Billigflieger mit Gewinnrückgang: Harte Brexit-Landung für Easyjet

Billigflieger mit Gewinnrückgang: Harte Brexit-Landung für Easyjet

, aktualisiert 15. November 2016, 14:23 Uhr
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Das Brexit-Votum dürfte den britischen Billigflieger auch im aktuellen Geschäftsjahr weiter belasten.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Erstmals seit sechs Jahren macht Easyjet in einem Geschäftsjahr weniger Gewinn. Das Vorsteuerergebnis des Billigfliegers bricht um fast ein Drittel ein. Konzernchefin Carolyn McCall will nun härter durchgreifen.

LondonVolle Flugzeuge, ein neuer Rekord bei der Zahl der Passagiere und niedrigere Kosten pro Sitzplatz – in normalen Zeiten gäbe es für die Aktionäre der der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet einige Gründe zum Jubeln.

Doch das Brexit-Votum hat dem Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im September endete, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotz der positiven Nachrichten hat Easyjet einen deutlich niedrigeren Vorsteuergewinn eingefahren: Das Plus lag bei 495 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 570 Millionen Euro) und damit 28 Prozent unter dem Überschuss vor Steuern im Vorjahr, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

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Es ist der erste Einbruch des Jahresgewinns seit sechs Jahren und eine Folge der schwachen britischen Währung. Nach dem Referendum über den EU-Austritt gab das Pfund gegenüber Dollar und Euro deutlich nach. Easyjet-Chefin Carolyn McCall rechnet damit, dass das Brexit-Votum die Fluggesellschaft auch im neuen Geschäftsjahr belasten wird. Sie hat daher angekündigt, die Abläufe zu überprüfen und zu straffen. „Wir erwarten, dass die zu einem einfacheren, effizienteren Apparat führen und bedeutsame Ersparnisse liefern wird“, sagte McCall.

Zugleich machen der Nummer zwei der Branche nach Ryanair die Anschläge in Frankreich zu schaffen. Easyjet fliegt unter anderem Paris und Nizza an, wo bei islamistischen Attacken in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Das Geschäft mit Flügen nach Ägypten und in die Türkei läuft wegen Sicherheitsbedenken ebenfalls schlechter.

Damit Easyjet auch nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU sein kontinentaleuropäisches Geschäft so betreiben kann wie bisher, will sich das Unternehmen um eine Fluglizenz in einem EU-Land bewerben. Man führe derzeit mit einer Reihe von Ländern Diskussionen darüber, heißt es. Eine Entscheidung, wo genau man eine neue Lizenz beantragen werde, sei noch nicht gefallen. Die Zentrale werde aber weiterhin in Luton nördlich von London bleiben.

Als Reaktion auf den Gewinnrückgang hat Easyjet auch seine Dividende gekürzt – um mehr als zwei Prozent auf 53,8 Pence. Der Aktienkurs der Billigfluglinie gab am Dienstag zunächst deutlich nach, erholte sich dann aber wieder. Seit Anfang 2016 gaben die Titel um etwa 40 Prozent nach.


Konkurrent Ryanair trotzt dem Brexit

Im neuen Geschäftsjahr will McCall die Kapazitäten von Easyjet um neun Prozent erhöhen. „In einem Umfeld, das härter wird, werden starke Airlines wie Easyjet noch stärker werden“, versprach sie. Sie sieht vor allem in Großbritannien Wachstumsmöglichkeiten. Konkurrenten wie Ryanair und Wizz Air haben jüngst angekündigt, ihre Wachstumspläne für die Insel nach dem Brexit-Votum zurückzufahren.

Doch Analysten reagierten eher skeptisch auf die Ankündigung von Easyjet: „Der Fokus des Unternehmens auf langfristige strategische Vorteile könnte auf kurze Sicht mit Schmerzen einhergehen, wenn schwächere Konkurrenten nicht so schnell wie erwartet den Rückzug antreten“, schreib Gerald Khoo von Liberum in einer Kurzstudie.

Beim großen Konkurrenten Ryanair laufen die Geschäfte trotz Brexit derzeit deutlich besser. Im zweiten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres (bis Ende März) hat Ryanair einen Überschuss von 912 Millionen Euro erzielt. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Im Geschäftsjahr 2015/16 hat Easyjet 73,1 Millionen Passagiere befördert. Das ist nach Angaben des Unternehmens ein neuer Rekord und liegt 6,6 Prozent über der Zahl des Vorjahres. Die Easyjet-Flugzeuge waren zudem mit weniger leeren Sitzplätzen unterwegs. Der Auslastungsgrad ist leicht auf 91,6 Prozent gestiegen. Die Kosten pro Sitzplatz gingen um zwei Prozent auf 52,26 Pfund zurück. Bei konstanten Wechselkursen wäre der Rückgang mit knapp fünf Prozent noch deutlich höher ausgefallen.

Anders als Ryanair will Easyjet nicht von Frankfurt aus fliegen. „Wir hatten in den vergangenen Jahren zahlreiche Gespräche, aber es ist keine Priorität für uns. Und wir haben derzeit keine Pläne, dort Flugzeuge zu stationieren“, sagte McCall. Wegen hoher Gebühren und langer Wartezeiten meiden viele Billiganbieter den größten deutschen Airport. Ryanair hat aber gerade seine Taktik geändert und will die Lufthansa an ihrem Heimat-Drehkreuz unter Druck setzen. Das dürfte den Preiskampf in der Branche weiter anheizen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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