Anton Schlecker: Familie Schlecker zieht in den Kampf

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Bankrott-Prozess: Familie Schlecker zieht in den Kampf

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Schlecker-Clan zum Prozessauftakt

von Henryk Hielscher

Zum Auftakt des Strafprozesses gegen Anton Schlecker kristallisiert sich die Strategie der Verteidigung heraus: keine Kapitulation. Der Clan will die Vorwürfe der Anklage im Detail zerpflücken.

Die Decke über Gerichtssaal 18 im Untergeschoss des Stuttgarter Landgerichts hängt tief. "Wie in einer Schleckerfiliale", scherzt einer der zahlreichen Zuhörer, die an diesem Montag um 9 Uhr den Auftakt des wohl spektakulärsten Wirtschaftsstrafprozesses des Jahres miterlebten: Drogeriepleitier Anton Schlecker und seine Familie müssen sich vor Gericht verantworten.

In 36 Fällen soll Schlecker Vermögenswerte zur Seite geschafft zu haben, um sie vor den Gläubigern zu retten. Gleich 13 Mal soll diese Bankrott genannte Straftat in besonders schwerem Fall erfolgt sein. Bei Schleckers Ehefrau Christa und den beiden Kinder Lars und Meike gehen die Ermittler unter anderem von Beihilfe aus.

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Alle Beteiligten kennen die Vorwürfe. Seit fast einem Jahr liegt die Anklageschrift vor. Stoisch nehmen die Angeklagten und ihre Verteidiger denn auch auf, wie die Staatsanwälte vor Gericht die Anklage verlesen, Zahlen und Namen genannt werden. Ihre Blicke schweifen auf das Publikum hinter dem schwarz-gelben Absperrband, zurück auf den Vorsitzenden Richter und die Anwälte in ihren schwarzen Roben, unter denen die weißen Hemdkragen hervor blitzen. Die beiden Staatsanwälte lösen sich bei der Verlesung der Anklage ab. Im Publikum bannt ein Gerichtszeichner das Porträt des Hauptangeklagten mit Pinsel und Tusche auf Papier: Es zeigt Anton Schlecker, blass und schmal, mit schlohweißem Haar, im dunklen Nadelstreif und schwarzem Pulli darunter.

Anton Schlecker Showdown in Saal 18

Ganz in Schwarz erscheint der Drogisten-Clan vor Gericht: Drogeriepleitier Anton Schlecker und seine Familie sitzen ab heute im Wirtschaftsstrafprozess des Jahres auf der Anklagebank. Wer spielt in dem Fall welche Rolle?

Der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker (l) kommt am 06.03.2017 zu Beginn des Prozesses ins Landgericht in Stuttgart (Baden-Württemberg). Die Familie Schlecker steht wegen des Vorwurfs des vorsätzlichen Bankrotts der Drogeriemarktkette Schlecker und möglicher Beihilfe vor Gericht. Foto: Marijan Murat/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Die Pleite vor fünf Jahren, vielleicht auch die Vorwürfe und Anfeindungen der letzten Monate, haben Spuren hinterlassen. Wie ein 72-jähriger Rentner und Privatpleitier wirkt er dennoch nicht. Seine Züge sind hart, die Hände liegen oft verschränkt auf dem Tisch vor ihm. Als der Staatsanwalt in seinem grauen Ordner eine Seite umschlägt und Tatvorwurf 41 vorträgt, nimmt sich der Zeichner das nächste Bild vor: ein Angeklagten-Panorama.

"Die Anklagevorwürfe sind unzutreffend"

Hinten an der Wand sitzt derweil Meike Schlecker und raunt ihrem Verteidiger etwas zu, während der Staatsanwalt Seite um Seite der Anklage herunter spult. Nach einer guten Stunde ist die Lesung vorbei und der Richter übernimmt. "Den Angeklagten steht es frei, sich zu äußern", sagt er. Mit einem Mal wird klar, dass der Prozess dauern wird, dass die Angeklagten nicht zur Kapitulation bereit sind, sondern mit ihren Anklägern um jedes Detail ringen werden. Die Strategie der Verteidigung, die im Vorfeld zurückhaltend agierte, kristallisiert sich heraus.

Stationen der Schlecker-Insolvenz

  • 23. Januar 2012

    Schlecker meldet Insolvenz an.

  • 28. März 2012

    Das Verfahren wird eröffnet. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hofft noch auf die Rettung von Teilen der Drogeriekette.

  • 27. Juni 2012

    Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein zweites Grundstück soll sein Sohn bekommen haben.

  • 18. Juli 2012

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker ein.

  • 19. Juli 2012

    Die Schlecker-Gläubiger fordern mehr als eine Milliarde Euro.

  • 30. November 2012

    Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will 2013 bis zu 600 ehemalige Schlecker-Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederbeleben.

  • 19. März 2013

    Gut ein Jahr nach der Pleite zahlt die Familie Schlecker dem Insolvenzverwalter 10,1 Millionen Euro. Hintergrund ist der Streit um übertragenes Vermögen aus dem Unternehmen.

  • 9. April 2013

    Haberleitner will einstige Schlecker-Filialen unter dem Namen Dayli wiederbeleben und Testläden in Deutschland eröffnen.

  • 4. Juli 2013

    Noch vor dem geplanten Deutschland-Start ist der Schlecker-Nachfolger Dayli pleite.

  • 13. April 2016

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage gegen Anton Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts.

  • Sommer 2016

    Der Insolvenzverwalter reicht Klage gegen ehemalige Schlecker-Lieferanten ein. Sie sollen Schlecker wegen illegaler Preisabsprachen um viel Geld gebracht haben. Geiwitz will Schadenersatz in Millionenhöhe.

  • 7. Dezember 2016

    Es wird bekannt, dass das Landgericht die Anklage zulassen will. Der Schlecker-Prozess soll im März 2017 beginnen.

  • 6. März 2017

    Der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart beginnt.

  • 16. Oktober 2017

    Der Vorsitzende Richter am Stuttgarter Landgericht streicht eine ganze Liste von Klagepunkten - dadurch würde sich das mögliche Strafmaß wesentlich reduzieren.

Anton Schleckers Anwalt Norbert Scharf steht auf. "Die Anklagevorwürfe sind unzutreffend", sagt er und legt mit ruhiger Stimme dar, worum es in den kommenden Monaten gehen wird.

Der Sachverhalt sei komplex, die Anklage täusche darüber hinweg, dass es um schwierige Fragen geht. Im Grunde stünden nicht all jene Verfügungen, Schenkungen und Verträge von Schlecker im Mittelpunkt, sondern die Frage, ob diese strafbar waren. Unternehmer handelten stets auf Basis von Prognosen. Die Kernfrage laute daher: Was darf der Unternehmer wann?

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