen Handel legte die Aktie am Donnerstagabend leicht um drei Prozent zu. Allerdings steht sie damit fast auf historischem Höchststand. Nach einem Tief im Februar von 451 Dollar stand sie beim Börsenschluss am Donnerstag bei 752 Dollar. Der Börsenwert liegt nun bei 355 Milliarden Dollar, fast genau das Zehnfache des ehemals gefährlichsten Wettbewerbers Ebay.

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Wichtigste Profitquelle ist Amazons Web Services (AWS), das Cloud Computing Geschäft des Konzerns. Anfang des Jahres kündigte Amazon Chef Jeff Bezos an, noch in diesem Jahr beim Vermieten von Rechenkapazität die 10 Milliarden Dollar Schwelle zu knacken.

Das sind Amazons nächste Projekte

  • Einkaufsliste per Knopfdruck

    Unter Amazon Dash versteht der Internetkonzern eine Art Einkaufsliste auf Knopfdruck. Die kleinen Aufkleber mit Taste können die Kunden einfach im Haus an das Waschmittel oder an das Hundefutter kleben - und wenn die Packung leer ist, per Knopfdruck schnell bei Amazon eine neue bestellen. Bisher ist der Service nur für Kunden des Premiumdienstes Amazon Prime in den USA und in Großbritannien erhältlich - für 4,99 US-Dollar je Button.

  • Marktplatz für Selbstgemachtes

    Mit "Amazon Handmade" macht der Online-Händler Anbietern wie Etsy oder DaWanda Konkurrenz. Auf dem Marktplatz will Amazon Künstler und Bastler versammeln, die individualisierbare Produkte verkaufen: Selbstgeschneiderte Kleider und Taschen, Schmuck, Armbänder, Möbel. Die Plattform befindet sich in den USA noch im Aufbau. Wer dort verkaufen will, kann sich jetzt schon bewerben. Allerdings kostet ein professioneller Verkäufer-Account knapp 40 Dollar im Monat, und Amazon will bei jeder Bestellung zwölf Prozent Provision einstreichen. Bei anderen Plattformen sind diese Konditionen weitaus günstiger für die Verkäufer - allerdings erreichen sie dort wahrscheinlich nicht so viele Kunden. Ob und wann Amazon Handmade auch nach Deutschland kommen soll, ist nicht bekannt.

  • Plattform für Handwerker

    Über seine Plattform "Amazon Home Service" vernetzt der Online-Händler in den USA Techniker, Handwerker und Trainer mit seinen Kunden in den Großstädten. Wer bei Amazon einen neuen Fernseher kauft, kann also gleich einen Techniker beauftragen, der den Fernseher anschließt und einrichtet. Auch Yoga-Stunden und Gitarren-Lehrer lassen sich über die Plattform buchen. Bis zum Jahresende will Amazons einen Service in 30 amerikanischen Großstädten anbieten.

  • Ein Lkw voller Schätze

    In der Amazon-Heimatstadt Seattle fährt seit diesem Sommer der "Treasure Truck" - ein Lkw, vollgeladen mit Sonderangeboten. Kunden können die Waren auf dem Truck per App bestellen und direkt liefern lassen - zum Beispiel ein Surfboard für den Preis von 99 Dollar anstatt den üblichen 499 Dollar.

  • Musik-Streaming

    Prime Music ist der Musik-Streamingdienst von Amazon, eine Konkurrenz zu Spotify oder Apple. Wer Mitglied beim Amazon Premiumdienst Prime ist, kann den Service in den USA und auch in Großbritannien ohne Zusatzkosten nutzen. Allerdings verfügt Amazon bisher nur über eine Bibliothek von etwa einer Millionen Songs.

  • Eigene Serien, Filme und Video-Spiele

    Amazon begnügt sich schon lange nicht mehr, Medien zu verkaufen - der Online-Händler produziert sie mittlerweile auch selbst. Über seinen Streamingdienst zum Beispiel hat Amazon die ersten Folgen der Serie "The Man in the High Castle" veröffentlicht. Darin geht es um die Frage: Wie würde die Welt aussehen, wenn die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Auch einen eigenen Kinofilm mit dem Titel "Elvis & Nixon" produziert Amazon. Was danach kommt? Wahrscheinlich ein eigenes Videospiel. Laut Medienberichten hat Amazon Entwickler von bekannten Spielen wie World of Warcraft oder Halo verpflichtet.


