Baumarktkette: Dauerfehde gefährdet Praktiker-Sanierung

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Baumarktkette: Dauerfehde gefährdet Praktiker-Sanierung

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Konzern in Schieflage - Die großflächige Umstellung von Praktiker-Märkten auf die Schwestermarke Max Bahr soll die Geschäfte wieder ins Lot bringen

von Henryk Hielscher

Streitereien zwischen Großaktionär und Aufsichtsrat halten die angeschlagene Baumarktkette seit Monaten in Atem – und gefährden die Sanierung. Raufen sich die Kontrahenten nicht kurz vor der Hauptversammlung zusammen, droht ein Stellungskrieg mit fatalen Folgen.

Wer derzeit die Hamburger Stellenbörsen durchforstet, stößt auf ungeahnte Jobperspektiven: Ausgerechnet die kriselnde Baumarktkette Praktiker fahndet im großen Stil nach neuen Mitarbeitern. Vom Arbeitsrechtler bis zum Zentraleinkäufer hat das Unternehmen reihenweise Stellen für den neuen Konzernsitz in Hamburg ausgeschrieben. Noch verwunderlicher: Auch am Altstandort im saarländischen Kirkel herrscht offenbar akuter Personalbedarf. Ab „sofort“ werden auf der Praktiker-Homepage Leute für EDV und Rechnungswesen gesucht.

Das Jobwunder bei der Selber-Mach-Truppe spiegelt weniger die neu erwachte Einkaufslust heimischer Heimwerker wider denn die Sanierungsflops der Vergangenheit. Mitten in der größten Krise des Konzerns hatten Vorstand und Aufsichtsrat den kühnen Plan gefasst, die Zentralen von Praktiker und der Schwestermarke Max Bahr künftig in Hamburg zu vereinen.

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Schon in Schönwetterzeiten hätte das Projekt in der Belegschaft wohl für wenig Begeisterung gesorgt. In der gegenwärtigen Krise führte es zum Boykott. Nur ein Bruchteil der mehr als 700 Praktiker-Zentralmitarbeiter wollten nach Hamburg wechseln, heißt es bei der saarländischen Verdi-Dependence. Wichtige Posten müssen jetzt in Hamburg mühsam neu besetzt werden. Ende Mai ruderte der Konzern wieder zurück. 180 Mitarbeiter sollen jetzt weiter von Kirkel aus IT und Rechnungswesen steuern.

Praktikers' letzte Chance

Einmal Hamburg und zurück – die Umzugsposse wirkt fast schon symptomatisch für den Zustand des Konzerns. Umsätze und Erträge der blau-gelben Heimwerkertruppe barsten in den vergangenen Jahren wie Balsaholz unterm Vorschlaghammer. 760 Millionen Euro Umsatz verlor Praktiker seit 2007. Im vergangenen Jahr verbuchte der Konzern einen Jahresfehlbetrag von einer halben Milliarde Euro.

Übersicht zur Praktiker-Aktie (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Übersicht zur Praktiker-Aktie (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Längst erinnert der Konzern mehr an eine rumpelige Werkzeugkiste denn an ein wohlsortiertes Handelshaus. Unternehmensberater von McKinsey, Boston Consulting und Roland Berger sollten Praktiker in den vergangenen Monaten neu sortieren, jagten die Kette aber erst in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Nun sucht der Konzern in der Umstellung Dutzender Praktiker-Filialen auf die Schwestermarke Max Bahr sein Heil, will eine neue Führungsspitze installieren und stellt Auslandsgesellschaften auf den Prüfstand. Es könnte endlich der große Befreiungsschlag werden – oder aber das letzte Aufbäumen einer siechen Filialkette.

Morgen- oder Schleckerdämmerung? Wenn sich am kommenden Mittwoch die Praktiker-Aktionäre zur Hauptversammlung in Hamburg treffen, wird die Frage im Raum stehen. Denn bis zuletzt schürte vor allem eine Dauerfehde zwischen dem Praktiker-Großaktionär, der österreichischen Privatbank Semper Constantia, und dem Management des Konzerns Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Kette.

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