Anton Schlecker: Wie der Drogeriekönig Deutschland eroberte

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Anton Schlecker: Wie der Drogeriekönig Deutschland eroberte

, aktualisiert 13. März 2017, 10:35 Uhr
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Schleckerfiliale 1994, Anton Schlecker 1988 und 2017

von Stephan Happel

Anton Schlecker schuf ein Imperium - und führte es in den Abgrund. Er zog selbst dann die Reißleine nicht, als ihm alle dazu rieten. Wer seinen Starrsinn verstehen will, muss den Aufstieg der Drogeriemärkte verstehen.

„Schlecker eröffnet Drogerie-Discount“, notiert der Teckbote im Frühjahr 1975 und lädt gleich zur Eröffnungsfeier nach Kirchheim unter Teck ein. Der berichtende Lokaljournalist wird nicht geahnt haben, dass er die Geburt eines Imperiums beschreibt. Ein Drogerie-Reich, das auf seinem Zenit weite Teile Europas umfasst. Ein Reich, das wie viele andere vor ihm, am eigenen Übermaß zu Grunde gehen sollte.

42 Jahre später steht der einstige Imperator samt Familie am Montag vor Gericht. Anton Schlecker ist unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Bankrott angeklagt. Ihm droht im schlimmsten Fall jahrelange Haft. Doch seine Haltung ist klar: Er weist den Vorwurf von sich, die drohende Milliardenpleite erwartet und vorher Geld beiseitegeschafft zu haben. Die Insolvenz sei für seinen Mandanten „schlicht unvorstellbar“ gewesen, erklärte Schleckers Anwalt schon zu Prozessbeginn. „Für mich gab es kein unternehmerisches Scheitern. Ich war sehr erfolgsverwöhnt“, sagte Schlecker am Montag selbst vor Gericht. Er sei bis zuletzt davon überzeugt gewesen, das Unternehmen fortführen zu können.

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Doch fest steht: Anton Schlecker selbst hat es in den Niedergang geführt. Er hat die Gefahr zu spät kommen sehen, obwohl andere ihn warnten. Wer diesen Starrsinn verstehen will, muss sich anschauen, wie das Schleckerreich seit der Mitte der 70er-Jahre wuchs.

 

Schlecker bricht sein Schweigen "Ich war sehr erfolgsverwöhnt"

Erstmals im Schlecker-Prozess äußert sich der Hauptangeklagte Anton Schlecker zu den Vorwürfen der Anklage – und weist sie zurück. Schlecker sei bis zuletzt davon überzeugt gewesen, das Unternehmen fortführen zu können.

Der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker. Quelle: dpa

Schlecker, Sohn aus wohlhabendem Haus, hatte den Beruf seines Vaters ergriffen: Gerade 21 Jahre alt, wurde er 1965 der jüngste Metzgermeister Baden-Württembergs und heuerte im familieneigenen Unternehmen an. Gemeinsam erweiterten Vater und Sohn den Betrieb um mehrere Filialen im Umland und etablierten ein Selbstbedienungskonzept. Eine Schlüsselerfahrung, die Schlecker später nutzen sollte.

Mit Plock-, Jagd- und Leberwurst, lernt der junge Anton, ließ sich gutes Geld verdienen. Mit Shampoo, Seife und Kondomen, sagt sich der erwachsene Schlecker später, ist der große Reibach zu machen. Er ist nicht der Erste mit dieser Idee.

Bereits am 1972 hatte Dirk Roßmann in Hannover den ersten Selbstbedienungsdrogeriemarkt Deutschlands eröffnet. Ein Jahr später später zog Götz Werner in Karlsruhe mit der ersten Filiale von "dm - drogeriemarkt" nach. Auslöser für den Gründerboom: 1974 fällt die Preisbindung im Drogeriegeschäft.

Die Schlecker-Insolvenz in Zahlen

  • 25.000 ...

    ... Menschen kostete die Schlecker-Pleite den Job

  • 50.000 ...

    ... Mitarbeiter hatte Schlecker zu Bestzeiten

  • 9000 ...

    ... Schlecker-Märkte gab es vor der Insolvenz im In- und Ausland

  • 73.000 ...

    ... Euro zahlte ein Hilfsfonds an Ex-Mitarbeiter

  • 1 ...

    ... Milliarde Euro forderten Gläubiger nach der Pleite

  • 10,1 ...

    ... Millionen Euro zahlte Anton Schleckers Familie an die Insolvenzverwaltung

In den Wirtschaftswunderjahren hatten die Hersteller festgelegt, für welchen Preis ihre Pulver und Salben in die Regale kommen. Das war praktisch für die Produzenten und auskömmlich für die Verkäufer - sie mussten sich keinem Preiskampf stellen. Die alteingesessenen Drogisten wurden in dieser Situation erst zufrieden, dann bequem, dann träge.

Nun mischen die jungen Wilden nach Aldi-Art das Geschäft auf. Statt auf persönliche Beratung zu setzen, lassen sie die Kunden selbst durch die Gänge stromern. Während die Fläche ihrer Filialen wächst, schrumpft das Sortiment. Aus tausenden Artikeln werden wenige hundert.

 

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