Berkshire-Hauptversammlung: Anleger pilgern zur großen Warren-Buffett-Show

Berkshire-Hauptversammlung: Anleger pilgern zur großen Warren-Buffett-Show

, aktualisiert 06. Mai 2017, 17:45 Uhr
von Astrid Dörner und Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Warren Buffett ist kein gewöhnlicher Vorstandschef. Der Börsenguru macht aus dem Investieren einen Lifestyle. Und der hat viele Fans, wie die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha zeigt.

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Seit 52 Jahren wird Berkshire Hathaway von dem 86-jährigen Star-Investor geführt.

OmahaEs ist eine Pilgerreise. Im Flughafen von Chicago fragt Sam, ein freundlicher Herr mit grau meliertem Haar und blau kariertem Hemd: „Fliegen Sie auch nach Omaha? Ich glaube, der halbe Flieger ist voll mit Leuten, die zu Warren Buffett wollen.“ Sam ist Investment-Berater aus Philadelphia. „Warren ist der größte Investor“, schwärmt er. „Er war schon mein Held, als ich ein junger Mann war.“

Dann schränkt er ein: „Je alter ich werde, desto mehr Zweifel habe ich. Was hat es für einen Sinn, so viel Reichtum anzusammeln? Man kann das Geld am Ende ja nicht mitnehmen...“

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So ein Anflug von Skepsis ist die Ausnahme. Die überwältigende Mehrheit der Jünger von Warren Buffett ist ihrem Meister völlig ergeben. Schon um vier Uhr morgens versammeln sich die ersten Aktionäre vor den Türen der Veranstaltungshalle in Omaha, wo die Hauptversammlung von Buffetts Holding Berkshire Hathaway stattfindet, einem gewaltigen Bau aus Beton und Glas.

Die Profis unter ihnen haben Klappstühle dabei, einige haben vorher noch bei McDonald’s gehalten und sich Frühstück mitgebracht. Dort holt schließlich auch Buffett jeden Morgen sein Frühstück.

Längst nicht alle der rund 40.000 angereisten Aktionäre haben Platz in der Arena, in der sonst Basketballspiele, Messen und Konzerte stattfinden. Wer einen Sitzplatz ergattern will, muss also früh kommen. So wie Anil und Sandra, ein junges Ehepaar aus San Francisco, das sich um halb fünf in die Schlange eingereiht hat. „Buffett ist mein Idol. Ich will ihn unbedingt sehen“, schwärmt Anil. Die ganz eingefleischten Fans studieren sogar den Lageplan, um herauszufinden, wie sie am schnellsten auf die besten Plätze kommen. „Extreme Buffetteering“ nennt man das hier.

Manche der Aktionäre tummeln sich auch in der Ausstellungshalle im Untergeschoss der Arena. Dort sieht es aus wie im Kaufhaus. Die Fans können Klamotten von Fruit of the Loom einkaufen, teuren Schmuck vom Juwelier Borshems erwerben – natürlich mit Vorteilsrabatt für Aktionäre –, sich über Autoversicherungen von Geico informieren oder ein „Blizzard“ genießen, das berühmteste Eis des mittleren Westens der USA.

Denn all diese Firmen stammen aus dem Hause Berkshire, genauer gesagt, von einer der unzähligen Tochtergesellschaften, die auch im Energiegeschäft tätig sind oder Bauteile für Hubschrauber liefern. Buffetts Konterfei ist allgegenwärtig auf den Plakaten, immer mit einem Schuss Selbstironie, eingeräumt von hübschen Models, mit Schürze vor einem Süßigkeitenstand oder grinsend auf einer Cherry-Coke-Dose mit chinesischen Schriftzeichen.


Der Star betritt die Bühne

Auch Berkshires Manager aus Deutschland sind angereist. Der Konzern übernahm 2015 den Hamburger Motorradfachhändler Louis. Seitdem gehören die Geschäftsführer Joachim Grube-Nagel und Nico Frey zur Berkshire-Familie und nehmen wie die Vertreter der anderen Mittelständler übers Wochenende an Meetings teil.

Auch Warren Buffett haben sie schon getroffen, sagten sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ebenfalls angereist ist die Kölner Transaktionsberaterin Zypora Kupferberg, die für Berkshire in Deutschland nach weiteren Übernahmekandidaten sucht und den Deal mit Louis eingefädelt hat.

Warren Buffett ist kein gewöhnlicher Vorstandschef und Berkshire Hathaway ist kein gewöhnliches Unternehmen. Seit 52 Jahren wird der Konzern aus Omaha, Nebraska, von dem 86-jährigen Star-Investor geführt. Buffett hat ihn über die Jahre zu einem Konglomerat ausgebaut, mit 410 Milliarden Dollar Börsenwert. Er selbst ist der drittreichste Mann der Welt und hat viele Aktionäre ebenfalls reich gemacht. Wer 1965 Berkshire-Aktien für 1000 Dollar gekauft und bis heute gehalten hätte, könnte sie heute für 13 Millionen Dollar verkaufen.

Dass der Gewinn im ersten Quartal um 27 Prozent eingebrochen ist, vor allem wegen Schwächen im Versicherungsgeschäft, ist da eher eine Randnotiz.

Die eigentliche Show beginnt um halb neun – mit einer Menge Werbung für Coke, Geico und Heinz, unterbrochen von Videos in denen Warren Buffett und sein Partner Charles Munger kleine Slapsticks aufführen. Der Höhepunkt diese Aufwärm-Show ist eine Aufnahme, in der Buffett zusammen mit Paul Anka im Stil von Sinatras „I do it my way“ ein Duett singt.

Mit seiner rauen Stimme kann Buffett sich durchaus hören lassen. Der Text ist im Stil von Nikolaus-Gedichten auf Berkshire gemünzt. Der Börsenguru verrät dabei, dass er jeden Tag für Munger betet, sich (mit 86) aber doch erheblich jünger fühlt als er, der schon 93 ist.

Dann, um 9.13 Uhr, ist es soweit: Der Star erscheint auf der Bühne, setzt sich unter dem Jubel der Fans mit seinem Partner an den Tisch, und sagt: „Das ist Charlie, ich bin Warren.“

Er begrüßt ein paar Bekannte im Publikum, darunter Bill Gates, und geht dann kurz durch die jüngsten Zahlen. Ein leichter Verlust bei der Geico-Versicherung, sagt Bufett, sei damit zu erklären, dass das Unternehmen viele neue Kunden gewonnen habe. „Das führt in der Anfangsphase erst einmal zu Kosten.“ Der Gewinn kommt erst später – und Buffett denkt ja immer ganz langfristig.

Das ist schnell abgehakt. Danach spricht der Investment-Guru über das was, seine Fans hören wollen. Obwohl er und seine Leute aktive Manager sind, kommt er dabei auf einen alten Freund zu sprechen, dem er im Voraus seine Grüße für den 88. Geburtstag ausrichtet: John Bogle. Der hat Vanguard gegründet, den Pionier bei der Entwicklung von kostensparenden, passiven Fonds. Buffett stellt klar: „John hat mehr für die amerikanischen Investoren getan als irgendjemand sonst. “

Und so beginnt ein langer Tag, in dem es um ein Thema geht: Das große Geld. Und um einen Mann: Warren Buffett.

Quelle:  Handelsblatt Online
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