
„Becel-Margarine gehört nicht in den Supermarkt, sondern in die Apotheke!“ Das fordert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Sie kritisiert medienwirksam die Werbeaussagen zur Margarine „Becel pro.aktiv“, eine Marke des Nahrungsmittelkonzerns Unilever. Bestandteile darin sollen den Cholesterinspiegel senken. Foodwatch kritisiert, dass eben diese Bestandteile als Nebenwirkung Ablagerungen in menschlichen Gefäßen verursachen können und damit das Risiko auf Herzkrankheiten fördern. Strittig ist die Frage, ob die Spezial-Margarine Menschen mit erhöhtem Cholesterin eher nutzt oder schadet. Foodwatch will die Aussage von Becel per Gericht verbieten lassen, dass es „keinen Hinweis darauf gibt, dass der Verzehr mit Nebenwirkungen in Verbindung zu bringen ist.“ In etwa drei Monaten will das Landesgericht Hamburg sein Urteil fällen.
Becel verliert in jedem Fall
Wie das Urteil auch ausfällt und ob die Aussage stimmt oder nicht: Dem Image der Marke Becel scheinen die Foodwatch-Aktivitäten zu schaden. Im Jahr 2012 hat die Verbraucherschutz-Organisation immer wieder über die vermeintlichen Risiken der Becel-Margarine berichtet, Printmedien und Verbrauchersendungen im Fernsehen griffen das Thema auf. Der Imagewert im YouGov-Markenmonitor BrandIndex ist in diesem Zeitraum für die Marke Becel von +38 auf aktuell +24 gefallen. Diese Entwicklung ist umso interessanter, als Becel sich zuvor sehr stabil entwickelt hat. Die in den vergangenen Wochen zu beobachtende Volatilität deutet darauf hin, dass die Marke nachhaltig geschwächt sein könnte.
Hipp muss Imageverlust einstecken
Bild: Reuters129.229 Menschen haben auf der Internetseite abgespeist.de über die dreisteste Werbelüge der Lebensmittelindustrie abgestimmt. Die Verbraucherschutzorganisation hat den "Gewinner" mit dem goldenen Windbeutel ausgezeichnet. Am Dienstagmittag wollen Foodwatch-Aktivisten den Preis am Unternehmenssitz verleihen. Die Negativehrung vergibt die Organisation bereits zum vierten Mal. Die vorherigen Preisträger waren Milch-Schnitte von Ferrero (2011), Monte Drink von Zott (2010) und Actimel von Danone (2009).
Bild: ScreenshotPlatz fünf: Landlust Mirabelle & Birne von Teekanne
7.877 Stimmen (6,1 Prozent) bekam der angebliche Früchtetee der Firma Teekanne. Mirabelle sei in dem Tee gar nicht enthalten, ohne künstliche Aromen wäre die Bezeichnung Mirabelle und Birne gar nicht zu verkaufen gewesen. Statt von der Streuobstwiese kommt die Teekanne Landlust vom Fließband - dafür ist das Produkt deutlich teurer als andere Industrie-Früchtetees. "Ist der Schwindel erst entlarvt, herrscht statt Landlust nur noch Landfrust bei den Teekanne-Kunden", sagt Oliver Huizinga von foodwatch.
Bild: ScreenshotPlatz vier: Clausthaler von Radeberger
Immerhin 10,1 Prozent der Nutzer - insgesamt 13.104 Stimmen - wollten den Antipreis an Clausthaler vergeben. Das Bier ist nämlich gar nicht alkoholfrei, es enthält lediglich sehr wenig Alkohol: 0,45 Volumenprozent sind drin. Mit der Bezeichnung alkoholarm wäre Radeberger auf der sicheren Seite gewesen.
Bild: ScreenshotPlatz drei: Becel pro.activ von Unilever
Für beziehungsweise gegen den medizinischen Brotaufstrich von Unilever sprachen sich 28.686 Menschen (22,2 Prozent) aus. Ob die Cholesterinspiegel senkenden Stoffe in der Margarine Becel pro aktiv etwas bringen, hat Unilever nämlich genauso wenig untersucht wie mögliche Langzeitfolgen oder Nebenwirkungen. Das Foodwatch-Urteil: "Becel pro.activ sollte nur auf Rezept und in der Apotheke verkauft werden."
