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Blitz-Expansion: Zalando - eine Nummer zu groß?

von Rebecca Eisert

Zalandos Schrei ist in aller Munde. Dafür gibt es den deutschen Marketingpreis. Wie die Schuh-Bude zum Umsatzwunder wurde und wie viel Experten ihr noch zutrauen.

Umsatzwunder oder Luftnummer? Für seine witzigen Spots erhält Zalando den Deutschen Marketingpreis. Quelle: dpa
Umsatzwunder oder Luftnummer? Für seine witzigen Spots erhält Zalando den Deutschen Marketingpreis. Quelle: dpa

Mit Nackedeis, die den Paketboten entblättern, vor Glück kreischenden Frauen und seit neuestem einem Päckchenzusteller, der noch schneller sein will als der Weihnachtsmann, hat sich Zalando ins Gedächtnis der Zuschauer gebrannt. Für die witzigen Spots und den unglaublich schnellen wie erfolgreichen Aufbau der Marke erhält Zalando am Freitag den Deutschen Marketingpreis. Unter anderem mit TV-Spots, in denen ein Priester den Kundinnen das Zalando-Virus austreiben soll, erreichte die beauftrage Agentur Jung von Matt eine Markenbekanntheit von 95 Prozent.

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Nicht immer war die Begeisterung für den Onlinehändler, bei dem zunächst nur Schuhe und mittlerweile Kleidung und Fashion-Accessoires zu haben sind, so groß. Genau genommen überwiegt immer noch die Skepsis. Wie kann ein Unternehmen, das Millionen für Marketing und Retouren ausgeben muss, Gewinn abwerfen? Wie soll ein Händler, der binnen drei Jahren von einem in 14 europäische Ländern expandiert, profitabel sein? Wie lange kann Zalando so weiterwachsen?

Zalando auf einen Blick

  • Die Gründer

    Die Berliner Robert Gentz und David Schneider starteten im Oktober 2008 mit dem kleinen Online-Schuhshop Zalando. Ihr Büro diente als Warenlager, der Service lief über ihre Mobiltelefone.

  • Die Investoren

    Zu den Investoren zählen die Tengelmann-Gruppe, der Facebook-Investor Digital Sky Technologies des russischen Dotcom-Finanziers Yuri Milner, Holtzbrinck Ventures sowie die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander mit ihrem Berliner Startup-Entwickler Rocket Internet. Im Oktober 2012 hat die schwedische Investment AB Kinnevik sein Engagement um 10 Prozent aufgestockt und hält nur 26 Prozent an Zalando direkt und weiter 9 Prozent indirekt via Rocket Internet. Damit sind die Schweden die größten Gesellschafter des E-Commerce Unternehmens.

  • Die Strategie

    Zalando expandierte in den vergangenen vier Jahren extrem schnell und aggressiv in ganz Europa und ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv. Dafür setzte das Unternehmen große Summen für das Marketing, vor allem TV-Spots ein. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen berechnete die Ausgaben für die Spots im Jahr 2011 allein in Deutschland auf 90 Millionen Euro. Der Bekanntheitsgrad der Marke Zalando liegt in der werberelevanten Zielgruppe bei 95 Prozent. In Frankreich kennt den Online-Händler nach einem Jahr am Markt bereits jeder Zweie.

  • Die Umsatzentwicklung

    Laut Bundesanzeiger wies Zalando für 2009 einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus. 2010 waren es 20,4 Millionen. Der Umsatz lag 2010 bei 150 Millionen Euro. 2011 waren es bereits 510 Millionen Euro, 2012 hat Zalando die Milliarde-Marke mit 1,15 Milliarden Euro Nettoumsatz geknackt und Vorjahresumsatz verdoppelt.

  • Mitarbeiter und Logistik

    Zalando beschäftigt aktuell mehr als 1200 Mitarbeiter. In Berlin entsteht ein neuer Bürokomplex mit 20.000 Quadratmetern für mehrere hundert Mitarbeiter. Ab Sommer 2013 sollen weitere Büroflächen in Berlin Mitte angemietet werden. In Erfurt eröffnet Anfang Dezember das erste eigene Logistikzentrum, mit dem Bau eines weiteren hat der Online-Händler in Mönchengladbach begonnen, hier sollen bis zu 1000 Beschäftigte arbeiten.

