Auktionen für Anfänger: Richtig gute Kunst für wenig Geld

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Auktionen für Anfänger: Richtig gute Kunst für wenig Geld

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Auktion bei Grisebach in Berlin

von Dieter Schnaas

Auktionshäuser entdecken den Markt der kleinen Budgets. Für Sammler mit gutem Blick lockt da bisweilen hohe Kunst zum tiefen Preis.

Die Kreuzigungsszene von Hermann Bachmann zum Beispiel, eine frühe Arbeit von 1947/48, Öl auf Karton, 21 mal 15 Zentimeter. Zum Aufruf kommt das Bild bei 400 Euro, ein Schnäppchen im spätexpressionistischen Karl-Hofer-Stil. Klar, es geht schnell rauf mit dem Preis, 550, 600 Euro, wie erwartet, aber das kleine Bild passt perfekt in die Dielennische links vor der Tür zum Gästebad. 750, 800, wie ärgerlich, das war die selbst gesteckte Grenze, sei’s drum, es muss sein: 850 Euro, aber jetzt 900 im Internet, verdammt, also gut, 950 Euro, letztes Gebot, 1000 Euro im Saal – jetzt reicht’s. Aber reicht es wirklich? Wenn man sich noch eine Woche später drüber ärgert, hat es nicht gereicht.

Bietergefechte und Rekordpreise, man verbindet das mit den beiden Topadressen im Kunstauktionsmarkt, mit Sotheby’s und Christie’s, mit Künstlernamen wie Picasso, Modigliani, Richter und Basquiat – mit achtstelligen Summen, die asiatische Milliardäre auf den Tisch blättern, um bemalte Leinwände mit Wertzuwachspotenzial in Schweizer Zollfreilagern zu deponieren. Dabei gibt der Auktionsmarkt auch in der zweiten und dritten Reihe alles her, was das Sammlerherz buchstäblich höher schlagen lässt: klasse Kunst und künstlich aufgepeitschte Preise, sträflich unterschätzte Geheimtipps und kultisch verehrte Klassiker, ständig wechselnde Geschmacksmoden sowie jede Menge Zuschlagsthrill und Spekulationshype.

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Die vier wichtigsten Kunstversteigerer in Deutschland, Grisebach, Ketterer, Lempertz und Van Ham, die vor allem Moderne und Nachkriegskunst für Preise zwischen 5000 und 200.000 Euro umschlagen, entwickeln daher ständig neue Formate für jüngere Kunden und kleinere Budgets, für den Verkauf von Editionen und Druckgrafiken, für die Bleistiftskizze eines großen Namens und das Großformat eines Nobodys.

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Der Anfang einer großen Sammlung

Grisebach in Berlin etwa widmet dem „Third Floor“ – mehr als 600 Lose, deren Schätzpreis 3000 Euro nicht übersteigt – zweimal im Jahr einen eigenen Katalog und Auktionstag: viel Arbeit, wenn man bedenkt, dass das Haus mit dem Verkauf eines einzigen Gemäldes von Max Beckmann mehr Umsatz einspielt als mit allen „Third Floor“-Losen zusammen. Zumal auch Provenienzrecherche und Echtheitspüfung im Zweifel aufwendiger sind: Zur Begutachtung eines Gemäldes von Emil Nolde kann man Fachleute, Kataloge und Werkverzeichnisse heranziehen – für eine leicht beschädigte Mischtechnik von Norbert Schwontkowski nicht. Wozu also die ganze Mühe? „Weil das richtig gute Kunst ist“, sagt Geschäftsführerin Micaela Kapitzky, „Kunst, die wir wertschätzen und an die wir unsere Kunden heranführen wollen.“ Der Erwerb eines Blattes für 500 Euro stehe nicht selten am Anfang einer großen Sammlung, so Kapitzky.

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Die Kollegen von Van Ham in Köln haben ihre Discountsparte „Discoveries“ genannt, „aus doppelt gutem Grund“, sagt Geschäftsführer Markus Eisenbeis: „Einerseits wollen wir neuen Kunden den Einstieg erleichtern und dafür sorgen, dass jede Wohnung mit Kunst ausgestattet werden kann, andererseits wollen wir künstlerische Neupositionen aufbauen und entwickeln.“ Eisenbeis schließt nicht aus, dass das bisherige Schätzpreislimit von 5000 Euro im Einzelfall nicht mehr zu halten sein wird. Anders als Grisebach hat er die Klassische Moderne zugunsten der Nachkriegskunst konsequent abgebaut, weil Gouachen und Objekte von Günther Förg und Imi Knöbel Fantasiepreise versprechen, während Lithografien und Holzschnitte von Lovis Corinth oder Otto Dix zunehmend weniger Preisfantasie ausstrahlen.

Die Kölner Kollegen von Lempertz sind Ende März mit ihren „projects“ noch einen Schritt weiter gegangen: zeitgenössische, zuweilen „namenlose“ Kunst für Spekulationswillige, taxiert auf ein paar Hundert Euro, die teilweise unverkauft blieb und teilweise das 15-Fache des Schätzwerts einspielte. Ketterer aus München wiederum sorgt, wie Van Ham, seit einigen Monaten mit Onlineauktionen für Furore: 40, 50 Lose, vorwiegend Nachkriegskunst, stehen vier Wochen lang so gut wie unberührt im Netzschaufenster, ehe in der letzten Stunde ein nervenzerfetzendes Wettklicken um einen Prägedruck von Günther Uecker oder ein Farboffset von Blinky Palermo einsetzt.

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