Baumarktkette: Insolvenzplan für Max Bahr

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KommentarBaumarktkette: Insolvenzplan für Max Bahr

von Henryk Hielscher

Die Praktiker-Tochter Max Bahr galt als Rettungsanker für die insolvente Baumarktkette. Doch nun trudelt auch Max Bahr in die Pleite – die Folgen sind dennoch überschaubar.

Die Sitzung zog sich über Stunden hin. Als am Donnerstag  Mitglieder der zwei Gläubigerausschüsse von Praktiker am Frankfurter Flughafen zusammen kamen, begann das große Gerangel um die Zukunft des Konzerns. Wie kann der Konzern gerettet werden? Wie viele Standorte bleiben erhalten? Wer kommt als Investor infrage? Und kann die Tochtergesellschaft Max Bahr aus der Insolvenz heraus gehalten werden?

Die Imagewerte von Max Bahr und Praktiker im Vergleich zur Konkurrenz (zum Vergrößern bitte anklicken).

Die Imagewerte von Max Bahr und Praktiker im Vergleich zur Konkurrenz (zum Vergrößern bitte anklicken).

Zumindest die letzte Frage wurde noch am Abend beantwortet. Per ad-hoc-Mitteilung kündigte der Konzern an, den Antrag auf ein Insolvenzplanverfahren für die Max-Bahr-Gruppe zu stellen. Betroffen sind bundesweit 78 Max-Bahr-Märkte, die an Darlehensgeber verpfändet sind. Zu ihnen zählen eine Gruppe von österreichischen Investoren, die von der Wiener Privatbank Semper Constantia beraten wird, die Royal Bank of Scotland sowie die Etris Bank des Einkaufsbüros Deutscher Eisenhändler.

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Zuvor hatte der Warenkreditversicherer Coface Deckungszusagen für Lieferanten zurückgezogen. Coface ist unter anderem ein wichtiger Geschäftspartner für Holzlieferanten. Offenbar ließ die Coface-Aktion auch bei anderen Kreditversicherern die Alarmglocken schrillen. „Eine zuverlässige Warenversorgung der Max-Bahr-Märkte ist damit nicht mehr gewährleistet“, teilte das Unternehmen mit.

Damit folgte ausgerechnet der Hoffnungsträger des Konzerns der Holding in die Insolvenz. Das Gros der Praktiker-Märkte sollte auf Max Bahr umgestellt werden, um das Billig-Image loszuwerden. Bisher wurde jedoch nur 54 Filialen auf das neue Konzept umgeflaggt. Die umgestellten Märkte sind bei der Praktiker AG angesiedelt und waren somit bereits von der Insolvenz Mitte Juli betroffen.

Doch so dramatisch es nun auch klingen mag, dass Max-Bahr ebenfalls in die Pleite rutscht: tiefgreifende Auswirkungen auf das Verfahren und auf die Rettungsaussichten dürften die neuen Entwicklungen nicht haben. Der Antrag auf ein Planverfahren unterstreicht zudem, dass der Unternehmensteil nicht abgewickelt, sondern saniert und weitergeführt werden soll.

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In den nächsten Monaten wird die Insolvenzverwaltung nach einem Käufer suchen, der möglichst viele Märkte – sowohl Max Bahr als auch Praktiker-Standorte - zu einem akzeptablen Preis übernimmt. Gelingt das nicht, müssen die Baumarktgesellschaften portionsweise verkauft werden. Dass sich ein Investor findet, der alle Märkte weiterführt, ist nach Expertenansicht nahezu ausgeschlossen. „Mögliche Investoren dürften sich vor allem für einzelne Märkte interessieren nicht für das komplette Unternehmen“, sagt Harald Linné, Managing Partner bei AtreusInterim Management. Er ist überzeugt: „Einem Drittel der Standorte droht die Abwicklung.“  

Für den Vorstand der Baumarktketten könnte das Max-Bahr-Verfahren indes zum Katalysator des Abgangs werden.  Während die Insolvenzverwalter Udo Gröner und Christopher Seagon das Kommando für die Konzernholding und für die operativen Praktiker-Gesellschaften übernahm, oblag die Führung der bis dato nicht insolventen Max-Bahr-Gruppe weiter dem Management um Vorstandschef Armin Burger. Jetzt wird auch hier ein Insolvenzverwalter eingesetzt. Ob und wie lange das bisherige Konzern-Management noch gebraucht wird, ist fraglich.

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