Bestatter: Preisvergleich am Sterbebett

Bestatter: Preisvergleich am Sterbebett

, aktualisiert 05. Dezember 2011, 12:56 Uhr
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Die Bereitschaft, viel Geld für Beerdigungen auszugeben sinkt. Gute Voraussetzungen vor allem für Bestattungs-Discounter.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Tod wird billiger. Galt es einst als pietätlos, bei einer Beisetzung sparen zu wollen, entspricht es heute längst dem Zeitgeist. Branchenverbände laufen Sturm, doch manch ein Bestatter sieht darin eine Chance.

DüsseldorfDie Internetseite unterscheidet sich auf den ersten Blick nur unwesentlich von anderen Preisvergleichsportalen. Schnell und einfach – so das Versprechen von Bestattungen.de – erhält der Besucher eine Auswahl an Bestattern, soll so mehr Zeit für die Familie haben und vor allem Geld sparen. Bis zu 50 Prozent der Kosten einer Bestattung können durch den Preisvergleich eingespart werden, heißt es.

Und tatsächlich: Wer als Anfragegrund einen Todesfall angibt, erhält innerhalb von fünfzehn Minuten eine Liste mit Bestattern und einen Telefonanruf zur weiteren Unterstützung. Auch der Preis kann sich sehen lassen. Das erste Angebot ist laut Bestattungen.de 55 Prozent günstiger als der branchenübliche Preis für eine Erdbestattung mit Trauerfeier von 2855 Euro, zuzüglich Friedhofs- Grabnutzungs- und Beisetzungsgebühren. Dass der Bestatter nicht um die Ecke ist, sondern in einer Nachbarstadt, gerät da schnell zur Nebensache.

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Zahl der Erdbestattungen nimmt ab

Bei einer Beisetzung sparen zu wollen, galt lange als pietätlos. Doch die hohen Kosten für eine Bestattung können oder wollen sich viele nicht mehr leisten – und mit der veränderten Nachfrage, ändert sich auch die Branche. Der Anteil an günstigeren Feuerbestattungen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und liegt heute bei über 50 Prozent, so der Bundesverband Deutscher Bestatter.

Außerdem sorgt das Internet für mehr Wettbewerb. Wer sich dort gut präsentiert, kann seinen Kundenkreis deutlich vergrößern. Der dadurch entstehende Wettbewerbsdruck über die Stadtgrenzen hinaus ist neu für die Branche mit der ewigen Nachfrage – und die Bestatter merken zunehmend, dass sie ihr Angebot anpassen müssen.

Man muss den Leuten geben, was sie wollen: „Wir wollen den Angehörigen bieten, was sie sich wünschen“, sagt Andreas Bartsch. Er ist Geschäftsführer des Familienbetriebs Bestattungen Bartsch in Gelsenkirchen. Durch die hohe Arbeitslosenquote hätte die Zahl der umsatzstarken Erdbestattungen deutlich abgenommen, sagt er. Deswegen betreiben sie jetzt zusätzlich die Internetseite Guenstiger-Bestatter-NRW.de. Dort werden zum Beispiel Feuerbestattungen mit anonymer Urnenbeisetzung für rund 1200 Euro angeboten. Beisetzungsort ist Waltershausen in der Nähe von Erfurt. Auch wenn der Verstorbene aus Düsseldorf kommt.


„Discountmentalität“ unter Bestattern

Der Wechsel des Bestattungsortes bietet das größte Einsparpotential, da die Friedhofsgebühren mancherorts fast 50 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, sagt Bartsch. Denn wie hoch Städte und Kommunen die durch die Friedhofspflicht unumgängliche Gebühr ansetzen, variiert stark. So kostet eine im Gegensatz zur Erdbestattung günstige anonyme Urnenbeisetzung – inklusive 20 Jahre Grabpflege - in Düsseldorf 1079,39 Euro, während sie im rund zehn Kilometer entfernten Erkrath für rund 800 Euro zu haben ist.  

Die günstigen Bestattungen sind ein zweites Standbein für den Familienbetrieb Bartsch. Mittlerweile sei der Bereich im zweistelligen Prozentbereich gewachsen, schätzt Andreas Bartsch: „Allerdings nur von günstigen Bestattungen alleine könnten wir nicht kostendeckend arbeiten“, sagt er. Dazu brauchen sie ihr Kerngeschäft in Gelsenkirchen. Eine Ausweitung seines Angebots auf die gesamte Bundesrepublik lehnt er ab. Selbst wenn das mehr Gewinne verspräche, könne eine qualitativ gute Bestattung nicht mehr gewährleistet werden, so Bartsch

Das Preis-Qualität-Paradoxon beschäftigt auch den Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB). Die zunehmende „Discountmentalität“ unter Bestattern und Hinterbliebenen missfällt den Vertretern. Der Tod soll nicht auf wirtschaftliche Aspekte reduziert werden. „Wo Bestattungen nur noch über den Preis definiert werden, wird der Verstorbene zur Leiche deklassiert. So entsteht eine fragwürdige Entsorgungsmentalität“, sagt BDB-Pressesprecher Oliver Wirthmann. Er findet es nicht gut, Verstorbene auf der Suche nach einem günstigen Friedhof unnötig durch das Land zu schicken.

Auch von Bestattungs-Preisvergleichsseiten im Internet hält er nichts und warnt vor versteckten Kosten. „Dort wird oft nicht gehalten, was versprochen wird“, sagt Wirthmann. Es sei nur schwer zu überblicken, welche Leistungen tatsächlich im angepriesenen Angebot enthalten seien. Oftmals würden alle Leistungen außerhalb des vereinbarten Pakets mit überzogenen Preisen abgerechnet.


Vorsicht bei Billig-Anbietern

Das Problem: Auch das Geschäft mit Verstorbenen ist nicht vor Abzockern sicher. Bisher ist der Titel des Bestatters keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann in die Branche einsteigen. Die Verbände wollen dem mit einem eigenen Gütesiegel und zertifizierten Ausbildungen entgegenwirken.

Die Beschwerde über Discount-Anbieter dürfte die Betreiber von Bestattungen.de nicht stören. Ihr Geschäftsmodell funktioniert offenbar. Mehr als 500 der rund 4000 Bestatter in Deutschland seien bisher registriert, sagt Pressesprecherin Christine Sollmann. Tendenz steigend.

Die Branche spaltet sich

Andreas Bartsch wird dort dennoch nicht offensiv für sich werben. Die Provision von 12,5 Prozent plus Mehrwertsteuer von der Bruttoleistung, die der Vermittler dafür verlangt, sind ihm zuviel. „Diesen Aufschlag müsste ich dann an meine Kunden weitergeben“, sagt er. Für ihn ist es erstaunlich, was für niedrige Preise Konkurrenten dort veranschlagen - und wie sie davon überleben können.

Viele Familienbetriebe in der Branche könnten von ihrem Beruf zwar leben, erklärt er weiter. Für große Sprünge reiche es jedoch meist nicht. Natürlich gebe es auch Bestatter, die sich auf das Segment individualisierter und teurer Bestattungen spezialisiert haben und dort gut verdienen würden. Auch Ketten ginge es verhältnismäßig gut.

Doch für die „bürgerlichen Bestatter“, wie sie, würde es schwieriger. „Der Bestattungs-Markt wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich aufspalten in einen günstigen und einen sehr hochpreisigen, individuellen Bereich“, sagt auch Wirthmann.

„Exklusive Bestattungen können wir hier nicht bieten“, sagt Bartsch - dafür aber günstige.

Quelle:  Handelsblatt Online
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