Boeing und Trump: Vom Prügelknaben zum Präsidenten-Liebling

Boeing und Trump: Vom Prügelknaben zum Präsidenten-Liebling

, aktualisiert 22. März 2017, 17:53 Uhr
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Das Verhältnis des Flugzeugkonzerns und dem neuen Präsidenten war vor Amtsantritt angespannt, nun profitiert Boeing von der Trump-Regierung.

Quelle:Handelsblatt Online

US-Präsident Donald Trump hatte vor Beginn seiner Amtszeit Boeing heftig angegriffen. Doch zuletzt profitierte der Flugzeugriese von dessen Entscheidungen. Das dicke Ende könnte für den Airbus-Rivalen aber noch kommen.

SeattleEine scharfe Twitter-Attacke sorgte zunächst für Verstimmung, doch derzeit sieht Boeing wie ein großer Gewinner der Präsidentschaft Donald Trumps aus. Der Luftfahrtriese soll von einer satten Erhöhung des Verteidigungsetats profitieren, zudem verspricht Trump niedrigere Steuern, lockerere Umweltauflagen sowie kräftige Investitionen in die Airport-Infrastruktur und Rückendeckung im Wettkampf mit ausländischen Konkurrenten. Das verschafft dem Airbus-Rivalen Oberwasser - allerdings könnte es mit Trump noch ungemütlich werden.

Wie gut man sich momentan versteht, zeigte sich im Februar beim Trump-Besuch eines Boeing-Werks im US-Bundesstaat South Carolina. Der Konzern hatte dort stolz eine neue Variante des Langstreckenjets 787 „Dreamliner“ vorgestellt. „Ich muss schon sagen: Das ist ein schönes Flugzeug“, schwärmte der Präsident vor der Belegschaft. Zum krönenden Abschluss seiner Rede verkündete er: „Gott segne Boeing!“. Konzernchef Dennis Muilenberg strahlte bis über beide Ohren.

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Das Verhältnis war nicht immer so gut. Noch vor seinem Amtsantritt hatte Trump dem Unternehmen in scharfem Ton Wucherpreise bei Regierungsaufträgen vorgeworfen. „Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind außer Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Abbestellen!“, polterte er über den Kurznachrichtendienst Twitter und ließ den Aktienkurs des Branchenschwergewichts damit kurzzeitig absacken.

Die Hintergründe des Angriffs bleiben diffus. Boeing hatte zwar den Auftrag für einen Plan zum Bau zweier neuer Präsidentenmaschinen erhalten. Dabei ging es dem Konzern zufolge aber erst mal nur um einen Anfangsvertrag über rund 170 Millionen Dollar. Nach einem Treffen mit Boeing-Chef Muilenberg behauptete Trump im Februar: „Wir haben den Preis um über eine Milliarde Dollar heruntergebracht.“ Ein Sprecher der Air Force wollte einen solchen Deal gegenüber US-Medien aber nicht bestätigen und sagte, er wisse nicht, wovon Trump geredet habe.

Für Boeing fällt der Bau der „Air Force One“ bei einem Jahresumsatz von 95 Milliarden Dollar ohnehin nicht sonderlich ins Gewicht. Die fliegende Hightech-Festung für US-Präsidenten ist aus Konzernsicht aber ein wichtiges Prestige-Projekt, das die Tür zu höher dotierten und lukrativeren Staatsaufträgen öffnet. Wirkliche Alternativen gibt es bei der Präsidentenmaschine zudem ohnehin nicht, da der europäische Boeing-Rivale Airbus aus nationalen Sicherheitsinteressen nicht in Frage kommt.


Aktien sind an der Börse gefragt

Auffällig ist indes, wie harmonisch es seit dem „Abbestellen!“-Tweet zwischen Boeing und der Regierung zugeht. Am letzten Mittwoch orderte das Pentagon für 3,4 Milliarden Dollar Apache-Kampfhubschrauber. Am Donnerstag nominierte Trump Boeing-Manager Patrick Shanahan als stellvertretenden Verteidigungsminister. Wenig später forderte das Weiße Haus eine sofortige Erhöhung der Verteidigungsausgaben um 30 Milliarden Dollar - mehr als die Hälfte davon sollen in neue Rüstungsgüter gesteckt werden. Einer der größten Profiteure: Boeing.

An der Börse sind die Aktien des Flugzeugbauers gefragt: Seit Anfang des Jahres hat der Kurs um rund 15 Prozent zugelegt. Nicht zuletzt dank Trumps Wirtschaftspolitik ist der Ausblick gut. „Die größten Chancen für Boeing hängen mit Steuerreform und Wachstumsprogramm zusammen“, meinen die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley. Im besten Fall könnten geringere Steuern in Kombination mit einem staatlichen Konjunkturpaket und höheren Verteidigungsausgaben den Aktienkurs von zuletzt rund 180 bis auf 250 Dollar klettern lassen.

Allerdings gibt es für Boeing auch eine Kehrseite der Trump-Medaille. Denn dessen Ablehnung von Freihandel und seine Drohung, Unternehmen mit Strafzöllen auf Importe zur Produktion in den USA zu verdonnern, sind für den Konzern ein erhebliches Risiko. Boeing hat nicht nur eine globale Zuliefererstruktur, sondern auch massive Geschäftsinteressen in Ländern wie China und Iran, die Trump auf dem Kieker hat. Mit Teheran hat der Konzern im Dezember einen Deal für 80 Flieger im Wert von 16,6 Milliarden Dollar geschlossen, der bei neuen Iran-Sanktionen in Gefahr geraten könnte.

Was Boeing bei einem Handelskrieg mit China drohen würde, machte Peking bereits im November klar. Sollte Trump Strafzölle erheben und China als „Währungsmanipulator“ brandmarken, werde die Reaktion nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ausfallen, hieß es in einem Leitartikel des von Chinas Regierung kontrolliertem Parteiblatt „Global Times“. Und weiter: „Eine Menge von Boeing-Bestellungen wird durch Airbus ersetzt“. Das täte weh: Alleine 2016 hat der US-Konzern Flugzeuge für über elf Milliarden Dollar nach China geliefert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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