Ausschlussklagen: Suhrkamp-Gesellschafter scheitern vor Gericht

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Ausschlussklagen: Suhrkamp-Gesellschafter scheitern vor Gericht

, aktualisiert 13. November 2013, 11:45 Uhr
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Die Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz und der Suhrkamp-Miteigentümer Hans Barlach bekriegen sich vor Gericht.

Die beiden Suhrkamp-Gesellschafter Unseld-Berkéwicz und Barlach sind mit ihren Klagen zum gegenseitigen Ausschluss aus dem Verlag vor Gericht gescheitert. Die Schlammschlacht wird der Entscheid aber nicht beenden können.

Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz und ihr Kontrahent Hans Barlach sind mit dem Versuch gescheitert, sich gegenseitig als Gesellschafter des Verlags auszuschließen. Das Landgericht Frankfurt wies am Mittwoch zwei entsprechende Klagen zurück. Zwar hätten beide Seiten erhebliche Treuepflichtverletzungen zum Nachteil des Verlags begangen, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Bundesgerichtshof habe für einen solchen Fall jedoch entschieden, dass dann nur die Auflösung der Gesellschaft verbleibe, nicht aber der Ausschluss eines Gesellschafters.

Barlach hatte die Forderung nach einer möglichen Auflösung der Gesellschaft im Laufe des Prozesses zurückgenommen. Der Hamburger Medienunternehmer, der über seine Medienholding 39 Prozent am Verlag hält, ist seit Jahren mit Unseld-Berkéwicz zutiefst zerstritten. Die Verlegerin ist über ihre Familienstiftung mit 61 Prozent Mehrheitsgesellschafterin.

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Der Suhrkamp-Verlag auf einen Blick

  • Peter Suhrkamp

    1950 gründete Peter Suhrkamp den gleichnamigen Verlag. Er hat mit seinen regenbogenfarbigen Bänden jahrzehntelang das intellektuelle Klima in Deutschland geprägt. Große Autoren wie Bertolt Brecht, Hermann Hesse, Martin Walser fanden dort ihre geistige Heimat. Heute gehören Namen wie Durs Grünbein, Sybille Lewitscharoff und Uwe Tellkamp zum Programm.

  • "Verlegen Autoren, nicht Bücher"

    Nach dem Tod des Verlagsgründers übernahm 1959 der frühere Lektor Siegfried Unseld das Haus und führte über Jahrzehnte die vielgerühmte „Suhrkamp-Kultur“ weiter. „Wir verlegen keine Bücher, sondern Autoren“, lautet der Leitsatz. Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz, seit 2003 an der Geschäftsspitze, hält an einem exquisiten Programm fest. Der Verlag zog auf Betreiben der Verlegerin Anfang 2010 von seinem Stammsitz in Frankfurt nach Berlin.

  • Portfolio und Töchter

    Mehr als 10 000 Titel hat das Haus in seinen verschiedenen Reihen herausgebracht. Zur Verlagsgruppe gehören neben dem Flaggschiff Suhrkamp auch der Inselverlag, der Deutsche Klassiker Verlag, der Jüdische Verlag und der von Berkéwicz neu gegründete Verlag der Weltreligionen.

Nach Auffassung des Vorsitzenden Richters Norbert Höhne hatte Unseld-Berkéwicz ihre Treuepflicht unter anderem dadurch verletzt, dass sie in Eigenregie eine Immobilie in Berlin angemietet hatte. In diesem Fall hätten normalerweise die Kommanditisten mitbestimmen müssen, sagte Höhne. Weiter führte er an, Unseld-Berkéwicz habe auf Kosten der Gesellschaft private Anschaffungen getätigt, unter anderem einen etwa 39 000 Euro teuren Konzertflügel.

Dem Miteigentümer Barlach warf das Gericht unter anderem vor, er habe den Kauf einer Immobilie für die neue Suhrkamp-Zentrale in Berlin blockiert und damit die Entwicklung des Verlags verzögert. Zudem habe er sich in einem Zeitungsinterview abschätzig über seine Kontrahentin und deren Führungsstil geäußert.

Dass einer oder beide Gesellschafter aus dem Verlag ausgeschlossen würden, war im Vorfeld bereits als unwahrscheinlich erachtet worden. Denn Voraussetzung für den Ausschluss eines Gesellschafters ist, dass die Zusammenarbeit mit ihm nicht länger zumutbar ist. Selbst wenn dies in der Suhrkamp-Dauerfehde so wäre - die Verlegerin hat inzwischen alles auf den Weg gebracht, dass sich das ändert. Im Mai leitete sie ein Insolvenzverfahren ein, um das traditionsreiche Haus von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Barlach verliert damit weitreichende Mitspracherechte, der Streit würde nicht mehr das Tagesgeschäft tangieren, hofft der Verlag. Der Insolvenzplan ist bereits von der Gläubigerversammlung beschlossen. In wenigen Wochen könnte das Berliner Amtsgericht grünes Licht für die Umwandlung des Verlags geben. Unseld-Berkéwicz und Barlach wären dann nicht mehr Gesellschafter, sondern Aktionäre.

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Das Drama hat mit der Entscheidung von Mittwoch sicher noch kein Ende. Der Streitwert für das Verfahren liegt nach Angaben von Beteiligten bei 12,2 Millionen Euro. Die Verfahrenskosten für jede Partei allein in erster Instanz belaufen sich demnach auf 110.000 Euro. Weitere Instanzen sind möglich.

Die Hoffnung auf eine außergerichtliche Einigung der Kontrahenten hat der Richter inzwischen aufgegeben. Bei einem ersten Termin im Februar hatte er den Beteiligten hierfür noch mehr als ein halbes Jahr Zeit gegeben. Beim letzten Termin Ende September stellte er dann fest: „Es gibt keine Anzeichen, dass die Protagonisten anfangen, Geschmack aneinander zu finden.“

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