Bio-Weine: Die heimlichen Ökos

Bio-Weine: Die heimlichen Ökos

von Katharina Matheis

In kaum einer anderen Branche wird so wenig Wind um Öko-Anbau gemacht wie beim Wein. Die weltgrößte Branchenmesse ProWein zeigt: Viele Winzer verzichten nicht nur auf die Chemie, sondern auch auf die vielen Worte darum. Manche fürchten gar negative Assoziationen.

Erst der Blick auf’s Rücketikett offenbart: Die Weinberge haben keine chemischen Spritzmittel abbekommen. „Ich will das eigentlich nicht groß betonen. Deshalb machen wir keine Werbung mit unserem Biosiegel“, sagt Max Pfannebecker. Der 31-jährige Winzer aus Rheinhessen ist einer von über 4800 Ausstellern, die derzeit auf der ProWein in Düsseldorf ihre Weine präsentieren. Und immer mehr von ihnen setzen auf Weinberge ohne Chemie.

Allein von 2007 bis 2012 hat sich die Ökorebfläche in Deutschland verdoppelt. Mittlerweile sind etwa acht Prozent der deutschen Rebfläche frei von synthetischem Pflanzenschutz. Der Anteil ist mehr als doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt. Dennoch sind die Zuwachsraten von Bio-Reben auch weltweit enorm: Von 2004 bis 2011 hat sich die Ökorebfläche vervierfacht.

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Wo die Deutschen ihren Wein kaufen

  • Platz 7

    Tankstellen, Restaurants, etc.

    2012: 5%

    2013: 5%

    Absatzmengen von Wein in Deutschland nach Einkaufsstätten für die Jahre 2012 und 2013.

  • Platz 6

    Fachhandel

    2012: 7%

    2013: 7%

  • Platz 5

    Lebensmitteleinzelhandel (bis 1500 qm Ladenfläche)

    2012: 12%

    2013: 13%

  • Platz 4

    Selbstbedienungswarenhäuser und Verbrauchermärkte

    2012: 13%

    2013: 13%

  • Platz 3

    Winzer

    2012: 15%

    2013: 14%

  • Platz 2

    Aldi

    2012: 27%

    2013: 26%

  • Platz 1

    Discounter (mit Ausnahme Aldi)

    2012: 27%

    2013: 26%

  • Zur Statistik

    Absatzmengen von Wein in Deutschland nach Einkaufsstätten für die Jahre 2012 und 2013

    Quelle: GfK Consumer Scan

„Bio ist im Weinbau ganz klar auf dem Vormarsch, wir rechnen weiterhin mit einem kontinuierlichen Zuwachs“, sagt Monika Reule, die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts. Dabei gebe es viele, die ohnehin ökologisch wirtschaften, ohne zertifiziert zu sein, denn das sei im Weinbau ohnehin notwendig: „Weinstöcke werden in der Regel 25 Jahre lange bewirtschaftet. Deshalb müssen die Winzer schonend mit den Pflanzen umgehen“

Wer vollständig auf chemischen Pflanzenschutz und Dünger verzichtet, verzeichnet auch einen anderen Effekt. „Viele der Winzer mit besonderen Lagen haben erkannt, dass dieser Boden-Charakter häufig viel besser herauskommt, wenn die Böden nicht chemisch optimiert werden“, berichtet Steffen Christmann. Der Pfälzer Winzer ist Vorsitzender des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter, die Vereinigung der Spitzenwinzer in Deutschland. Der Öko-Anbau sei deshalb für alle VDP-Winzer ein Thema, allein in der Pfalz seien zwei Drittel seiner Verbandsmitglieder ökozertifiziert.

Häufig fällt die Umstellung auf Öko-Anbau mit einem Generationswechsel zusammen. So auch bei Sebastian Blümel aus Rheinhessen. Als der damals 19-Jährige entschied, das rheinhessische Weingut seines Vater weiterzuführen war klar: Wenn dann ökologisch. „Für mich ist Bio-Anbau beim Wein selbstverständlich. Ein guter Winzer muss doch gut mit seinen Reben und Böden umgehen“, so der heute 33-Jährige.

Wein soll schmecken - und nicht "öko" sein

Auch bei Blümel finden die Weintrinker keine Werbung für die schonende Anbauweise. „Ich will, dass die Leute meine Weine trinken, weil sie ihnen schmecken und nicht weil sie öko sind“, sagt Blümel. Als er mit der Umstellung begann, gab es jedoch auch Skepsis seitens Kunden und Kollegen: „Damals hatten viele Vorbehalte und dachten, die Trauben werden nicht richtig reif und der Wein schlecht“, so Blümel.

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Das ehemals schlechte Image von Öko-Winzern bestätigt auch Steffen Christmann: „Viele dachten, die Bio-Winzer lassen einfach alles wachsen. Dabei ist Öko-Anbau deutlich mehr Arbeit“, so der VDP-Vorsitzende. Vor diesem Hintergrund sei es auch nicht verwunderlich, dass gerade Winzer im hohen Qualitätsbereich biozertifiziert sind: „Wer guten Wein macht, arbeitet sowieso schonend im Weinberg. Für die ist der Schritt dann nicht mehr groß“, so Christmann.

Auch die niedrigeren Erträge des Bio-Anbaus seien für viele schon vorher normal. Denn beim Wein gibt es das sogenannte Menge-Güte-Gesetz: Demnach reduzieren die Winzer ihre Erträge gezielt, um die Qualität der verbleibenden Trauben zu erhöhen.

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Die Mehrheit der Weintrinker scheint es indes nicht so sehr zu interessieren, ob ein Wein bio ist oder nicht. Im Gegenteil: Je mehr die Menschen über Wein wissen, desto weniger orientieren sie sich am Bio-Siegel. Das zeigen Experimente der Universität Kassel. Auch Monika Reule vom Deutschen Weininstitut bestätigt: „Das Biozertifikat ist für die meisten Weintrinker eher ein Zusatznutzen. Gezielte Nachfragen kommen meist nur von konsequenten Öko-Käufer“

Also lohnt sich der Aufwand dann überhaupt? Für den Jungwinzer Max Pfannebecker ist die Antwort klar: „Ich will die Weinberge einfach so behandeln, dass ich sie ohne schlechtes Gewissen an die nächste Generation weitergeben kann. Und deshalb ist Nachhaltigkeit für mich keine Frage des Marketing, sondern eher Standard für meinen Beruf.“

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