Er ist auf gutem Weg dahin. Im jüngsten Quartal erreichte das Segment knapp 2,9 Milliarden Dollar, im ersten Halbjahr summieren sich die Umsätze damit auf 5,5 Milliarden Dollar. Amazon profitiert dabei davon, dass der Online-Softwarekonzern Salesforce bei seiner Expansion nun nicht mehr nur auf die eigenen und die der Deutschen Telekom setzt, sondern auch auf die Datenzentren des Internet-Giganten. Auch die Nutzung von SAPs Software treibt laut Amazon das Wachstum seiner Datenwolke, mit Kunden wie GE Gas & Oil, Kellogg’s und Brooks Brothers. Zwar macht AWS nur acht Prozent der Amazon Umsätze aus – und zu den Margen schweigt Finanzchef Brian Olsavsky eisern – doch die Gewinne sollen dort trotz Expansion der Datenzentren und stetigen Preissenkungen beträchtlich sein. Das operative Ergebnis im vergangenen Quartal legte im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres von 305 Millionen Dollar auf 718 Millionen Dollar zu.

Ähnlich wie im Stammgeschäft Internet-Handel, wo sich das operative Ergebnis ebenfalls auf 702 Millionen Dollar mehr als verdoppelte. Die roten Zahlen werden allerdings nur in Nordamerika geschrieben, im internationalen Geschäft fallen weiterhin Verluste an.

Starke Expansion in Indien

Das hängt vor allem mit der Expansion in Indien zusammen, die Bezos momentan stark vorantreibt. In über 100 Städten Indiens ist nun der Abo-Lieferservice Prime verfügbar. Laut Amazon ist sein Angebot mittlerweile die meist besuchte E-Commerce Webseite Indiens.

Fleißig investiert wird auch in Prime Now, den Lieferservice der bestimmte Waren innerhalb von einer bis zwei Stunden ausfährt. Ihn gibt es mittlerweile in 40 Regionen weltweit, seit kurzem auch in Berlin.
Der Lautsprecher Echo, der über den virtuellen Assistenten Alexa Sprachbefehle umsetzen und so auf Zuruf Musik abspielen oder Waren ordern kann, ist weiterhin stark begehrt. Auch weil immer mehr externe Anbieter ihn mit neuen Eigenschaften ausstatten so wie Honeywell beim Steuern seiner Thermostate oder die Flugsuchmaschine Kayak beim Fahnden nach günstigen Flügen. 1900 solcher externen Funktionen für Alexa gibt es laut Amazon derzeit.

Amazon Locker Was sich Amazon von den Paketboxen erhofft

Amazon testet in Deutschland eigene Packstationen. Die Paketdienste sind in Sorge – allen voran DHL. Denn ein eigenes Schließfachsystem gilt als nächster Schritt für Amazon zum eigenständigen Paketdienst.

Ein Amazon Locker in Birmingham. Quelle: Pressebild, Montage


Doch wie schon beim Kindle lehnte es Olsavsky bei Nachfragen von Analysten ab, sich zu Stückzahlen zu äußern.

Zumindest zwei Konstanten sind bei der Vorlage der Quartalsergebnisse geblieben. Einmal die Verschwiegenheit, die der von Apple ähnelt – der Konzern präsentiert nur die Details, die ihm genehm sind. Mehrmals lehnte es der Finanzchef ab, die aktuelle Kundenzahl zu beziffern. Ende vergangenen Jahres waren es 300 Millionen aktiven Kundenkonten weltweit, dabei bleibt es vorerst. Keine Einblicke gab es außerdem in die Summe, die Amazon in das Produzieren von eigenen TV-Shows und sogar Spielfilmen steckt.

Und wie gewohnt fehlte Konzernchef Jeff Bezos bei der Vorlage der Zahlen. Dafür ist dem ehemaligen Finanzanalysten, im Gegensatz etwa zu den Lenkern von Apple und Google, offenbar seine Zeit zu schade. Manche Traditionen halten sich eben doch.

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