Zalando selbst gibt auf die meisten Fragen keine Antwort. So laut und schrill die Kundenansprache,  so verschwiegen gibt sich der Konzern gegenüber der Presse. Was zu zahllosen Gerüchten führt. Etwa, dass der Online-Händler siebzig bis achtzig Prozent Retoure zu verkraften hätte – das Todesurteil für jedes Versandhaus. „Das ist fern der Realität“, beruhigt Zalando. Die Retoure gehöre absolut zum Geschäftsmodell dazu und sei Teil des Serviceversprechens. „Trotzdem müssen wir dafür sorgen, dass das Gesamtunternehmen profitabel arbeitet“, so ein Sprecher des Unternehmens.

Platz 10: Bonprix

Umsatz 2010: geschätzte 600 Millionen Euro*

Die Otto-Tochter Bonprix ist seit 1986 am Markt. Sie wirbt mit günstigen Preise für junge Mode und spricht damit in erster Linie Frauen an.

* Quelle: EHI Retail Institute - Die Otto-Töchter Bonprix und Witt werden einzeln ausgewiesen.

Bild: Screenshot

Die Profitabilität wurde immer wieder angezweifelt. 2009 wies das Unternehmen im Bundesanzeiger einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus - 2010 waren es 20,4 Millionen. Alles kein Drama, findet Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein. „Verluste sind in der Anlaufphase völlig normal“. An der bisherigen Erfolgsgeschichte von Zalando hat der Experte wenig zu mäkeln. „Zalando hat bisher mehr richtig als falsch gemacht."

Für die Blitzexpansion innerhalb von ein, zwei Jahren hat das Unternehmen viel Geld in die Hand genommen – mehrere hundert Millionen, so schätzen Experten. „Das ist im E-Commerce absolut notwendig und richtig.“ Zalando sei mit dem Mut zur Investition in der Größenordnung im deutschen Handel die Nummer eins. „Der Break-Even ist erst nach etwa sechs Jahren erreicht“, weiß Heinemann „Zalando ist also gerade mal auf der halben Strecke und macht bisher einen guten Job.“

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.01.2013, 12:43 UhrEinzelhaendler

    Niemand braucht Zalando. Das Unternehmen hat keine gesellschaftlich relevanten Werte geschaffen und im traditionellen Einzelhandel mehrere tausend Arbeitsplätze vernichtet. Wie bei allen Konzernen wird hier Geld aus den Gemeinden und Städten abgezogen und fließt in die Hände weniger Anteilseigner. Die Sparkassen und die KfW, obwohl dem Allgemeinwohl verpflichtet, finanzieren diesen volkswirtschaftlichen Unsinn auch noch. Und der Bundeswirtschaftsminister beruft den Geschäftsführer von Zalando zum Berater für Existenzgründungen. Ist die Konzentration auf immer weniger Konzerne wirklich, was der Bürger braucht? Wer in einer Gemeinde ein Geschäft betreibt, sollte Bürger dieser Gemeinde sein. Internethandel wäre demnach per se auf Ausnahmen beschränkt und wäre mit einer Strafgebühr bewehrt. So schafft man Arbeitsplätze und verhindert das Abwandern von Wohlstand. Nebenbei würden die Innenstädte auch wieder attraktiver werden.

  • 08.01.2013, 16:00 Uhrln-von-e

    Die haben doch mit Schuhen angefangen? Da ist es doch klar, dass die Mädels 6 Paar bestellen und max. 1 Paar behalten.
    Und was die Textilien angeht: Die kommen ausnahmslos aus Asien (Bangladesh, Philippinen - China schon zu teuer). Und da gibt es einen Erfahrungswert: was dem einen seine 44 ist dem anderen die 40. Also immer mindestens 3 Größen bestellen. Pro Kleidungsstück.

    Ein Königreich für eine Textilfachverkäuferin mit kundigem Blick!

  • 12.12.2012, 17:57 Uhrwulff

    Nach den Erfahrungen, die meine Frau mit Zalando gemacht hat, gebe ich der Firma noch max. 1-2 Jahre.
    Ich glaube auch nicht, daß ein Börsengang dieser Firma erfolgreich wäre.

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