Buchhändler gegen Suchmaschine: Was Amazons Werbepläne für Google bedeuten

Buchhändler gegen Suchmaschine: Was Amazons Werbepläne für Google bedeuten

von Kathrin Grannemann und Stephan Happel

Mit seiner eigenen Plattform für Online-Werbung will Versandriese Amazon offenbar dem Konkurrenten Google eins auswischen. Das könnte dem Händler in mehrfacher Hinsicht gelingen.

Den Kampf mit Konkurrenten hat Jeff Bezos nie gescheut. Der Amazon-Chef hat sich mit Buchhändlern angelegt, mit Marktplatz-Verkäufern, mit Filmkonzernen. Verlage, deren Verhalten ihm nicht passt, versucht er gerade am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen.

Nun aber greift Bezos einen mächtigen Gegner auf dessen eigenem Territorium an: Google. Der Onlinehändler will offenbar seine eigene Plattform für Online-Werbung aufbauen und dem Suchmaschinen-Giganten so Konkurrenz machen. Amazon soll laut einem Bericht des Wallstreet Journals bereits mit potentiellen Partnern über das Projekt „Amazon Sponsored Links“ gesprochen haben. Der Konzern schweigt zu den Gerüchten. Tests für den Dienst sollen später in diesem Jahr starten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

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Das Geschäft mit der Online-Werbung wächst rasant und Amazon verdient gut daran. Schon jetzt spielt der Händler in seinem Shop Werbung aus - eigene, die von Drittanbietern und eben auch solche von Google selbst. Damit soll bald Schluss sein, Amazon will ein größeres Stück vom Kuchen und wird die anderen Anbieter wohl zu Gunsten des eigenen Dienstes beschneiden.

Jeff Bezos Die irren Ideen des Amazon-Gurus

Gründer und CEO Jeff Bezos sieht seinen Internet-Giganten Amazon längst als einen gigantischen Lotteriegewinn. Der Multimilliardär kann so seine exotischen und utopischen High-Tech-Projekte finanzieren.

Quelle: Getty Images

Weil aber nicht alles schlecht an Google ist, wird sich der Amazon-Dienst an dessen Werbesystem AdWords orientieren, bei dem die Anzeigen passend zu bestimmten Wörtern platziert werden. Beispiel: Wer nach dem Begriff „Sportschuh“ sucht, bekommt von Google Schuh- und Mode-Werbung angezeigt. Damit diese genau zum Kunden passt, werkelt im Hintergrund ein komplizierter Algorithmus, der Nutzerdaten, Suchanfrage und Angaben des Werbekunden miteinander abgleicht.

Experten gehen davon aus, dass Amazon ein ähnliches, wenn nicht genaueres System implementieren kann. „Amazon könnte die Daten, die es über das Kaufverhalten der Kunden hat nutzen, um die Werbung sehr viel effektiver zu machen“, sagt etwa der IDC-Analyst Karsten Weide. Als Händler und Verkaufsplattform weiß das Unternehmen schließlich ganz genau, wonach die Kunden suchen, was sie bisher gekauft haben, welche Produkte angeschafft und wie sie bisher bewertet wurden. Dieses Wissen können sie dafür nutzen, um exakt auf den Kunden zugeschnittene Werbung auszuliefern – besser als andere Werbedienstleister. Und: Das Angebot bleibt wohl nicht nur auf die eigene Webseite begrenzt. Amazon habe vor, mit der Zeit auch Werbung außerhalb anzubieten.

Amazon-Gründer Jeff Bezos hat sich an einem Sammelsurium von Unternehmen beteiligt

  • Amazon.com

    (Auswahl)

    Audible (Audiobooks)
    Alexa (Web-Analyse)
    Zappos (Schuhe, Kleidung)
    IMDb (Spielfilm-Datenbank)
    Junglee.com (Online-Shop für Indien)
    ComiXology (Digitale Comics)
    Diapers.com (Windeln)

  • Bildung

    General Assembly
    Everfi

  • Computer

    D-Wave (Quantenrechner)

  • Energie

    General Fusion (Kernfusion)
    Sapphire Energy (Algen)

  • Finanzen

    Remitly (Zahlungssystem)

  • Gesundheit

    Juno Therapeutics (Krebstherapie)
    ZocDoc (Arztvermittlung)
    Qliance (Versicherung)

  • Handwerk/ Industrie

    Glassbaby (Glaskunst)
    MFG.com (Marktplatz für Fertigungsaufträge)
    Pro.com (Preisvergleich Hausrenovierung)

