Baumarktkette: Peinlich, peinlicher, Praktiker

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KommentarBaumarktkette: Peinlich, peinlicher, Praktiker

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Klare Linie? Das Hin und Her um den Kredit wirft kein gutes Licht auf das Praktiker-Management.

von Henryk Hielscher

Die taumelnde Baumarktkette Praktiker wechselt den Retter aus. Statt eines US-Finanzinvestors soll nun doch der Großaktionär einen Kredit bereitstellen. Dieses Ergebnis hätte Vorstandschef Kay Hafner schon vor Wochen haben können. 

Als Flexibilität bis zur Selbstverleugnung lässt sich das Wirken von Kay Hafner an der Spitze der Baumarktkette Praktiker beschreiben. Monatelang sträubte sich Hafner gegen ein Kreditangebot der Praktiker-Großaktionäre, der Wiener Privatbank Semper Constantia und des verbündeten Fonds Maseltov. Lieber legte sich der Vorstand öffentlich auf einen Hochzinskredit des US-Finanzinvestors Anchorage fest, der dem Vernehmen nach deutlich schlechtere Konditionen aufwies als das Semper-Angebot.

Auch sonst wurden die Wünsche der Großaktionäre bisher nach allen Regeln der juristischen Kunst ausgebremst. Erst als Anchorage die Daumenschrauben über die Maßen anzog und die Konditionenforderungen verschärfte, folgte die Kehrtwende des Praktiker-Vorstandes: Nun soll doch der bisher geschmähte Großaktionär zum Zuge kommen.

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„Ich begrüße es, dass durch das vorliegende Angebot von Semper Constantia eine solide Finanzierungsperspektive eröffnet wird“, erklärte Hafner in einer Pressemitteilung. „Da bereits wesentliche offene Punkte bereinigt sind bietet sich auch die Chance, kurzfristig zu einem positiven Abschluss zu kommen“. 

Noch vor ein paar Wochen klang Hafner ganz anders. „Dem Vorschlag unseres Großaktionärs können wir uns nicht anschließen“, kommentierte er Ende Juli, „weil er vom Umfang her nicht ausreichend ist und auch nicht die notwendige Transaktionssicherheit bietet.“ Ferner mangele es dem Vorschlag vor allem an belastbaren Nachweisen über verbindliche Zusagen der – teilweise unbekannten – Drittinvestoren. Im Klartext sollte das wohl heißen: Der Vorschlag von Semper sei völliger Quatsch. Zuvor hatte Hafner das Anchorage-Angebot mehrfach als „alternativlos“ bezeichnet. Ohne Anchorage so der Tenor bei der Hauptversammlung drohe die Pleite.

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Nun taugt Semper offenbar doch zur Alternative. Hafner schredderte kurzerhand seine bisherigen Überzeugungen. Dieses Ergebnis wäre bereits vor Wochen wenn nicht Monaten möglich gewesen. Doch die Praktiker-Führung ist offenbar noch immer davon überzeugt, reichlich Zeit zu haben. Jetzt wird in Wien verhandelt. Kommt der Kredit zustande, ist Praktiker damit längst noch nicht gerettet. Eine Kapitalerhöhung muss gestemmt werden, die Banken und Lieferanten müssen mitziehen. Erst dann beginnt die eigentliche Sanierungsarbeit.

Der peinliche Kredit-Vorgang zeigt indes einmal mehr, woran es bei Praktiker hapert: An einer Konzernführung, die rechtzeitig reagiert und die erkennt, wann ihre eigenen Konzepte zum Scheitern verurteilt sind.

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