Cargo-Geschäft: Lufthansa verliert in China die Geduld

Cargo-Geschäft: Lufthansa verliert in China die Geduld

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 02:12 Uhr
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Ein Flugzeug der Lufthansa Cargo landet in Frankfurt.

Quelle:Handelsblatt Online

In China liefern sich Frachtfluggesellschaften einen heftigen Preiskampf. Auf sein China-Joint-Venture schaut Lufthansa Cargo deshalb mit Argusaugen. Außerdem hadert das Unternehmen mit dem deutschen Nachtflugverbot.

FrankfurtDie Frachttochter der Lufthansa stellt ihr Geschäft in China wegen des ruinösen Wettbewerbs auf den Prüfstand. „Wir lassen alle Optionen offen“, sagte Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt auf einer Logistikkonferenz von Reuters in Frankfurt.

In dem Boom-Land erwirtschafte sein Unternehmen ein Fünftel seines Umsatzes, doch seien Marktanteile oder strategische Position weniger wichtig als die Profitabilität des Geschäfts. „Wenn wir kein Geld verdienen, gehen wir raus.“ Frachtfluggesellschaften lieferten sich in China einen harten Preiskampf, bei dem bisher kein Anbieter Gewinne erziele, erläuterte Garnadt.

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Die Lufthansa-Tochter ist zu einem Viertel an der chinesischen Frachtgesellschaft Jade Cargo beteiligt, weitere 24 Prozent hält eine Tochter der staatlichen Förderbank KfW. Mehrheitseigner ist mit 51 Prozent die Fluglinie Shenzhen Airlines.

Die Kapitaldecke des Gemeinschaftsunternehmens sei seit Jahren dünn - Wechsel der Gesellschafter hätten es schwer gemacht, neues Geld in das Unternehmen zu stecken, sagte Garnadt. Doch so langsam nahe eine Lösung. „Wir sind in sehr konstruktiven Gesprächen mit der Bank of China und unserem Partner Shenzhen Airlines.“ Die Höhe des Kapitalbedarfs wollte er nicht verraten. Das Geld müsse aber bald fließen, betonte er.

Dass der Lufthansa bei ihrer chinesischen Beteiligung allmählich die Geduld ausgeht, zeigte sich bereits vor sechs Wochen. Konzernchef Christoph Franz hatte betont, dass die Kranich-Linie nicht unbedingt an ihrem Anteil an Jade Cargo festhalten müsse. „Wir werden uns aus verlustbringenden Einheiten, die keine vernünftige Turnaround-Perspektive haben, zurückziehen“, kündigte Franz an. Zu spüren bekam das bereits die britische Tochter BMI. Franz möchte die defizitäre Airline an einen Rivalen verkaufen - verhandelt wird mit British Airways und Virgin Atlantic.

Jade Cargo wurde 1994 gegründet und fliegt von der südchinesischen Industriestadt Shenzhen mit sechs Boeing-747-Großraumfliegern 14 Ziele in China und rund um die Welt an. Die Airline hat 390 Mitarbeiter.


Turbulenzen durch das Nachtflugverbot

Lufthansa Cargo betreibt 18 eigene Maschinen und kam 2010 bei 2,8 Milliarden Euro Umsatz auf 310 Millionen Euro Betriebsgewinn. So viel wie im Glanzjahr 2010 werde es in diesem Jahr nicht mehr werden, betonte Garnadt. Das sei aber nicht bedenklich, sondern stelle eine Normalisierung dar.

„2011 wird für Lufthansa Cargo trotz der Turbulenzen das zweitbeste Jahr der Firmengeschichte.“ Nicht nur die trüben Konjunkturaussichten weltweit lasteten auf den Geschäften, sondern auch das Verbot von Flügen in der Nacht am Flughafen Frankfurt, dass überraschend Ende Oktober verhängt wurde. Der Schaden betrage für die Gesellschaft allein dieses Jahr 15 Millionen Euro.

Falls das gerichtliche Verbot dauerhaft gelte, kämen 2012 nochmal Einbußen von 40 Millionen Euro hinzu. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet im März über den Fall. Lufthansa Cargo arbeite derzeit an Plänen, um die Folgen eines dauerhaften Verbots zu minimieren, sagte der Manager.

Möglich wäre etwa, mehr Flüge tagsüber durchzuführen oder einen zweiten Frachtstandort aufzubauen. „Unsere Präferenz geht nicht dahin, an zwei verschiedenen Standorten zu arbeiten“, machte er klar. Derzeit behelfe sich das Unternehmen damit, einige Nachtflüge vom Flughafen Köln/Bonn starten zu lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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