Bild: ScreenshotPlatz zwei: Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung mit pflanzlichem Eiweiß von Netto-Markendiscount
35.549 Stimmen (27,5 Prozent) bekam das Hackfleischimitat von Viva Vital, über das WirtschaftsWoche Online bereits berichtet hat. Das Produkt enthalte 30 Prozent weniger Fett, wirbt die Netto-Eigenmarke. Das liegt allerdings daran, dass 30 Prozent des Fleisches durch gefärbtes Weizen-Wassergemisch ersetzt werden. Im Vergleich ist das Hackgemisch deutlich teurer als reines Fleisch. "Hier geht es nicht um weniger Fett oder eine Reduktion des Fleischkonsums, sondern schlicht um mehr Brutto für Netto", sagt Foodwatch.

Platz eins: Instant-Tees ab dem 12. Monat von Hipp
44.013 Menschen oder 34,1 Prozent der Umfrageteilnehmer sagten, dass die Hipp Instant-Früchtetees die größte Werbelüge verbreiten. Wie WirtschaftsWoche Online bereits berichtete, rühmt sich das Unternehmen in der Werbung zwar damit, besonders gesunde und kindgerechte Lebensmittel herzustellen; die Tees sind für Kleinkinder aber völlig ungeeignet. Empfohlen für Kinder ab dem 12. Monat, enthält der Tee laut Foodwatch pro Tasse (200 Milliliter) umgerechnet rund zweieinhalb Stück Würfelzucker. Trotzdem stelle Hipp in seinem Ratgeber „Was und wie viel sollten Babys und Kleinkinder trinken“ den Tee auf eine Stufe mit Mineralwasser. "Verantwortliches Marketing sieht anders aus", sagt Foodwatch.
129.229 Menschen haben auf der Internetseite abgespeist.de über die dreisteste Werbelüge der Lebensmittelindustrie abgestimmt. Die Verbraucherschutzorganisation hat den "Gewinner" mit dem goldenen Windbeutel ausgezeichnet. Am Dienstagmittag wollen Foodwatch-Aktivisten den Preis am Unternehmenssitz verleihen. Die Negativehrung vergibt die Organisation bereits zum vierten Mal. Die vorherigen Preisträger waren Milch-Schnitte von Ferrero (2011), Monte Drink von Zott (2010) und Actimel von Danone (2009).
Doch selbst dieser bemerkenswerte Verlust von 14 Punkten ist glimpflich im Vergleich zum Imageabsturz einer anderen Lebensmittelmarke: Der Kindernahrungsmittelproduzent Hipp hat im Juni 2012 von Foodwatch den „Goldenen Windbeutel“ erhalten – eine Auszeichnung für die dreisteste Werbelüge. Hipp wurde vorgeworfen, die Kindertees mit zu viel Zucker auszustatten. Im BrandIndex machte sich das deutlich bemerkbar: Der Imagewert von Hipp sackte binnen nur eines Monats von +62 auf +32 Punkte. Wenn es um die Kindergesundheit geht, reagieren Verbraucher offenbar besonders sensibel und zeigen sich wenig nachsichtig mit Unternehmen.
Inzwischen hat sich Hipps Image zwar einigermaßen erholt, die Marke scheint jedoch nachhaltig geschwächt, denn die alten Imagewerte erreichte sie bislang nicht mehr. Aktuell werden Werte von +50 Punkte erreicht.
Andere Lebensmittel-Marken, die mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit werben oder geworben haben, stehen zurzeit aus Image-Sicht übrigens ebenfalls schlecht da. So erreichen sowohl die Getränkemarke Active O2 als auch die Joghurt-Speisen Actimel und Activia von Danone negative Werte zwischen -1 und -7 Punkten. Anfang des Jahres lagen diese Marken noch im positiven Bereich. Die Danone-Marken standen vor einiger Zeit ähnlich im Fokus wie Becel – die Imagewerte haben sich bis heute nicht erholt.

























