Amazon-Streikankündigung: "Für die Gewerkschaften geht der Schuss nach hinten los"

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Amazon-Streikankündigung: "Für die Gewerkschaften geht der Schuss nach hinten los"

Die Gewerkschaft Verdi will Amazon da treffen, wo es richtig weh tut. In der Weihnachtszeit sollen die Bänder still stehen. Warum das nicht funktionieren wird, erklärt Handelsexperte Gerrit Heinemann.

Im Tarifstreit beim Versandhändler Amazon droht Verdi mit Streiks im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft. „Ich würde mich an Amazons Stelle nicht darauf verlassen, vor Weihnachten alle Kundenversprechen einhalten zu können“, zitierte der „Spiegel“ Verdi-Sekretär Heiner Reimann. Man wolle dann zum Ausstand aufrufen, wenn es Amazon besonders wehtue. Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein und Experte für Online-Handel, ist von dieser Strategie nicht überzeugt. "Amazon wird vom Geschäftsprinzip her nicht einknicken und nicht auf die Forderung der Gewerkschaft eingehen", sagte er gegenüber WirtschaftsWoche Online.

Entsprechenden hat das Unternehmen auch noch nicht auf die Drohungen reagiert. "Der deutsche Markt ist relativ groß, das macht 14 Prozent aus. Aber das sind aber immer noch 86 Prozent in anderen Märkten. Amazon ist von Deutschland nicht abhängig", so der Experte.

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Professor Gerrit Heinemann lehrt Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein und ist Schwerpunktleiter Trade and Retail im englischsprachigen Masterstudiengang. Seine Schwerpunktthemen sind Managementlehre und Handel. Quelle: PR

Professor Gerrit Heinemann lehrt Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein und ist Schwerpunktleiter Trade and Retail im englischsprachigen Masterstudiengang. Seine Schwerpunktthemen sind Managementlehre und Handel.

Bild: PR

Das heiße aber für die Kunden nicht, dass sie ihre Weihnachtspäckchen erst im Februar bekommen: "Für das Weihnachtsgeschäft wird Amazon wahrscheinlich verstärkt auf Leiharbeit zurückgreifen", sagt Heinemann. Das Weihnachtsgeschäft ist ein Höhepunkt für Amazon. Jedes Jahr werden dafür weltweit zehntausende zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. In den USA sollen es in diesem Jahr 70.000 sein, in Deutschland rund 14.000. Je mehr Mitarbeiter streiken, desto mehr Leiharbeiter werden sich um den Versand kümmern. Für Heinemann ist dies ein Faktor, über den sich die Gewerkschaften im Klaren sein sollten. "Wenn statt der Mitarbeiter Leiharbeiter die Arbeit machen, geht für die Gewerkschaften der Schuss nach hinten los."

Amazon hat immer einen Plan B

Verdi will die Aufnahme von Tarifverhandlungen und die Bezahlung der Mitarbeiter zu den Konditionen des Einzel- und Versandhandels durchsetzen. Amazon lehnt das ab. Der US-Versandriese orientiert sich nach eigenen Angaben an der Logistikbranche. Die Verdienste bei Amazon lägen am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei. Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben für Kunden und Mitarbeiter keinen Vorteil in einem Tarifabschluss. Und auch Heinemann gibt zu bedenken, dass es im Fall Amazon nicht um untertarifliche Bezahlung geht, sondern um das Geschäftsmodell. Amazon werde es zum Verhängnis, dass es die Logistik nicht outgesourced habe und Outsourcing auch keine Option sei. "Auf Amazons Rücken wird derzeit auch etwas ausgetragen, was ein generelles Branchenproblem ist", sagt er.

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Jetzt hat der Online-Händler mitten in diesem festgefahrenen Streit drei große neue Logistikzentren in Polen angekündigt. "Die Logistikzentren in Polen werden kommen, weil Amazon bisher eigentlich immer einen Plan B oder C hat. Dieser könnte auch die Installation von Robotern vorsehen, was ja durch die Übernahme von Kiva Systems offensichtlich auch vorbereitet werden dürfte", ist Heinemann sicher.

Die neuen Standorte sollen binnen drei Jahren jeweils rund 2000 Arbeiter sowie in Stoßzeiten jeweils 3000 saisonale Beschäftigte haben. Zwei Standorte sollen bis August 2014 öffnen, der dritte Mitte 2015. Das Unternehmen betont, dass es nicht um eine Verlagerung von Logistik-Standorten aus Deutschland gehe. Ziel sei der Ausbau des gesamten europäischen Geschäfts, betonte der für Europa zuständige Amazon-Manager Tim Collins. Trotzdem werden auch die Werke in Polen Amazon helfen, wenn es dauerhaft zum Streit mit der Gewerkschaft kommt. Der Sieger dieser Auseinandersetzung steht für Heinemann aber schon jetzt fest: "Amazon hat einen sehr langen Atem."

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