Beiersdorf in Hamburg: Nivea-Hersteller baut neue Konzernzentrale

Beiersdorf in Hamburg: Nivea-Hersteller baut neue Konzernzentrale

, aktualisiert 29. Juni 2017, 16:17 Uhr
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Entwurf der neuen Konzernzentrale. „Die Zentrumslage ist für viele ein Grund, sich für uns zu entscheiden“, sagt Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich.

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Beiersdorf gehört zu den Opfern der Cyberattacke: Noch immer stehen Teile der Produktion still. Das hält den Konsumgüterriese nicht ab, die Pläne der neuen Zentrale in Hamburg vorzustellen. Welcher Konflikt jetzt droht.

HamburgWeiß und rot – der Dax-Konzern Beiersdorf baut seine neue Hamburger Konzernzentrale in den klassischen Farben der Hansestadt. Konzernchef Stefan Heidenreich lüftete am Donnerstag das Geheimnis um den Neubau. Schließlich hatte das bekannte Architektenbüro Hadi Teherani schon vor zwei Jahren einen Wettbewerb gewonnen – doch die Pläne waren sogleich aus der Öffentlichkeit genommen worden. Ein bereits veröffentlichtes Bild, das schemenhaft ein Architekturmodell zeigte, wurde nachträglich verpixelt.

Denn: Beiersdorf hat nachgebessert – und das Bauvorhaben vergrößert. Nun bekommt auch das Forschungszentrum eine Erweiterung. Das allerdings könnte zu Konflikten mit Kleingärtnern führen, die möglicherweise bei erneuten Ausbauten weichen müssen.

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„Wir bauen etwas, das weit über unsere Generation hinaus Bestand hat“, sagte Heidenreich. Daher lasse er sich auch von einem Hackerangriff nicht davon abhalten, die Pläne vorzustellen. Seit Dienstag sind bei Beiersdorf die komplette Telefonanlage und viele Computer weltweit ausgefallen, die Produktion steht teilweise still.

Ungerührt schaute Heidenreich in die Zukunft. Der Bau sei hanseatisch-zurückhaltend und sehr funktional. „Alles andere würde nicht dem Haus und der Familie Herz als Haupteigentümer entsprechen“, sagte er. Der Bau biete die Chance, mit neuen Arbeitsplatzkonzepten Produktivität und Arbeitsfreude zu steigern. Dazu sollen Kleinigkeiten wie die Erweiterung des Kantinenangebots um mehr internationale Gerichte helfen.

Der Nivea-Hersteller investiert 230 Millionen Euro in das Projekt. Damit ist es nur wenig kleiner als der spektakuläre Neubau des Industriekonzerns Thyssen-Krupp vor wenigen Jahren in Essen, der mit 300 Millionen Euro veranschlagt worden war.

Fertigstellung bei Beiersdorf soll 2021 sein, erster Spatenstich im Februar 2018. Es entstehen drei neue Gebäude mit 95.000 Quadratmetern Platz für 3.000 Menschen auf sechs Stockwerken – davon eine Konferenzetage. Unterirdisch soll eine Tiefgarage die Gebäude verbinden.

Oberirdisch entsteht zudem eine Grünanlage. Bei dem Architektenwettbewerb hatte sich der Hamburger Hadi Teherani unter anderem gegen den zweitplatzierten Kadawittfeld aus Aachen durchgesetzt. Das funktionalere Laborgebäude planen Brechensbauer Weinhart und Partner, die bereits die neue Zentrale der Beiersdorf-Tochter Tesa entworfen hatten. Der Umzug des Klebeband-Spezialisten nach Norderstedt am Hamburger Flughafen machte den Platz für den Neubau frei.

Von dem neuen Campus versprechen sich die Beiersdorf-Manager kürzere Wege in Hamburg und ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl. Bislang liegen die Beiersdorf-Immobilien zwar fußläufig, aber im Stadtteil verteilt. Die aktuelle Zentrale besteht aus Bauten, die teils vor und teils nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut worden sind. Das jüngste zentrale Gebäude, in dem auch der Vorstand sitzt, ist von 1988.

Beiersdorfs Kerngeschäft mit Kosmetik bleibt durch die Neubaupläne mitten in dem verdichteten Wohnstadtteil Eimsbüttel. Das könnte noch zu Konflikten führen: Der Konzern kauft der Stadt ein Grundstück ab, auf dem jetzt noch Kleingärten stehen. Es soll als Baureserve für die nächsten Jahrzehnte dienen. Bis dahin dürfen die Kleingärtner auf dem zwölf Hektar großen Grund bleiben – ihre Perspektive ist aber unsicher.

In der Vergangenheit gab es einige Konflikte um Neubauten auf Kleingartengelände in Hamburg. An anderer Stelle gab es gegen den Neubau des Werbeagentur-Konzern WPP sogar einen erfolgreichen Bürgerentscheid auf Bezirksebene, den erst die Stadtpolitik kippte. Auch Beiersdorf hatte bereits Ärger mit Nachbarn, als es um den Abriss eine Weltkriegsbunkers am Rande des Konzerngeländes ging.


Keine „Hühnerzellen“ für Beiersdorf-Mitarbeiter

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte hingegen, er rechne nicht mit größerem Widerstand im Stadtteil. Schließlich lebten viele der Beiersdorf-Mitarbeiter in der Umgebung. „Es ist wichtig, dass so große Unternehmen mitten in der Stadt liegen und nicht irgendwo außerhalb“, sagte er. Beiersdorf verlagert seine Zentrale um einige Hundert Meter in die Nähe des bisherigen Forschungszentrums. Was mit dem freiwerdenden Grundstück passiert, ist noch unklar.

Falls es zu Wohnungsbau kommen sollte, hat der Konzern mit der Stadt vereinbart, ausschließlich Mietwohnungen zu errichten. Bauträger wäre eine Stiftung der Pensionskasse von Beiersdorf, die das Grundstück behalten soll. Das passt zu Scholz‘ Politik, den Mietmarkt gerade in beliebten Vierteln zu stärken. Der Beiersdorf-Standort Eimsbüttel gilt trotz des industriellen Nachbarns Beiersdorf, der dort auch Nivea-Crème und -Deos produziert, als begehrtes Viertel bei Familien.

Heidenreich sagte, die Lage helfe dem Konzern dabei, für Talente attraktiv zu bleiben. „Die Zentrumslage ist für viele ein Grund, sich für uns zu entscheiden“, sagte er. In den vergangenen Monaten habe er sich Arbeitsplätze in den Zentralen von Facebook und Apple angeschaut, bald wolle er in die neue Apple-Zentrale reisen, sagte Heidenreich. Denn noch ist unklar, wie genau die Arbeitsflächen aussehen werden. Bevorzugt sind Großraumbüros, Einzelheiten sollen mit den Mitarbeitern ausgearbeitet werden. „Es wird nicht die Hühnerzellen geben, die ich auch schon gesehen habe“, sagte Heidenreich. Geld dafür ist vorhanden: Beiersdorf hortet fast vier Milliarden Euro.

Neben der Unterstützung durch den Grundstücksverkauf, dem das Stadtparlament Bürgerschaft noch zustimmen muss, erhalte Beiersdorf keine finanzielle Unterstützung, sagte Scholz. „Die Stadt gibt nichts dazu, das würde den Stolz des Unternehmens auch verletzten“, sagte der Bürgermeister. Und nutzte die Frage zu Eigenlob: „Für Hamburg entscheiden sich Unternehmen nicht wegen Subventionen, sondern wegen einer erstklassigen Regierung, mit der Unternehmen gut zusammenarbeiten können.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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