Amazon: Wen Jeff Bezos nun angreift

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Amazon: Wen Jeff Bezos nun angreift

, aktualisiert 16. Juli 2017, 17:12 Uhr
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Amazon-Boss Jeff Bezos.

von Jacqueline Goebel

Jeff Bezos hat mit Amazon einst den Buchhandel verändert, jetzt nimmt er sich Supermärkte vor. Und das ist nicht das Ende seines Eroberungsfeldzug. Warum selbst Apotheker und Autohändler Angst vor Amazon haben.

Der Moment, in dem Apotheker Michael Grintz die Vorzüge von Amazon einmal wieder bewusst werden, ist der, als die Lampe kaputt geht. Es ist Silvester, seine ganze Familie hat sich zum gemeinsamen Fondue versammelt. Der Käse ist schon zu einer zähfließenden Masse verschmolzen. Doch ohne die Lampe über dem Tisch ist der Raum nun so dunkel, dass Fleisch und Brot nicht mehr wirklich gut zu erkennen sind. Es ist kurz vor acht Uhr, da haben auch in München die meisten Supermärkte geschlossen. „Woher bekomme ich jetzt eine neue Glühbirne?“, fragt sich Grintz.

Keine Stunde später klingelt es an der Tür, die Glühbirne ist da. Gebracht hat sie ein Bote von Amazon Prime Now. So heißt der Dienst, mit dem Amazon in Deutschland in München und in Berlin von Wasserflaschen über Alkohol, von neuen Glühbirnen über Fertigpizza ein breites Sortiment innerhalb einer Stunde liefert. 6,99 Euro kostet die Blitzlieferung, oder aber der Kunde sucht sich die Zustellung in einem Zeitfenster von zwei Stunden aus.

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Willkommen in der neuen Gegenwart des Einkaufens. Schon als Grintz die Gerüchte über Prime Now hörte, wusste er: Da will ich auch mit meiner Apotheke dabei sein.

PremiumTechgigant im Angriffsmodus Macht Amazon den deutschen Handel platt?

Amazon bläst mit einer Doppelstrategie zum Angriff auf den Handel in Deutschland. Chef Jeff Bezos prescht ins stationäre Geschäft vor und baut seine Marktmacht im Netz aus. Die Konkurrenz staunt – und wehrt sich.

Alarm im Einzelhandel: Die Offensive des Internetgiganten Amazon stellt deutsche Händler vor die Existenzfrage. Quelle: Illustration: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Amazon will den Kunden zur obersten Priorität machen, all seine Wünsche erfüllen, noch bevor er sie gedacht hat. "Obsessiver Fokus auf den Kunden", nennt Amazon-Gründer Jeff Bezos diese Strategie. Spricht man mit Michael Grintz, bekommt man das Gefühl, dass Amazon dieser Anspruch oft gelingt. Es scheint auf jeden Fall einer der Gründe zu sein, warum der Konzern so gewachsen ist. 136 Milliarden Dollar Umsatz machte Amazon im vergangenen Jahr, fast dreißig Prozent mehr als im Vorjahr. Alleine in Deutschland sollen es 15 Milliarden Dollar sein, schätzen Experten. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Die wichtigsten Käufe von Amazon

  • Buntes Potpourri

    Auf den ersten Blick gibt es keinen Zusammenhang zwischen einer Shoppingplattform aus Dubai und dem Hersteller von Robotern. Doch alle gehören zu Amazons Reich, das wegen der verschiedenen Art seiner Unternehmungen kaum zu greifen ist. Die wichtigsten Beispiele für Verkäufe in der Vergangenheit.

  • Goodreads

    Preis: 0,15 Milliarden Dollar

    Branche: Buchbesprechungen

    Jahr: 2013

    Quelle: eigene Recherche

  • Alexa

    Preis: 0,25 Milliarden Dollar

    Branche: Suche, künstliche Intelligenz

    Jahr: 1999

  • Audible

    Preis: 0,30 Milliarden Dollar

    Branche: Hörbücher

    Jahr: 2008

  • Annapurna Labs

    Preis: 0,37 Milliarden Dollar

    Branche: Halbleiter, Chipdesign

    Jahr: 2015

  • Elemental Tech

    Preis: 0,50 Milliarden Dollar

    Branche: Cloud Computing

    Jahr: 2015

  • Quidsi

    Preis: 0,55 Milliarden Dollar

    Branche: Windeln, Seife

    Jahr: 2010

  • Souq.com

    Preis: 0,65 Milliarden Dollar

    Branche: Das Amazon des Mittleren Ostens

    Jahr: 2017

  • Kiva

    Preis: 0,78 Milliarden Dollar

    Branche: Robotik

    Jahr: 2012

  • Twitch

    Preis: 0,97 Milliarden Dollar

    Branche: Onlinevideospiele

    Jahr: 2014

  • Zappos

    Preis: 1,20 Milliarden Dollar

    Branche: Schuhe

    Jahr: 2009

  • Whole Foods

    Preis: 13,70 Milliarden Dollar

    Branche: Lebensmittel

    Jahr: 2017

Das Reich wächst, immer wieder, immer weiter. Für Jeff Bezos ist keine Idee zu groß gedacht. Erst vor wenigen Wochen startete Amazon hierzulande mit seinem Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh. In den USA haben Bezos und seine Mannschaft gerade die Bio-Supermarktkette Whole Foods aufgekauft, für den Rekordpreis von 13,7 Milliarden Dollar. Die Filialen von Whole Foods könnten die Basis sein für viele weitere Amazon-Projekte. Allein der Gedanke daran treibt den Einzelhändlern in den USA und dem Rest der Welt bereits Schweißperlen in die Gesichter.

Oft genug hat Amazon mit seinen Angriffen eine Branche innerhalb von wenigen Monaten verändert. Und es stehen noch mehr Angriffe bevor: auf Apotheker, auf den Autohandel, auf die Logistik. Amazon will zum Konzern werden, der wirklich alles liefern kann. Und das möglichst schnell. Doch es gibt nur wenige Unternehmen, die davon profitieren. Aber viele, deren Geschäft darunter leidet.

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