  • Internetsuche

    Google

  • Künstliche Intelligenz

    Vicarious

  • Medien

    Washington Post
    Business Insider (Wirtschaftsportal)
    Vessel (Videoplattform)

  • Online-Marktplätze

    Airbnb (Zimmervermittlung)
    Uber (Personenbeförderung)

  • Raumfahrt

    Blue Origin

  • Robotik

    Rethink Robotics

  • Software

    Basecamp (Softwareentwicklung)
    Skytap (Softwareentwicklung)
    Aviary (Foto-App)
    Finsphere (Authentifizierung)

  • Soziale Medien

    Nextdoor (Nachbarschaftsnetzwerk)
    Twitter (Kurznachrichten)
    StackExchange (Wissen)

  • Spiele

    Linden Lab (Virtuelle Welten)
    SGN (Spieleentwicklung)
    Kongregate (Online-Spiele)

  • Unternehmenssoftware

    Workday (Buchhaltung)
    Basecamp (Projektmanagement)
    Domo (Managementsysteme)
    Rescale (Simulationen)
    Doxo (Dokumentenmanagement)

  • Wohltätigkeit

    Crowdrise (Spendenplattform)


Amazons Einstieg in den Werbemarkt ist für ein Google ein Schlag in mehrfacher Hinsicht. Zum einen könnten viele Marken und Händler zumindest einen Teil ihres Werbebudgets von Google nach Amazon verlagern. Schließlich können sie dort im Optimalfall sehr zielgenau eine Käufergruppe ansprechen, die ohnehin gerade beim Shoppen ist – weniger Werbung dürfte so wirkungslos versendet werden. Mit nahezu 250 Millionen aktiven Nutzern ist Amazon auch für große Werbekunden attraktiv.

Mit jeder Anzeige gehen Google nicht nur Einnahmen, sondern auch wichtige Daten verloren. Potenziert wird das Problem dadurch, dass Amazon selbst AdWords in Zukunft zumindest deutlich weniger nutzen oder ganz von seiner Seite verbannen dürfte. Damit verlöre Google Zugriff auf einen der wichtigsten Onlinemärkte überhaupt.

Milliarden-Umsatz
Um das Potential der Märkte wissend, hat Google in den vergangenen Jahren versucht, vom Online-Shopping-Boom zu profitieren. Meist mit mäßigem Erfolg. Die Produktsuche Google Shopping ist beispielsweise nicht viel mehr als ein Durchlauferhitzer. Google leitet die Kunden nur an andere Anbieter weiter. Das bringt dem Suchmaschinenriesen bestenfalls ein kleines bisschen Geld über Werbeeinnahmen und das Wissen, was der Kunde sucht. Ob und in welcher Form die jeweiligen Produkte verkauft werden, erfährt der Konzern nicht.

Trotz der Amazon-Attacke: Von einer schnellen Wachablösung auf dem Online-Werbemarkt ist kaum auszugehen. Google Adwords ist der Platzhirsch, seit 14 Jahren am Markt vertreten und mit mehr als einer Million Anzeigekunden dick im Geschäft. Jährlich setzt der Konzern rund 50 Milliarden Dollar damit um.

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Weil der Google-Algorithmus einmal implementiert ist - und gut funktioniert, sind die anfallenden Kosten – trotz regelmäßiger Updates – gering. Werbekunden zahlen für Adwords in der Folge vergleichsweise wenig und nutzen das Werbesystem mit Freude. Mittlerweile ist es auf mehr als zwei Millionen Webseiten vertreten. Eine Masse, die Amazon auf absehbare Zeit kaum erreichen kann.

Nicht nur auf dem Werbemarkt treffen die Online-Giganten, die jahrelange ihre Bereiche klar abgesteckt hatten mittlerweile aufeinander. Amazon wildert mit dem Fire Phone derzeit im Smartphonemarkt. Auch Google hat die angestammten Gefilde verlassen und zum Angriff auf Amazon geblasen. Wie die „New York Times“ berichtete, plant der Onlineriese in Kooperation mit der Buchhandelskette Barnes & Noble die Auslieferung von Büchern noch am selben Tag. Wer über den bisher nur in Amerika verfügbaren Google-Dienst „Shopping Express“ ein Buch bestellt, soll es noch am gleichen Tag von einer lokalen Barnes & Noble-Geschäftsstelle geliefert bekommen.

Viele Autoren und Verlage dürfte freuen, dass Amazon durch Google Druck bekommt. Sie befinden sich seit Wochen und Monaten im Clinch mit dem Versandhändler. Dass ausgerechnet Google nun zum Retter der Buchbranche wird, ist aber mehr als unwahrscheinlich.

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